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Waldbrandrauch verringert die Vogelvielfalt

Ein Forschungsteam hat über 15 Jahre Daten von rund 2800 Vogelzählrouten in den USA analysiert und herausgefunden: Je stärker ein Gebiet im Vorjahr mit Waldbrandrauch belastet war, desto geringer war dort in der folgenden Brutsaison die Vogelvielfalt. Der Effekt bleibt auch dann bestehen, wenn die Forschenden berücksichtigten, wo das Feuer tatsächlich Lebensräume zerstört hat, sowie zahlreiche andere Einflüsse. Die Studie weist damit auf eine versteckte Folge von Waldbränden hin, die sich wirtschaftlich nur schwer beziffern lässt. 

Vögel fliegen durch Waldbrandrauch.

Vögel fliegen durch Waldbrandrauch. (Bild: Reuters / Mark Blinch)

Wenn Wälder brennen, sind die direkten Folgen offensichtlich: Häuser gehen in Flammen auf, Lebensräume werden zerstört. Weniger sichtbar ist, was der Rauch weit über das Brandgebiet hinaus anrichtet. Sarah Meier, Umweltökonomin an der ETH Zürich, hat dies gemeinsam mit Eric Strobl von der Universität Bern für Vögel in den USA untersucht.

Dafür nutzten die Forschenden Daten des North American Breeding Bird Survey, eines seit 1966 laufenden Langzeitprogramms zur Beobachtung der Vogelbestände in Nordamerika. Jedes Jahr zählen geschulte Freiwillige entlang festgelegter, rund 40 Kilometer langer Routen an 50 Stopps alle Vögel, die sie sehen oder hören. Meier und Strobl werteten Daten von rund 2800 solcher Routen in den USA über einen Zeitraum von 15 Jahren, von 2008 bis 2022, aus und kombinierten sie mit hochaufgelösten Daten zur Feinstaubbelastung durch Waldbrände. 

Neben der Artenzahl untersuchten sie auch, wie gleichmässig sich die Vögel auf verschiedene Arten verteilten und wie stark sich diese evolutionär voneinander unterschieden.

Rauch von Waldbränden hinterlässt Spuren bis ins Folgejahr 

Das Ergebnis: War ein Gebiet im Vorjahr stärker mit Waldbrandrauch belastet, war dort in der folgenden Brutsaison die Vogelvielfalt geringer. Stieg die Rauchbelastung von einem durchschnittlichen auf ein deutlich rauchigeres Jahr, sank die Artenzahl um rund drei Prozent. Auf einer durchschnittlichen Zählroute mit 55 Arten entspricht das rechnerisch rund ein bis zwei Arten weniger. An den am stärksten belasteten Messpunkten sank die Artenzahl jedoch deutlich stärker. 

«Ich war nicht sicher, ob wir über ein so großes und ökologisch vielfältiges Gebiet überhaupt einen Effekt sehen würden», sagt ETH-Forscherin Meier. Umso bemerkenswerter sei, dass sich der Zusammenhang über die USA insgesamt zeigt. 

«Der Effekt ist nicht riesig, aber er ist messbar. Und wir wissen nie, welche Arten verschwinden und welche davon für ein Ökosystem besonders wichtig sind. Selbst ein kleiner Rückgang kann deshalb im ungünstigsten Fall dazu führen, dass ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht gerät.»

Ist wirklich der Rauch verantwortlich? 

Waldbrände treten oft bei Hitze und Trockenheit auf – Bedingungen, die auch Vögel direkt beeinflussen können. Mit einem Verfahren aus der Ökonometrie isolierten die Forschenden deshalb den Effekt des Rauches von anderen Faktoren. Sie verglichen dieselben Gebiete über viele Jahre und berücksichtigten unter anderem Wetter, Landnutzung sowie Unterschiede bei der Durchführung der Vogelzählungen. 

Zusätzlich prüften sie zwei besonders naheliegende Erklärungen. Erstens könnte die geringere Vogelvielfalt eine direkte Folge zerstörter Lebensräume sein. Doch selbst bei Zählrouten, in deren fünf Kilometer breitem Umfeld keine Fläche gebrannt hatte, blieb der Raucheffekt bestehen. Zweitens könnten Vögel dem Rauch lediglich in benachbarte Gebiete ausgewichen sein. Auch nachdem die Forschenden solche lokalen Verschiebungen in der Analyse berücksichtigt hatten, zeigte sich weiterhin eine geringere Vogelvielfalt. 

Was genau mit den Vögeln passiert, zeigt die Studie nicht. Andere Arbeiten deuten darauf hin, dass Rauch Vögel schwächen kann: Sie können an Gewicht verlieren und Atemwegsschäden erleiden. Möglicherweise verändert sich auch ihr Verhalten während der Brutzeit.

Was sind die Schäden für die Wirtschaft und Ökosysteme? 

Für Meier zeigt die Studie damit eine Folge von Waldbränden, die in klassischen Schadensrechnungen nur schwer zu erfassen ist. Vögel übernehmen in vielen Ökosystemen wichtige Funktionen: Sie verbreiten Samen, bestäuben Pflanzen und helfen, Schädlinge zu kontrollieren. 

Ein Rückgang der Vogelvielfalt kann sich deshalb auch auf andere Tier- und Pflanzenarten auswirken – und letztlich auf Bereiche wie Land- und Forstwirtschaft.

Wie gross der wirtschaftliche Schaden ist, wenn die Vogelvielfalt zurückgeht, berechnet die Studie bewusst nicht. Meier konzentriert sich zunächst darauf, einzelne Auswirkungen möglichst zuverlässig nachzuweisen.

«Bei abgebrannten Gebäuden können wir relativ einfach beziffern, was der Schaden kostet. Bei Biodiversität ist das viel komplexer», sagt Meier. «Dabei gibt es weitere Folgen von Waldbränden, die wir bislang kaum erfassen, obwohl sie die Gesellschaft betreffen.»

ETH Zürich


Originalpublikation:

Meier S, Strobl E: The impact of wildfire smoke on local avian biodiversity. Journal of Environmental Economics and Management 2026, 139: 103379. DOI: externe Seite 10.1016/j.jeem.2026.103379

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