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In harten Zeiten übernehmen Taubenväter mehr Verantwortung

Drei Stadttauben
Bei Futterknappheit übernehmen Taubenväter einen größeren Anteil der Brutpflege im Taubennest. So haben die Taubenmütter mehr Zeit, um auf Nahrungssuche zu gehen. Die neue Erkenntnis kann in der Entwicklung effektiver Maßnahmen im Taubenmanagement helfen. Bild: Pixabay

Tauben teilen sich die Brutpflege flexibel auf. Das hat eine aktuelle Studie gezeigt. Wird das Futter knapp, brüten die Männchen länger als sonst – den Weibchen bleibt somit mehr Zeit, für sich selbst auf Futtersuche zu gehen. Dieses Verhalten ermöglicht es ihnen, auch in harten Zeiten erfolgreich zu brüten. Die Studie wirft ein neues Licht auf Fütterungsverbote in Städten und deren Auswirkungen auf das Tierwohl. 

Gemeinsam sorgen die Taubeneltern durch diese Form der kooperativen Brutpflege dafür, dass das Nest fast durchgängig gewärmt und geschützt wird. Den Großteil der Brutarbeit vor dem Schlupf übernehmen die Taubenweibchen – sowohl bei Futterknappheit als auch bei ausreichendem Futterangebot. Begrenzt wird dieser Einsatz der Weibchen vor allem durch ihre verfügbaren Energiereserven. In der Studie verbrachten sie bei ausreichendem Futterangebot 81 Prozent der Zeit auf dem Gelege, die Väter nur 17 Prozent. Bei verringertem Futterangebot hatten die Weibchen weniger Energie und reduzierten ihre Brutzeit auf 75 Prozent. Die Männchen glichen die Differenz aus und erhöhten ihre Brutzeit auf 22 Prozent. So blieb die Gesamtanwesenheit am Nest trotz Futterknappheit nahezu unverändert.

Futterknappheit trifft vor allem die Weibchen

Für die Studie von Forschenden der Technischen Universität München (TUM) wurden in drei Städten mit Fütterungsverbot insgesamt 75 Taubennester in zwei Gruppen untersucht. Fütterungsverbote sind eine gängige Maßnahme von Städten und Kommunen, um die Taubenpopulation zu reduzieren, da Stadttauben einen Großteil ihrer Nahrung im Umfeld des Menschen finden. Eine Gruppe bestand aus Stadttauben, die in Taubenschlägen mit ausreichendem Futterangebot lebten. Die andere Gruppe nistete frei an Gebäuden, etwa in Kirchendächern oder auf Vorsprüngen, und musste selbst Nahrung suchen. Das Team stattete die Nester mit Gewichtssensoren aus, die Gewichtsveränderungen automatisch aufzeichneten. So konnten die Forschenden das Brutverhalten und den körperlichen Zustand der Taubeneltern beobachten und sie zugleich so wenig wie möglich stören. 

Die Gewichtsdaten zeigten außerdem, dass Weibchen bei ausreichendem Futterangebot rund 35 Gramm, also 10 Prozent, schwerer waren als die Tiere in der Kontrollgruppe, die nicht gefüttert wurden. Die Forschenden werten dies als Hinweis darauf, dass Futterverfügbarkeiten zu unterschiedlichen Energiereserven führten. Bei den Männchen gab es keine relevanten Gewichtsunterschiede zwischen den Gruppen, da sie mehr Zeit für die Futtersuche hatten. Von Fütterungsverboten ausgelöste Nahrungsknappheit wirkte sich in der Studie somit in erster Linie auf die weiblichen Tauben und ihre Energieressourcen aus.

Wie sich Fütterungsverbote auf Stadttauben auswirken

„Unsere Studie verdeutlicht, wie Nahrungsmangel Tauben beeinflusst,“ sagt Brandon Mak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie an der TUM und Erstautor der Studie. „Sogar unter erschwerten Bedingungen gelingt es ihnen, ihre Jungen auszubrüten.“ Die Tauben schlüpfen zwar, könnten dann aber nicht genug Nahrung finden und verhungern. „Maßnahmen, die früher im Fortpflanzungszyklus ansetzen, etwa der regelmäßige Austausch der Eier durch Attrappen, sind vor diesem Hintergrund eine tierwohlfreundlichere Alternative, die Populationen gering zu halten.“

Wolfgang Weisser, Professor für Terrestrische Ökologie an der TUM, ergänzt: „Das Zusammenleben mit Stadttieren erfordert ein tieferes Verständnis ihres vielschichtigen Verhaltens, unabhängig davon, wie wir ihnen gegenüber eingestellt sind. Das Taubenmanagement ist aufgrund der Art und Weise, wie es umgesetzt wird, umstritten. Unser Umgang mit Tieren sowie die Gestaltung und Veränderung ihrer Lebensräume sollten reflektiert erfolgen und wirksamere, artspezifische Maßnahmen einbeziehen.“

Technische Universität München 


Originalpublikation:

Mak, B.; Chaban, M. J.; Drewitt, E., Weisser, W.W., Apfelbeck, B.: When the going gets tough, the dove gets going: feral pigeons maintain nest attendance rates during food shortages with asymmetrical biparental care. Royal Society Open Science (2026) DOI: https://doi.org/10.1098/rsos.261123

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