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DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Dies beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss auf seiner Herbstsitzung in Bonn. Die neuen SFB werden mit insgesamt 128 Millionen Euro gefördert. Hinzu kommt eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Forschungsprojekten. Vier der 15 eingerichteten Verbünde sind SFB/Transregio (TRR), die sich auf mehrere antragstellende Hochschulen verteilen. Alle neuen Sonderforschungsbereiche werden ab 1. Januar 2016 für zunächst vier Jahre gefördert. Sechs der 15 neuen SFB haben einen biowissenschaftlichen Schwerpunkt.

 

Zusätzlich zu den 15 Einrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von 13 Sonderforschungsbereichen für jeweils eine weitere Förderperiode. Ab Januar 2016 fördert die DFG damit insgesamt 249 Sonderforschungsbereiche.

 

Die sechs neuen biowissenschaftlichen Sonderforschungsbereiche im Einzelnen (in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen und unter Nennung der antragstellenden Hochschulen)

 

Biologische Membranen erhalten einen Nicht-Gleichgewichtszustand zwischen dem Inneren und Äußeren einer Zelle oder eines subzellulären Kompartiments und zwischen den Zellen multizellulärer Organismen. Eine Voraussetzung für Leben ist es daher auch, dass Membranen nicht statische Gebilde, sondern vielmehr sich ständig ändernde Grenzen darstellen, die auf externe und interne Reize antworten. Was bestimmt die Identität von Membranen und wie kontrollieren sie ihre dynamischen Prozesse in Raum und Zeit? Welche Rolle spielen hier ihre Bestandteile, besonders ihre Membranproteine und Membranproteinkomplexe? Dies sind Fragen, die im Sonderforschungsbereich „Identität und Dynamik von Membransystemen – von Molekülen bis zu zellulären Funktionen“ beantwortet werden sollen, um die Grundlage einer Vielzahl essenzieller biologischer Prozesse besser zu verstehen.

(Sprecherhochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Sprecher: Professor Dr. Lutz Schmitt)

 

Selektive Autophagie ist ein Prozess, der in spezifischer Weise potenziell schädliche intrazelluläre Abfälle entfernt. Sie dient der zellulären Qualitätskontrolle, der Adaptation an Stressbedingungen sowie der Bereitstellung von Bausteinen für die Synthese neuer zellulärer Komponenten bei begrenzter Nährstoffversorgung. Der weitreichende Einfluss autophagischer Prozesse wurde erst in den vergangenen zehn Jahren erkannt, sodass viele Fragen offen bleiben. Der Sonderforschungsbereich „Molekulare und funktionale Charakterisierung der selektiven Autophagie“ will die molekularen und zellulären Mechanismen entschlüsseln, die eine reibungslose Funktion der Autophagie im gesamten Organismus sicherstellen. Überdies wird anhand verschiedener Krankheitsmodelle für Krebs, Parkinson, Infektion und Entzündung untersucht, wie das Autophagie-Netzwerk zur Entstehung und zum Fortschreiten von Erkrankungen beiträgt und wie dieses Wissen für neue therapeutische Ansätze genutzt werden kann.

(Sprecherhochschule: Goethe-Universität Frankfurt/Main, Sprecher: Professor Dr. Ivan Dikic)

 

Die Einteilung von Zellen in verschiedene Räume, sogenannte Kompartimente, stellt die spezifische Verteilung und Trennung von Nucleinsäuren, Proteinen und Metaboliten sicher. Zugleich müssen die intrazellulären Kompartimente aber in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren und Moleküle auszutauschen. In lebenden Zellen vermitteln zwei unterschiedliche Systeme diesen Austausch: Kompartimentspezifische Transportmaschinerien und Kontaktstellen. Der Sonderforschungsbereich „Transportmaschinerien und Kontaktstellen zellulärer Kompartimente“ erforscht, wie die Kombination dieser Systeme die spezifische Verteilung von Molekülen innerhalb der Zelle vermittelt und wie es damit gelingt, zelluläre Kompartimente funktionell zu einem übergeordneten Ganzen zusammenzuschließen.

(Sprecherhochschule: Georg-August-Universität Göttingen, Sprecher: Professor Dr. Peter Rehling)

 

Der Sonderforschungsbereich „Immunvermittelte glomeruläre Erkrankungen – Grundlagen und klinische Auswirkungen“ befasst sich mit den Ursachen einer Gruppe von Erkrankungen, die zu den häufigsten Auslösern für eine terminale Niereninsuffizienz in der westlichen Welt zählt. Immunvermittelte glomeruläre Erkrankungen sind eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, die primär eine schädigende Entzündungsreaktion in den Glomeruli, kleinen Gefäßknäueln des Nierengewebes, und sekundär auch in anderen Teilbereichen der Niere hervorrufen. Für die Entwicklung von effektiveren und sichereren Therapien sollen die zugrunde liegenden Pathomechanismen untersucht werden.

(Sprecherhochschule: Universität Hamburg, Sprecher: Professor Dr. Rolf A. K. Stahl)

 

Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen beherbergen hoch spezifische Gemeinschaften von Mikroben. Die mit einem bestimmten Wirtsorganismus assoziierten Mikroben können die Fitness ihrer jeweiligen Wirte beeinflussen und letztlich einen Metaorganismus bilden, der sich aus dem vielzelligen Wirt und einer Gemeinschaft von assoziierten Mikroorganismen zusammensetzt. Störungen dieser partnerschaftlichen Beziehung haben bei Wirbellosen wie beim Menschen erhebliche Konsequenzen. Trotz ihrer essenziellen Bedeutung sind die molekularen und zellulären Mechanismen, die die Interaktionen in einem solchen Metaorganismus kontrollieren, in vielen Aspekten noch unverstanden. Hier setzt der Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an, indem er untersucht, warum und wie mikrobielle Gemeinschaften langfristige Assoziationen mit Wirtsorganismen bilden. In ausgewählten Wirtsorganismen soll auch an den evolutionären und ökologischen Auswirkungen auf den Lebenszyklus und die Fitness geforscht werden.

(Sprecherhochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Sprecher: Professor Dr. Thomas C. G. Bosch)

 

In den letzten Jahrzehnten wurden viele Mechanismen der Tumorentstehung aufgeklärt und effiziente Krebstherapien entwickelt. Jedoch stellen die häufigen Rückfälle mit resistenten Tumorzellen eine immense klinische Herausforderung dar. Der Sonderforschungsbereich „Genetische und epigenetische Evolution von hämatopoetischen Neoplasien“ untersucht deshalb die zugrunde liegenden Prozesse aus evolutionsbiologischer Perspektive, um die Krebsentwicklung besser diagnostizieren und behandeln zu können. In enger Zusammenarbeit werden Vertreterinnen und Vertreter aus der klinischen Praxis, der Molekularbiologie, Bioinformatik, Populationsgenetik und der Evolutionsbiologie Tumorerkrankungen des blutbildenden Systems, wie Leukämien und Lymphome, erforschen, anhand derer sich die Krebsentstehung besonders gut verfolgen lässt.

(Sprecherhochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München, Sprecher: Professor Dr. Heinrich Leonhardt) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)