Fledermäuse tragen auf vielfältige Weise dazu bei, dass Ökosysteme funktionieren. Insektenfressende Arten helfen, die Bestände von Insekten zu regulieren, darunter auch Schädlinge in der Land- und Forstwirtschaft. In den Tropen und Subtropen bestäuben nektarfressende Fledermäuse Pflanzen, während fruchtfressende Arten Samen verbreiten. Damit unterstützen sie das Wachstum von Pflanzen und die Regeneration von Wäldern.
„Wenn wir eine Fledermausart nachweisen, wissen wir zunächst nur, dass sie da ist. Aber ob sie ihre ökologische Funktion noch erfüllt, sagt uns das nicht“, erklärt Danilo Russo von der Universität Neapel Federico II und dem Museum für Naturkunde Berlin.
„Möglicherweise sind ihre Bestände bereits zu klein geworden, oder ihre Beziehungen zu Pflanzen und Beutetieren haben sich verändert. Der damit verbundene Verlust ökologischer Funktionen kann unbemerkt bleiben, solange die Art weiterhin nachgewiesen wird.“
Doch nicht nur die Zahl der Tiere ist entscheidend. Künstliche Beleuchtung und die Zerschneidung von Lebensräumen können Fledermäusen den Zugang zu Nahrungsgebieten erschweren oder ihre Flugwege zwischen blühenden Pflanzen und Waldflächen unterbrechen. Auch Veränderungen im Nahrungsangebot können ökologische Beziehungen beeinträchtigen – etwa wenn Insekten, Blüten oder Früchte zu anderen Zeiten im Jahr verfügbar sind. Hinzu kommen Hitze, Dürre, Krankheiten und weitere Belastungen, die sich auf Verhalten und Fortpflanzung auswirken können. Ihre Folgen können sich summieren, noch bevor Bestandsrückgänge deutlich erkennbar werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den häufigen Arten. In Agrarlandschaften, Städten und anderen stark vom Menschen veränderten Lebensräumen können wenige häufige Fledermausarten einen großen Teil der verbliebenen ökologischen Funktionen erfüllen. Gehen ihre Bestände zurück, kann das deshalb großräumige Folgen haben – selbst wenn diese Arten nach wie vor als weitverbreitet gelten.
„Häufige Arten müssen häufig bleiben. Das ist ein wichtiges Ziel des Naturschutzes“, betont Mirjam Knörnschild vom Museum für Naturkunde Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin. „Viele ökologische Leistungen von Fledermäusen hängen von einer großen Zahl an Tieren ab. Deshalb müssen wir die Bestände in einer Größenordnung erhalten, die diese Prozesse ermöglicht.“
Die im Übersichtsartikel vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen sollen sicherstellen, dass Fledermäuse sich an Veränderungen anpassen, sich in der Landschaft bewegen und ihre Rolle im Zusammenspiel mit anderen Organismen und in ökologischen Prozessen erfüllen können. Dazu gehören große Populationen mit hoher genetischer Vielfalt, ein Netz geeigneter Quartiere und dunkler Flugkorridore, eine geringere Belastung durch Pestizide sowie Lebensräume, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten ausreichend Nahrung bieten.
Auch beim Monitoring sollte stärker untersucht werden, ob Schutzmaßnahmen die ökologischen Funktionen von Fledermäusen erhalten. Dazu lassen sich Nachweise von Arten und Daten zur akustischen Aktivität mit gezielten Untersuchungen verbinden: Wie gut überleben und vermehren sich die Tiere? In welchem Umfang tragen sie zur Schädlingsregulierung bei? Wie erfolgreich werden Pflanzen bestäubt, und gelingt es Keimlingen, sich zu etablieren? So ließen sich Verluste erkennen, die aus Artenlisten allein nicht hervorgehen.
Arten vor dem Aussterben zu bewahren und ihre ökologischen Leistungen zu erhalten, sind zwei Ziele, die sich ergänzen. Ein Fledermausschutz, der beide verfolgt, kann dazu beitragen, die für das Funktionieren von Ökosystemen entscheidenden Prozesse langfristig zu sichern.
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Originalpublikation:
Russo, D. & Knörnschild, M (2026) Preserving bat-mediated ecosystem functions. Nature Review Biodiversity. DOI: https://doi.org/10.1038/s44358-026-00217-2



