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Nasales Mikrobiom: Wenn Nachbarn Krankheitserreger mitversorgen

Gesicht mit Nase
Nasales Mikrobiom, Bild Pixabay Ai-generated

Ob sich Staphylococcus aureus in unserer Nase ansiedeln kann, hängt auch von seinen bakteriellen Nachbarn ab. Forschende zeigen, dass diese den Krankheitserreger fördern oder hemmen können. 

In unserer Nase leben zahlreiche verschiedene Bakterienarten dicht nebeneinander. Dazu kann auch S. aureus gehören. Das Bakterium besiedelt viele Menschen unbemerkt, kann jedoch schwere Infektionen verursachen. Warum S. aureus manche Menschen dauerhaft besiedelt, andere dagegen nicht, ist bislang nur teilweise verstanden.

Wie das Mikrobiom der Nase multiresistente Keime begünstigen kann

Eine neue Studie unter Leitung von Simon Heilbronner, Professor für Mikrobiologie am Biozentrum der LMU, zeigt nun, dass dabei die übrigen Mitglieder des Nasenmikrobioms eine wichtige Rolle spielen. Sie können S. aureus nicht nur hemmen, sondern auch sein Wachstum fördern. Entscheidend ist unter anderem, welche Nährstoffe die Gemeinschaft verbraucht oder freisetzt und welchen Stoffwechsel der jeweilige S. aureus-Stamm besitzt. Die Wirkung unterschied sich deshalb stark zwischen einzelnen Bakteriengemeinschaften und S. aureus-Stämmen. Das Team veröffentlichte seine Erkenntnisse kürzlich im Fachmagazin Microbiome.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir das Nasenmikrobiom nicht einfach in ‚gute‘ und ‚schlechte‘ Bakterien einteilen können. Entscheidend ist, welche Mikroorganismen zusammenleben und welche Nährstoffe sie sich gegenseitig zur Verfügung stellen oder wegnehmen“, sagt LMU-Biologe Simon Heilbronner.

Besonders deutlich wurde dies bei der Aminosäure Tyrosin. Die Forschenden identifizierten S.-aureus-Stämme, die unter den nährstoffarmen Bedingungen der Nase auf zusätzliches Tyrosin angewiesen sind. Bestimmte Bakteriengemeinschaften können diesen Mangel ausgleichen, indem sie Tyrosin verfügbar machen. Bei einer Untersuchung von 512 menschlichen S. aureus-Stämmen förderte Tyrosin bei 40 Stämmen das Wachstum.

Das Mikrobiom gezielt verändern?

Überraschenderweise kann die Abhängigkeit sogar von Vorteil sein: Ist ausreichend Tyrosin vorhanden, kann S. aureus Ressourcen sparen, indem es die Aminosäure nicht selbst herstellt. Auch im Tiermodell zeigte sich, dass solche Stoffwechselunterschiede die Besiedlung in Anwesenheit anderer Nasenbakterien beeinflussen.

Die Ergebnisse sind auch für zukünftige Strategien interessant, mit denen das Nasenmikrobiom gezielt verändert werden könnte, um S. aureus zu verdrängen. „Wenn wir eines Tages gezielt probiotische Bakterien gegen S. aureus einsetzen wollen, müssen wir diese Wechselwirkungen verstehen“, so Heilbronner. „Wir wollen Gemeinschaften schaffen, die dem Krankheitserreger Ressourcen entziehen – und nicht solche, die ihn unbeabsichtigt mit Nährstoffen versorgen.“

Ludwig-Maximilians-Universität München


Originalpublikation:

L. Camus et al.: Amino acid availability influences Staphylococcus aureus interaction with the nasal microbiota in a strain- and community-specific manner. Microbiome 2026
https://doi.org/10.1186/s40168-026-02563-x

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