VBIO

DFG richtet 14 neue Graduiertenkollegs ein

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland 14 neue Graduiertenkollegs (GRK) ein. Dies wurde jetzt vom zuständigen Bewilligungsausschuss bei seiner Herbstsitzung in Bonn beschlossen. Die Einrichtungen werden zunächst viereinhalb Jahre lang gefördert und erhalten in dieser Zeit insgesamt etwa 60 Millionen Euro. Zusätzlich zu den 14 neuen Kollegs stimmte der Bewilligungsausschuss der Verlängerung von sieben Kollegs für weitere viereinhalb Jahre zu. Die Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Chance, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren.

 

Insgesamt fördert die DFG zurzeit 207 GRK, darunter 45 Internationale Graduiertenkollegs (IGK); die 14 neuen Kollegs werden im Laufe des Jahres 2015 ihre Arbeit aufnehmen.

 

Davon beafssen sich 4 mit biowissenschaftlichen Themen:

(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

 

Weltweit gibt es einen Anstieg an Parasiteninfektionen bei Mensch und Tier. Dazu tragen auch Faktoren wie zunehmende Immunität gegenüber Medikamenten, globale Erwärmung und erhöhtes internationales Reiseaufkommen bei. In dem Graduiertenkolleg „Parasite Infections: From Experimental Models To Natural Systems" soll gleichermaßen die Forschung und die wissenschaftliche Ausbildung auf dem Feld der Parasitologie intensiviert werden. Dabei sollen biologische, medizinische und veterinärmedizinische Aspekte von Parasiteninfektionen gleichermaßen erforscht werden. Das Forschungsprogramm richtet den Blick auf drei Ebenen: die molekulare, die zelluläre sowie die organismische Ebene. Der Fokus der Beteiligten liegt dabei auf einigen wenigen ausgewählten Wirts- und Parasitensystemen, die beispielhaft analysiert werden.

(Sprecherhochschule: Freie Universität Berlin, Sprecherin: Professorin Dr. Susanne Hartmann)

 

Das Graduiertenkolleg „Urban Water Interfaces (UWI)" befasst sich mit der Erforschung von Wasserkreisläufen auf urbaner Ebene. Wasserqualität und -quantität in städtischen Wasserversorgungssystemen sind insbesondere in Großstädten einer ganzen Reihe von Belastungen ausgesetzt. So können zum Beispiel klimatische und demografische Entwicklungen die Wasserknappheit zu Spitzenzeiten verschärfen und erhöhte Konzentrationen von neuen, schwer abbaubaren Substanzen im Wasserkreislauf zur Folge haben. Deshalb wird es in Zukunft umso wichtiger sein, die städtische Wasserversorgung richtig zu managen. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GRK legen den Fokus auf natürliche und technische Grenzzonen, die in enger Zusammenarbeit von Natur- und Ingenieurwissenschaften untersucht werden sollen. Denn genau in diesen Grenzzonen finden die wesentlichen Prozesse im Wasserkreislauf der Großstädte statt. In der Folge sollen dann Modellkonzepte und Simulationswerkzeuge für Vorhersagen entwickelt werden, und schließlich kann das neue Wissen zum Management urbaner Wassersysteme genutzt werden.

(Sprecherhochschule: Technische Universität Berlin, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Reinhard Hinkelmann)

 

Biologische Organismen sichern ihr langfristiges Überleben, indem sie auf neuartige und sich ändernde Umweltbedingungen durch genetische Adaptation oder die Verlagerung von Verbreitungsgebieten reagieren. Doch gilt dies auch für anthropogenen, also vom Menschen verursachten Wandel? Über das Überleben von Populationen bei sich ändernden, menschgemachten Bedingungen ist bislang noch nicht viel bekannt; das macht verlässliche Voraussagen schwierig. Das Graduiertenkolleg „Biologische Reaktionen auf neue und sich ändernde Umweltbedingungen (RESPONSE)" untersucht deshalb die plastischen und genetischen Kapazitäten für „in situ"-Reaktionen – also Reaktionen der Organismen an Ort und Stelle – sowie die Faktoren, die die Fähigkeit zur Besiedlung neuer Habitate fördern oder einschränken.

(Sprecherhochschule: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Sprecher: Professor Dr. Klaus Fischer)

 

Bösartige Hauttumoren sind sowohl aufgrund von Umweltfaktoren als auch aufgrund der Altersentwicklung der Bevölkerung ein zunehmendes gesamtgesellschaftliches Gesundheitsproblem. Das Graduiertenkolleg „Hallmarks of Skin Cancer: Cancer Cell Dissemination, Primary Resistance, Novel Targets" will deswegen zum besseren Verständnis der Biologie des Hautkrebses beitragen. Das Forschungsinteresse richtet sich dabei zum einen auf die molekularen und zellulären Mechanismen der Tumorzelldissemination, also der Verbreitung beziehungsweise Streuung von Tumorzellen. Zum anderen sollen auch die Resistenz gegenüber Apoptose, einer Art programmiertem Zelltod, und die Tumorimmunabwehr erforscht werden. So könnten am Ende neue therapeutische Maßnahmen entstehen.

(Sprecherhochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Sprecher: Professor Dr. Sergij Goerdt)

 

Das Graduiertenkolleg „Molekulare Architekturen für die fluoreszente Bildgebung von Zellen" will maßgeschneiderte Fluoreszenzsonden entwickeln und bringt dazu die Forschungsfelder organische Synthese, chemische Biologie, optische Spektroskopie und Zellbiologie zusammen. Die Forscherinnen und Forscher aus den genannten Fachgebieten wollen die komplette Entwicklungslinie solcher Fluoreszenzsonden vom Design über die Synthese, die Biokonjugation, die Strukturaufklärung, die Fotophysik und den intrazellulären Transport bis hin zur In-vivo-Bildgebung innerhalb des Kollegs gestalten. Die synthetischen Fluoreszenzsonden sollen im Anschluss auch in biologischen Prozessen und Organismen – etwa Mäusen oder Zebrafischen – erprobt werden.

(Sprecherhochschule: Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Sprecher: Professor Dr. Hans-Achim Wagenknecht)

 

Mithilfe von Methoden der synthetischen Biologie können biologische Komponenten redesignt oder sogar neudesignt werden – bis hin zur Schaffung artifizieller zellähnlicher Systeme. Es ist zu erwarten, dass synthetisch-biologische Ansätze zunehmend Anwendung finden, um effizienter neue Erkenntnisse über die Komplexität einzelner Zellen, lebender Organismen sowie ganzer Ökosysteme zu gewinnen. Ein besseres Verständnis der biologischen Prozesse ist die Voraussetzung, um beispielsweise Ursachen von Krankheiten zu entschlüsseln, neue Therapieansätze zu finden oder biotechnologische Verfahren zu etablieren. Das Graduiertenkolleg „Synthetische Biologie" will nicht nur diese Prozesse eingehend analysieren, sondern auch die Entwicklung synthetischer zellulärer Schalter oder synthetischer Proteine bis hin zur Etablierung zellfreier synthetisch-biologischer Systeme vorantreiben.

(Sprecherhochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München, Sprecherin: Professorin Dr. Kirsten Jung)

 

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und den geförderten Graduiertenkollegs finden sich unter: www.dfg.de/gk/

 

DFG www.dfg.de/gk/