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Vom Spreizgang zum Zweibeiner: Wie sich die Fortbewegung der Dinosaurier-Vorfahren entwickelte

Fossile Fußspuren zeigen, wie sich die Fortbewegung der Vorfahren der Dinosaurier über Millionen Jahre veränderte. Der Wandel vom seitlichen Abspreizen der Beine zum aufrechten Gang verlief schrittweise – und bereitete den Weg für die spätere Entwicklung der Zweibeinigkeit. 

Holotyp von Pachychirotherium gardenaensis

Holotyp von Pachychirotherium gardenaensis Foto: @ University La Sapienza of Roma

Wie bewegten sich die Vorfahren der Dinosaurier fort? Fossile Fußspuren geben Antworten, die Skelette allein nicht liefern können. Ein Forschungsteam um Dr. Lorenzo Marchetti vom Museum für Naturkunde Berlin untersuchte Fußspuren aus den Dolomiten in Italien und beschrieb sie neu als bislang älteste bekannte Fährten von Archosauriern. Diese Tiergruppe umfasst frühe Vorläufer der Archosaurier, zu denen unter anderem die Dinosaurier gehören. Die Fährten stammen aus dem GEOPARC Bletterbach, der Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten ist.

Die Spuren sind besonders wertvoll, weil Fossilien aus der Zeit vor dem großen Massenaussterben am Ende des Perms nur selten erhalten sind. Dieses Ereignis vor rund 252 Millionen Jahren markiert den Übergang zur Trias und zählt zu den umfangreichsten Artensterben der Erdgeschichte. Archosaurier gab es bereits vor diesem Einschnitt. Wie sie sich bewegten und wie sich ihr Körperbau entwickelte, lässt sich jedoch nur lückenhaft rekonstruieren.

Neue Einordnung einer alten Spur

Bislang wurden die Fährten aus den Dolomiten mit Spuren aus der frühen Trias verglichen, die unter anderem aus Deutschland, Polen und Marokko bekannt sind. Eine erneute Untersuchung durch Lorenzo Marchetti und Hendrik Klein (Saurierwelt Link) führte nun zu einer anderen Einordnung. Die Forschenden verglichen die Form und Maße der Abdrücke mit den Füßen und Händen früher Archosaurier. Dabei stellten sie fest, dass die Spuren zu einer eigenständigen Gruppe gehören. Sie gaben ihr den wissenschaftlichen Namen Pachychirotherium gardenaensis – sinngemäß „kräftiger Chirotherien-Verwandter aus dem Grödnertal“. Die Fährten werden heute in den Sammlungen der Universität La Sapienza in Rom und des Naturmuseums Südtirol in Bozen aufbewahrt.

Vom Spreizgang zum aufrechten Gang

Besonders aufschlussreich ist, was die Spuren über die Entwicklung der Fortbewegung verraten. Durch den Vergleich von Fährten aus dem Perm und der Trias konnten die Forschenden nachvollziehen, wie sich die Beinstellung der Tiere über Millionen Jahre veränderte. Im späten Perm waren ihre Beine noch seitlich abgespreizt. Erst im Laufe der Trias bewegten sie sich zunehmend mit einer aufrechten Beinstellung fort. Dieser Wandel war spätestens in der mittleren Trias abgeschlossen.

Mit der veränderten Haltung gingen weitere Anpassungen einher: Die mittleren Zehen wurden länger, die Tiere setzten beim Laufen vor allem ihre Zehen auf und ihre Hände wurden kleiner. Diese Merkmale stehen mit einer effizienteren Fortbewegung und der Anpassung an schnelles Laufen in Verbindung. Sie schufen wichtige Voraussetzungen für die spätere Entwicklung der Zweibeinigkeit bei Dinosauriern, wie zum Beispiel beim T. rex, und nahen Verwandten.

„Es ist faszinierend, wie viele Details über die Biologie und Fortbewegung von Archosauriern in fossilen Fußspuren erhalten geblieben sind. Das ist besonders wichtig, wenn nur wenige Skelettfossilien vorliegen. Tatsächlich sind Spurenfossilien die einzigen Fossilien, die die Fortbewegung von Tieren unmittelbar dokumentieren“, sagt Dr. Lorenzo Marchetti vom Museum für Naturkunde Berlin.

Die Studie zeigt, wie wichtig Spurenfossilien für das Verständnis der Evolution sind. Während Skelette den Körperbau ausgestorbener Tiere sichtbar machen, halten Fußspuren fest, wie sich diese Tiere tatsächlich bewegten. Sie eröffnen damit einen direkten Einblick in das Verhalten längst ausgestorbener Lebewesen – und helfen zu verstehen, wie sich grundlegende Merkmale im Laufe der Erdgeschichte entwickelten.

Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung


Originalpublikation:

Marchetti, L. and Klein, H. (2026), The new archosauriform track Pachychirotherium and the stepwise acquisition of digitigrady, cursoriality and erect stance in the group between the Permian and Triassic. Palaeontology, 69: e70089. https://doi.org/10.1111/pala.70089

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