VBIO

HRK-Mitgliederversammlung: Kernthesen und Konzepte zur Nachwuchsförderung

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bleibt auf der Tagesordnung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Nachdem im Mai letzten Jahres ein Orientierungsrahmen zum Thema verabschiedet worden war, hat die HRK-Mitgliederversammlung am Dienstag in Kaiserslautern Kernthesen zur Nachwuchsförderung verabschiedet. Ihr wurden erste, von Hochschulen neu entwickelte Konzepte zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und akademischer Karrierewege neben der Professur vorgestellt.

 

Mit den verabschiedeten Kernthesen zielen die Mitgliedshochschulen auch auf die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Unter anderem soll für Promotionsstellen, die aus Haushaltsmitteln finanziert werden, die Befristung 24 Monate – mit einer Verlängerungsoption von 12 Monaten – in der Regel nicht unterschreiten. Auch für die Phase unmittelbar nach der Promotion und der folgenden zweiten Postdoc-Phase sollen Verträge aus Hochschulmitteln regelmäßig nicht für weniger als 24 Monate abgeschlossen werden und sich am Karriereziel orientieren. Die Beschäftigung auf drittmittelfinanzierten Stellen soll sich an der Projektlaufzeit orientieren. Die Drittmittelgeber sind hier aufgefordert, ihre Bewilligungspraktiken zu überprüfen, um den Qualifikationszielen der Forscherinnen und Forscher gerecht zu werden.

 

„Die Hochschulen in der HRK haben sich auch noch einmal dazu bekannt, durch Mentoring und Coaching und durch systematische Personalentwicklung die Karriereplanung zu unterstützen. Die vorgestellten Konzepte zeigen, dass die Hochschulen sich der Aufgabe der Nachwuchsförderung stellen“, so Prof. Dr. Horst Hippler, Präsident der HRK. „Wir hoffen, dass die verabschiedeten Konzepte allgemein zugänglich gemacht werden. Sie bieten Orientierung für Nachwuchskräfte und sind Ausweis für die Attraktivität einer Hochschule als Arbeitgeber.“

 

In den bisher vorliegenden Hochschulkonzepten finden sich neben Überlegungen zu den Stellenstrukturen und unbefristeten Funktionsstellen auch Modelle für die finanzielle Unterstützung von Überbrückungsphasen und selbstständige Forschung nach der Promotion. Die Hochschulen sehen ein breites Angebot zusätzlicher Qualifikationen vor, besonders auch für den außerhochschulischen Bereich. Sie weisen einen verantwortungsvollen Umgang mit Befristung nach und bemühen sich um eine Sensibilisierung der Hochschullehrerinnen und -lehrer für ihren Nachwuchs und ihre Führungs-, Betreuungs- und Beratungsverantwortung.

 

„Mit keinem Konzept kann aber eine ‚wunderbare Stellenvermehrung‘ erreicht werden, wie sie gegenwärtig von Politik und Öffentlichkeit gefordert wird. Unsere Verantwortung ist deshalb auch, darauf hinzuweisen, dass es ohne zusätzliche Haushaltsmittel für Dauerstellen nicht geht“, so Hippler.

 

**************************************************************************************************

 

Die GEW äußert sich dazu folgendermaßen:

 

GEW: „Zwei Schritt vor, einer zurück“

 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den heutigen Beschluss der Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu Wissenschaftskarrieren und Zeitverträgen als ambivalent bewertet. „Es ist zu begrüßen, dass inzwischen auch die HRK die Missstände an den Hochschulen nicht mehr leugnet und sich für mehr Dauerstellen, Mindestlaufzeiten für Zeitverträge sowie eine aktive Personalentwicklung einsetzt. Teilweise aber fallen die Vorschläge hinter den bereits erreichten Diskussionsstand zurück“, sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte, Andreas Keller, am Dienstag.

 

Der HRK-Vorschlag, die Dauer der Arbeitsverträge mit Doktorandinnen und Doktoranden so zu bemessen, dass Qualifikationsziele erreicht werden können und dabei eine Laufzeit von zwei Jahren mit einer Verlängerungsoption von einem Jahr nicht zu unterschreiten, sei ein „Schritt in die richtige Richtung“, sagte Keller. „Niemandem ist geholfen, wenn Promovierende mit einer halbfertigen Doktorarbeit auf die Straße gesetzt werden. Wir brauchen bundesweite verbindliche Mindestlaufzeiten für befristete Arbeitsverträge. Wenn selbst die Hochschulrektoren eine Untergrenze von zwei plus einem Jahr befürworten, darf der Gesetzgeber nicht dahinter zurückfallen“, mahnte der GEW-Vize. Unterstützung verdiene auch die HRK-Forderung, die Laufzeit von Arbeitsverträgen, die aus Drittmitteln finanziert werden, an der Projektlaufzeit zu orientieren.

 

Enttäuscht äußerte sich der GEW-Vize über die HRK-Vorschläge für die Ausgestaltung von Arbeitsverträgen nach der Promotion. „Promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in der Regel zwei Studiengänge sowie die Promotion erfolgreich absolviert. Hochschulen, die diese hoch qualifizierten Fachkräfte weiterbeschäftigen möchten, müssen ihnen berechenbare Perspektiven eröffnen. Leider sucht man danach im HRK-Beschluss vergeblich. Stattdessen soll die unsichere Postdoc-Zeit durch Aufteilung in eine ‚Qualifikations-’ und eine ‚Entscheidungsphase’ sogar noch verlängert werden – ein ganz falsches Signal“, kritisierte Keller.

 

Ausdrücklich würdigte der GEW-Hochschulexperte den HRK-Vorschlag, für Daueraufgaben unbefristete Funktionsstellen einzurichten, sowie den Aufruf an die HRK-Mitgliedshochschulen eine aktive Personalentwicklung zu betreiben, den Beschäftigten gute Rahmenbedingungen zu bieten und „alle relevanten Akteure“ einzubeziehen. „Die GEW wird gerne auf dieses Angebot zurückkommen und steht dem HRK-Präsidenten Horst Hippler, dem ich zu seiner Wiederwahl herzlich gratuliere, sowie den Hochschulleitungen jederzeit für Gespräche zur Verfügung“, unterstrich Keller.

Hochschulrektorenkonferenz (HRK) www.hrk.de/uploads/tx_szconvention/Empfehlung_Kernthesen_Orientierungsrahmen_12052015.pdf