VBIO

Bildungsstandards

Internationale Schulleistungsstudien haben das Selbstbewusstsein für die Bildung der nachfolgenden Generation in Deutschland erschüttert. Es reicht offensichtlich nicht, hier und dort auf Veränderungen am  Schulsystem zu setzen. Ein Durchbruch wurde mit der Einführung Nationaler Bildungsstandards erwartet, die  Anfang der 2000er Jahre von der Kultusministerkonferenz (KMK) entwickelt und mit den Bundesländern abgestimmt wurden.

Bildungsangelegenheiten sind Ländersache - und damit auch der Inhalt und die Ausgestaltung der Biologie-Curricula. Die Steuerung des Bildungssystems über Lehrpläne, Curricula, Stundentafeln und gesetzliche Vorgaben, d.h. über Input-Steuerung, ist im deutschen Schulwesen bis heute in vielen Fächern nicht standardisiert. In internationalen Schulleistungsstudien wie PISA zeigte sich, dass Staaten mit einer systematischen Rechenschaftslegung über den curricularen Input- und Output oft bessere Ergebnisse in den Leistungen der Schüler*innen erzielen. Unter Output versteht man vereinfachend gesprochen die Lernergebnisse der Schüler*innen.


Bildungsstandards Klasse 9/10

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Oktober 1997 die Einführung von bundesweit geltenden Bildungsstandards beschlossen, die für die Primar- und Sekundarstufe I auch für den Biologieunterricht im Mittleren Abschluss (Jahrgangsstufe 9/10) gültig sind. Die Überprüfung der Bildungsstandards obliegt dem Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (www.iqb.hu-berlin.de). Zeitnah im Unterricht und darüber hinaus sollen die Schüler*innen der Lage sein, ihre entwickelten Fähigkeiten und Kompetenzen zu nutzen um Probleme und Situationen zu bewältigen.

Dazu bedarf es eines Sachwissens, das die Kernaussagen der verschiedenen biologischen Disziplinen bündelt und in geeigneten Kontexten darstellt. Die Konzepte der Biologie sind geeignet das biologische Wissen zu strukturieren. Darüber hinaus werden die fachspezifischen Arbeits- und Forschungsmethoden, die Wege, mit denen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu Erkenntnissen gelangen, im Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung herausgestellt. Der Kompetenzbereich Bewerten macht deutlich, dass Wissenschaft und die Anwendung von Wissenschaft im gesellschaftlichen Kontext einer theorie- und kriteriengeleiteten Bearbeitung bedarf. In den Kompetenzbereich Kommunikation fallen die Aspekte grundlegender Lese- und Interpretationskompetenz, die den Umgang mit Informationen und Daten in unterschiedlichen Darstellungsformen sichern. Das betrifft die Erfassung und die adressatengerechte Produktion derselben.

So bilden die in den Kompetenzbereichen formulierten Standards die Grundlage für Allgemeinwissen und Berufsausbildung sowie fachspezifische Studien.


Bildungsvereinbarungen für die gymnasiale Oberstufe

Für die allgemeine Hochschulreife (Sekundarbereich II) sind Bildungsstandards für die Fächer Deutsch, Mathematik und die fortgeführte Fremdsprachen Englisch und Französisch in Kraft.

Für das Fach Biologie ist bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Bildungsstandard für den Sekundarbereich II veröffentlicht. Die letzte bundesweit gültige Übereinkunft für den Biologieunterricht sind die Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Biologie (KMK-Beschluss vom 01.12.1989, i.d.F. vom 05.02.2004), kurz EPA Biologie. Die EPA Biologie legen die Gestaltung der Abiturprüfung fest und definieren diesbezüglich unter anderem fachliche Inhalte, Qualifikationen und methodische Kompetenzen. Die in den EPA skizzierten fachlichen Inhalte und Kompetenzen wie die Kompetenzbereiche Fachkenntnisse, Methoden, naturwissenschaftliche Kompetenzen, Kommunikation und Reflexion wurden in den einzelnen länderspezifischen Curricula für die Sekundarstufe II aufgenommen, modifiziert und angepasst. Somit wird gleichzeitig die Kompetenzorientierung der Bildungsstandards und der Lehrpläne der Sekundarstufe I in den Oberstufencurricula fortgeschrieben.

Darüber hinaus greifen die EPA Biologie, nach Themenbereichen gegliedert, fachliche Inhalte auf und legen die Basiskonzepte wie Struktur und Funktion, Reproduktion, Kompartimentierung, Steuerung und Regelung, Stoff- und Energieumwandlung, Information und Kommunikation, Variabilität und Angepassheit, Geschichte und Verwandheit usw. für die Sekundarstufe II fest. Des Weiteren wird der Aufbau der Abiturprüfungen in den Grund- und Leistungsfächern mit den einzelnen Anforderungsbereichen - Reproduzieren, Zusammenhänge herstellen, Verallgemeinern und Reflektieren - und Operatoren definiert. Operatoren sind Verben, die den Schüler*innen signalisieren, welche Tätigkeiten beim Bearbeiten einer Aufgabe durchzuführen sind, z.B. beschreiben, erklären, deuten. Durch die EPA Biologie soll eine Vergleichbarkeit der Aufgabenstellungen und -niveaus in den einzelnen Bundesländern erreicht werden.


Der Standpunkt des AK Schulbiologie im VBIO

Sowohl Lehrerinnen und Lehrer als auch die Bildungsplanerinnen und Bildungsplaner in den Kultusministerien der Länder haben mit den Nationalen Bildungsstandards einen Referenzrahmen, der ihnen eine fachliche Orientierung bietet und darstellt, worum es im Biologieunterricht gehen soll.
Dessen ungeachtet ist es Aufgabe des VBIO und andere Fachverbände, die Entwicklungen im Schulfach Biologie zu beobachten und möglicherweise durch  weitere Referenzen nachzubessern.