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Artenvielfalt unter Wasser am "Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt"

Der 22. Mai ist der „Internationale Tag der biologischen Vielfalt“. – Ein guter Anlass, einen Blick unter die Wasseroberfläche zu werfen. Denn Binnengewässer zählen zu den artenreichsten Lebensräumen weltweit. Obwohl sie weniger als ein Prozent der Erdoberfläche bedecken, beherbergen sie etwa 35 Prozent aller Wirbeltierarten.

 

Der Verlust der Artenvielfalt in unseren Flüssen, Seen und Feuchtgebieten ist inzwischen vier bis sechs Mal so hoch wie an Land oder im Meer und stellt somit ein bisher unterschätztes Problem dar. „Die dramatische Veränderung der biologischen Vielfalt ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit“, meint Prof. Klement Tockner, Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds Biodiversität. „Denn die Vielfalt der Arten ist Grundlage für unser Wohlergehen, trägt zur Ernährungssicherung bei und dämpft die Auswirkungen der Klimaveränderung.“

 

Eine wichtige Aufgabe von Wissenschaft und Politik sei es daher, Lösungsansätze für Nutzungskonflikte in und an Gewässern zu entwickeln. Um dafür verlässliche und empirisch belegte Entscheidungshilfen zur Verfügung zu stellen, wurde Anfang des Jahres der erste Online-Atlas zur Biodiversität in Binnengewässern veröffentlicht. „Dieser Atlas stellt eine unschätzbar wichtige Grundlage dar, um Prioritäten im Management und zum Schutz der einzigartigen Biodiversität unserer Gewässer zu setzen. So erfordert beispielsweise der globale Boom im Ausbau der Wasserkraft dringend zuverlässige Daten, um ökologisch verträgliche Lösungen für die Nutzung von Gewässern zu entwickeln“, erklärt Prof. Klement Tockner. Weltweit seien derzeit fast 4000 große Staudämme zur Energieproduktion in Planung oder im Bau – insbesondere in den artenreichen Tropen und Subtropen, aber auch am Balkan, in Anatolien, im Himalaya und in China. Die weltweite Stromproduktion aus Wasserkraft, die sich dadurch fast verdoppeln wird, leiste zwar einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, greife aber massiv in das Ökosystem Fließgewässer ein. „Daher ist es dringend erforderlich, ökologische, soziale und ökonomische Standards zu setzen, um eine nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser zu gewährleisten – zum Schutz der Natur und zum Wohle des Menschen“, so Tockner.

 

Der Atlas wurde im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Projekts BioFresh erarbeitet. Unter Federführung des IGB ist dabei in enger Zusammenarbeit mit zwölf internationalen Forschungsinstitutionen und zahlreichen NGOs eine wissenschaftliche Informationsplattform entstanden, die einschlägige Akteure beim Schutz und Management von Binnengewässern unterstützen soll. Interessenten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft erhalten über die Plattform einen freien, online verfügbaren und interaktiven Zugang zu globalen und regionalen Karten der aquatischen Artenvielfalt sowie geografische Hintergrundinformationen zu Lebensräumen, Gefährdungs- und Klimaszenarien sowie Schutzmaßnahmen. Seit der Veröffentlichung ist das internationale Interesse am Atlas groß: Die Aufrufe stammen vor allem aus den USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Brasilien und darüber hinaus aus weiteren 117 Ländern der Welt.

Forschungsverbund Berlin e.V. www.freshwaterbiodiversity.eu