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Farblehre in der Gentechnologie

Für verschiedene Anwendungsfelder der Biotechnologie und damit auch der Gentechnologie haben sich zum Teil Farben eingebürgert: Die Rede ist von weißer, grauer, roter, grüner, gelber, brauner und blauer Bio-/Gentechnologie. So soll etwa die Bezeichnung weiße Bio-/Gentechnologie für die Anwendung mikrobieller Systeme, das heißt von Mikroorganismen aber auch von Enzymen für die industrielle Produktion von Chemikalien stehen. Dazu haben zuletzt Schmidt/Sieber, Weiße Gentechnologie – Von Vitaminen und Aromen zu Industriechemikalien, von der Technischen Universität München (TUM), Lehrstuhl für Chemie Biogener Rohstoffe, Wissenschaftszentrum Straubing, in Straubing in der Veröffentlichung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zur 5. Fachtagung Gentechnik in Oberschleißheim am 26.11.2013 veröffentlicht. Von der roten Bio-/Gentechnologie soll dabei die Rede sein, wenn es um das Anwendungsfeld im medizinischen Bereich, z.B. die Herstellung von Biopharmazeutika und der Diagnostik geht. Die rote Bio-/Gentechnologie sei in Anlehnung an die Farbe des Blutes gewählt. Von grüner Gentechnologie werde geredet, im Bereich der biotechnologischen Pflanzenforschung. Die Farbe grün stehe in Anlehnung an das Blatt grün. Bei der blauen Bio-/Gentechnologie handele es sich um einen recht neuen Bereich, den Bereich der Marinebiotechnologie. Mit der Farbe gelb werden diejenigen Bereiche der Bio-/Gentechnologie erfasst, bei denen es um die Nutzung von Insekten geht. Mit der Farbe grau werden in der Regel diejenigen Bereiche der Bio-/Gentechnologie bezeichnet, in denen es um die Entwicklung von Pharmazeutika geht. Die Farbe braun steht für die Anwendung der Bio-/Gentechnologie, in denen GVO bei Abfällen und Abwasser zum Einsatz kommen.

Doch Vorsicht: Zum einen machen die Autoren auch deutlich, dass die fragliche Abgrenzung bewusst dazu eingesetzt wird, in der Bevölkerung inhaltlich positiv besetzte Themen von negativen abzugrenzen. So sei vor allem die grüne Bio-/Gentechnologie seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert und in der öffentlichen Meinung negativ besetzt, während Nutzen und Anwendung von gentechnischen Methoden im pharmazeutischen Bereich dank der offensichtlichen Vorteile kaum infrage gestellt würden. Schließt man sich also den „Farbelehren“ an, läuft man Gefahr, dass bestimmte Bereiche der Bio-/Gentechnologie in bereits besetzte „Schubladen“ gepackt werden.

Auch lassen sich aus den Farben keine synonymen Regelungsbereiche schließen. Zunächst gilt nämlich, dass das Gentechnikgesetz für alle Bereiche gilt, solange dort gentechnische Arbeiten stattfinden. Dies ist nur für einen Teilbereich, nämlich der Anwendung von gentechnisch veränderten Organismen am Menschen vom Gesetz in § 2 Abs. 3 GenTG ausdrücklich ausgenommen. Nur bei der Anwendung von gentechnisch veränderten Organismen am Menschen findet das GenTG keine Anwendung. Advo Gen ConsulT www.advogenconsult.de