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Preisverleihungen der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie 2014

Der mit 8000 EUR dotierte Hauptpreis der DGHM-Stiftung wurde in diesem Jahr zu gleichen Teilen am 5. Oktober 2014 in Dresden an zwei Wissenschaftler verliehen, die das Interesse an medizinisch relevanten Pilzen und Pilzinfektionen verbindet: Axel Brakhage und Bernhard Hube, beide vom Hans-Knöll-Institut, dem Leibniz Institut für Naturforschung und Infektionsbiologie in Jena.

 

Professor Axel Brakhage ist seit 2004 Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie und Molekularbiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Direktor des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie. Mit seinen wegweisenden Arbeiten verknüpft Axel Brakhage die beiden Gebiete Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie. International führend auf diesem Gebiet, konzentriert sich seine infektionsbiologische Forschung auf human-pathogene Hyphenpilze, insbesondere Aspergillus fumigatus. Ein Schwerpunkt seiner Arbeiten liegt dabei in der Identifizierung und biotechnologischen Erschließung von mikrobiellen Naturstoffen. Der herausragende Erfolg seiner Forschungsarbeiten ist in mehr als 150 Originalarbeiten, zahlreichen Buchbeiträgen und Patenten niedergelegt. Axel Brakhage ist Mitglied in mehreren wissenschaftlichen Beiräten, von 2000-2003 war er Sprecher der DGHM Fachgruppe Eukaryotische Erreger, von 2009-2011 Präsident der VAAM. Er ist Sprecher und Koordinator von zahlreichen großen Forschungskonsortien, in jüngster Zeit u.a. des Transregios 124 „Pathogenic fungi and their human host", des BMBF geförderten Konsortiums „InfectControl2020-Novel antiinfection strategies" und der im Exzellenzwettbewerb erfolgreichen Graduiertenschule „Jena School of Microbial Communication".

 

Professor Bernhard Hube folgte 2006 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Mikrobielle Pathogenität der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2007 ist er zudem Leiter der Abteilung Mikrobielle Pathogenitätsmechanismen am dortigen Hans-Knöll-Institut. Sein Forschungsinteresse gilt den Hefepilzen, insbesondere Candida albicans und Candida glabrata. Das Ziel seiner Arbeiten ist die Identifizierung und Charakterisierung von Pathogenitätsfaktoren, das Verständnis der Interaktion der Hefen mit dem Immunsystem des Wirtes sowie die Anpassungsmechanismen des Erregers während der Infektion. Breite Anerkennung hat er dabei vor allem für seine Untersuchungen über sekretorische Proteasen erlangt. Seine erfolgreichen Forschungsarbeiten sind in mehr als 150 Originalarbeiten, niedergelegt. Im Jahr 2012 gelang es ihm, sich unter den Top25 der meistzitierten Wissenschaftler in Europa auf dem Gebiet der Mykologie zu platzieren, was die herausragende Resonanz auf seine Forschung unterstreicht. Bernhard Hube engagiert sich als Vize-Präsident der International Society for Human and Animal Mycology und Vize-Sprecher der International Leibniz Research School for Microbial and Biomolecular Interactions. Von 2003 bis 2006 war er Sprecher der DGHM Fachgruppe Eukaryotische Erreger.

 

Die beiden Förderpreise der Stiftung, dotiert mit je 2500 EUR, wurden an Dr. rer. nat. Christian Rüter (Münster) und Dr. rer. nat. Christopher Weidenmaier (Tübingen) verliehen.

Dr. Christian Rüter wurde im Juli 2009 in Münster mit „summa cum laude" promoviert. Seit dieser Zeit arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Infektiologie und ist seit 2011 dort Leiter einer Arbeitsgruppe. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten befasst sich Herr Rüter vornehmlich mit den Interaktionen von Typ 3 Sekretionssystem-abhängigen bakteriellen Virulenzfaktoren mit der eukaryotischen Zielzelle. Er verfolgt dabei u.a. den innovativen Ansatz, bakterielle Virulenzfaktoren nicht mehr nur als Zielstrukturen, sondern auch als Werkzeuge zur Manipulation von Signalwegen in Zellen zu betrachten und zu therapeutischen Zwecken, z.B. zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen, einzusetzen.

 

Dr. Christopher Weidenmaier absolvierte nach seiner Promotion in Tübingen, die er mit summa cum laude abschloss, eine dreijährige Post-doc Zeit an der Harvard Medical School in Boston. 2009 kehrte er nach Tübingen zurück und leitet am dortigen Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin eine unabhängige Nachwuchsgruppe. Herr Dr. Weidenmaier ist international ausgewiesen in der Erforschung von humanen Proteinen, die mit Teichonsäuren und anderen Glykopolymeren der Staphylokokkenzellwand interagieren. In komplexen Infektions- und Kolonisierungmodellen untersucht Herr Dr. Weidenmaier die Rolle von Scavengerrezeptoren und von T-Zellen bei der Kolonisation und Infektion durch S. aureus.

 

Der bioMérieux Diagnostikpreis, dotiert mit 2500 EUR, wurde in diesem Jahr an Herrn Dr. med. Frieder Schaumburg aus Münster verliehen. Herr Dr. Schaumburg absolvierte nach Abschluss seiner medizinischen Dissertation einen einjährigen Forschungsaufenthalt in Gabun, Zentralafrika. 2009 wechselte er zur Facharztweiterbildung nach Münster an das Institut für Medizinische Mikrobiologie. Seit seiner Zeit in Afrika beschäftigt sich Herr Schaumburg mit der Infektionsepidemiologie und Ökologie von bakteriellen Erregern in Zentralafrika unter besonderer Berücksichtigung von S. aureus. Ziel seiner Forschung ist sowohl grundlegende mikrobiologisch-epidemiologische Daten zu S. aureus in Sub-Sahara Afrika zu erheben, als auch fundierte molekulare Untersuchungen zur Antibiotikaresistenz, Populationsstruktur und Virulenz der afrikanischen S. aureus- Isolate durchzuführen. Mit diesem Forschungsansatz schließt er Wissenslücken über die Epidemiologie bakterieller Infektionserreger in Sub-Sahara Afrika.

 

Der Becton Dickinson Forschungspreis wird in diesem Jahr an Herrn Dr. rer. nat. Martin Lappann verliehen. Herr Dr. Martin Lappann promovierte 2007 an der Universität Würzburg über die „Morphologische und funktionelle Untersuchung zur Biofilmbildung bei Neisseria meningitidis und ist seit dem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Institut für Hygiene und Mikrobiologie in der Abteilung von Herrn Prof. U. Vogel tätig. Mehrere Forschungsaufenthalte führten ihn in den vergangenen Jahren an das Labor von Soren Molin an der Technischen Universität in Lyngby, Dänemark. Er konnte die Bedeutung von extrazellulärer DNA bei der Biofilmbildung aufklären und Erklärungsansätze erarbeiten für die unterschiedlichen Verbreitungsmuster von virulenten klonalen Linien der Meningokokken bei gesunden Trägern. Zudem beschäftigt er sich mit der Analyse der Interaktion von Meningokokken und Neurophilen Extracellular Traps, der Analyse von äußeren Membranvesikeln sowie dem Einfluss von Umweltfaktoren auf die Genexpression von Meningokokken.

 

Promotionspreise

Erstmalig wurde in diesem Jahr der mit 1.000 EUR dotierte DZIF- Promotionspreis verliehen. Der Preis wurde Herrn Dr. rer. nat. Ivo Finsel (München) für seine Dissertation mit dem Titel „Characterisation of the Legionella pneumophila effector RidL“ zuerkannt, die er unter der Leitung von Herrn Prof. Hubert Hilbi am Max von Pettenkofer Institut in München anfertigte.

 

Die beiden von der DGHM gestifteten und ebenfalls mit 1.000 EUR dotierten Promotionspreise der DGHM wurden an Herr Dr. med. Karl Hermann Josef Dichtl (München) und Herr Dr. rer. nat. Malek Saleh (Greifswald) verliehen.

Herr Dichtl wurde für seine Dissertation mit dem Titel “Untersuchungen zum Zellwand-Stress-Signalweg im humanpathogenen Schimmelpilz Aspergillus fumigatus“, geehrt, die er unter der Leitung von Dr. Frank Ebel und Dr. J. Wagner am Max von Pettenkofer Institut in München, anfertigte.

Herrn Dr. Saleh wurde der Preis für seine Promotion mit dem Titel “Die Bedeutung der Oberflächen-lokalisierten Thioredoxin-ähnlichen Lipoproteine Etrx1 und Etrx2 für die extrazelluläre oxidative Stressresistenz und Pathogenität von Strepptococcus pneumoniae“ verliehen, die er am Interfakultären Institut für Genetik und Funktionelle Genomforschung der Universität Greifswald, in der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Hammerschmidt anfertigte.

DGHM