VBIO

Fachinformationsdienst (FID) Biodiversitätsforschung in Vorbereitung

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (Frankfurt am Main), die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und das Institut für Informatik der Goethe-Universität Frankfurt beabsichtigen, bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen gemeinsamen Antrag für die Einrichtung eines Fachinformationsdienstes (FID) zur Biodiversitätsforschung zu stellen. Fachlich wird dieser FID ein Teilgebiet des ehemaligen Sondersammelgebietes 12 Biologie abdecken, wobei Biodiversitätsforschung im hier verwendeten Sinne Taxonomie, Systematik, Evolutionsbiologie und Ökologie einschließt. Die Konzeption für den FID geht aus einem im November 2015 durchgeführten DFG-Rundgespräch mit hochrangigen Vertretern aus zahlreichen deutschen Forschungseinrichtungen hervor.

 

Zielsetzung

Ziel des FID ist es, historische und aktuelle Literatur zur Biodiversität in zeitgemäßen Formaten für die in der Forschung tätigen Wissenschaftler zur Verfügung zu stellen. Der FID-Antrag gliedert sich in vier Module (vgl. Abbildung):

1. Pilotprojekt im Bereich Text-/Data-Mining

2. Digitalisierung historischer Literatur

3. Plattform für Open-Access-Zeitschriften

4. Literaturbeschaffung und überregionale Bereitstellung

 

Wesentlicher Schwerpunkt wird ein Pilotprojekt zur Erfassung und Auswertung historischer Literatur sein (Modul 1), das geographisch auf Deutschland und systematisch auf drei Organismengruppen fokussiert (Vögel, Schmetterlinge, Gefäßpflanzen). Der FID stellt die notwendige Information zur Verfügung, um die Veränderungen der Verbreitung dieser Organismen rekonstruieren zu können; dies ist essenziell, um den Einfluss von Umweltveränderungen auf Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen verstehen zu können. Mit speziell zu entwickelnden Technologien (z. B. Textcrawler, Text-Mining) werden exemplarisch für die drei ausgewählten Taxa aus Volltexten taxonomische, biogeographische und ökologische Informationen extrahiert. Es werden nachnutzbare Werkzeuge entwickelt, die in späteren Schritten die Verarbeitung weiterer Textkorpora zu anderen Organismengruppen und/oder anderen geographischen Räumen erlauben. Die mobilisierten Daten werden über das Data and Modelling Centre (SGN/BiK-F) der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt und in globale Forschungsdatenbanken wie GBIF, Map of Life und TRY eingebunden.

Die Digitalisierung (Modul 2) dient einerseits der Generierung des notwendigen Textkorpus für Modul 1; andererseits bildet sie eine Basis der geplanten Plattform für Open-Access-Zeitschriften (Modul 3). Diese Plattform soll in der Förderphase als langfristiger Service für die Zielgruppe etabliert werden und auch die Überführung von bisher gedruckt erscheinenden Titeln abdecken. Die Literaturbeschaffung und überregionale Bereitstellung (Modul 4) umfasst elektronische Ressourcen und Literatur in Printform. Die Module 2 bis 4 berücksichtigen nicht nur die für Modul 1 relevanten Organismengruppen, sondern die gesamte Bandbreite der organismischen Biodiversität.

 

Integration in fachliche Strukturen

Der FID wird an die DFG-geförderte Infrastruktur GFBio (German Federation for Biological Data) angebunden, was zum einen Langfristigkeit, zum anderen enge Orientierung an den Bedürfnissen der Zielgruppe gewährleistet. Ein Beirat mit voraussichtlich acht Mitgliedern aus hochrangigen Einrichtungen der Biodiversitätsforschung soll die Arbeiten im FID-Projekt fachlich begleiten.

 

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg