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Schalenknackende Schildkröten trotzten dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit

Jurassische fossile Schildkröte (Solnhofia parsonsi) mit verbreiterten Kauleisten als Anpassung zum Zerkleinern hartschaliger Nahrung
Jurassische fossile Schildkröte (Solnhofia parsonsi) mit verbreiterten Kauleisten als Anpassung zum Zerkleinern hartschaliger Nahrung (Dauerausstellung Jura-Museum Eichstätt/Sammlung Bischöfliches Seminar Eichstätt) Quelle: Serjoscha Evers

Der Asteroideneinschlag am Ende der Kreidezeit verursachte eines der größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Doch manche Organismen trotzten der Katastrophe. Bei Schildkröten hatte die Chance zu überleben offenbar mit ihrer Ernährung zu tun: Insbesondere Arten mit Vorliebe für hartschalige Organismen, überlebten die Katastrophe.

Das Massenaussterben an der Grenze zwischen Kreidezeit und Paläogen war katastrophal, ein Großteil des Lebens verschwand von der Erde. Damals dominierende Wirbeltiergruppen, wie die Dinosaurier und viele große Meeresreptilien, fielen den Auswirkungen des Asteroideneinschlags vor rund 66 Millionen Jahren zum Opfer. Doch die Katastrophe traf nicht alle Organismen in gleichem Ausmaß: Schildkröten beispielsweise überlebten mit nur minimalen Verlusten.

Eine neue Studie aus der Arbeitsgruppe von Serjoscha Evers, Paläontologe der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), zeigt nun: Insbesondere die Schildkröten, die sich von hartschaligen Organismen wie Schnecken oder Muscheln ernährten, überlebten das Massenaussterben weitgehend unbeschadet. Und dies mit einer mehr als fünfmal so hohen Wahrscheinlichkeit, als solche Schildkröten, die Fische gejagt haben oder reine Pflanzenfresser waren.

Offenbar wirkte sich diese ökologische Anpassung bei Schildkröten auf ihre Überlebenswahrscheinlichkeit aus. „Wir beobachten hier einen ökologischen Filter. Die Spezialisierung auf hartschalige Nahrung verschaffte diesen Schildkrötenarten einen evolutionären Vorteil“, erläutert Autor Serjoscha Evers. „Dies liegt wahrscheinlich an der Resilienz dieser Nahrungsquellen selbst – hauptsächlich Muscheln und Schnecken - gegenüber den katastrophalen Auswirkungen des Impakts. Pflanzenfresser hatten im nuklearen Winter nach dem Einschlag Schwierigkeiten zu überleben – mit Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette bis hin zu Fleischfressern. Schnecken und andere Opportunisten dagegen konnten gut überleben. Schildkröten, die genau auf solche Beutetiere spezialisiert waren, standen also weniger unter Druck.“

Wovon sich Schildkröten ernähren, zeigen spezielle anatomische Merkmale ihrer Kiefer. Auf dieser Basis konstruierten Serjoscha Evers und sein Doktorand Guilherme Hermanson von der Universität Fribourg in der Schweiz einen großen Datensatz, der alle Schildkrötenlinien an der Kreide-Paläogen-Grenze einschließt. So konnten die Paläontologen mittels statistischer Modelle bewerten, in welcher Weise die Ernährung als ökologischer Faktor die Aussterbewahrscheinlichkeit bei Schildkröten beeinflusst hat.

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns


Originalpublikation:

Guilherme Hermanson, Serjoscha W. Evers; Ecological selectivity of diet on turtle K/Pg survivorship. Biol Lett 1 March 2026; 22 (3): 20250790. https://doi.org/10.1098/rsbl.2025.0790

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