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Hin zu einer wissensbasierten Bioökonomie: Städte und Regionen dringen auf Überarbeitung der EU-Politik

Die Europäische Union muss die Städte und Regionen in ihren Bemühungen besser unterstüzen das bioökonomischen Potenzial durch die nachhaltige Nutzung der in Europa vorhandenen natürlichen Ressourcen zu erschließen. Diesen Standpunkt vertritt der Europäische Ausschuss der Regionen (AdR) in seiner Stellungnahme, in der er die EU zu einer umfassenden Überarbeitung ihrer aktuellen Bioökonomiestrategie auffordert.

 

Die von Katrin Budde (DE/SPE), Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt, erarbeitete Stellungnahme wurde auf der

AdR-Plenartagung am Donnerstag, dem 11. Mai verabschiedet. Darin wird u.a. dafür plädiert, dass die EU den Beitrag der biobasierten

Industriezweige zur Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren erheblich

steigert, damit die europäische Wirtschaft nachhaltiger, ressourceneffizienter und wettbewerbsfähiger wird.

 

„Der Ausbau der Bioökonomie weist große Entwicklungspotenziale in Bezug auf Wachstum und Arbeitsplätze auf, insbesondere in ländlichen ind strukturschwachen Gebieten. Er hat auch eine wichtige soziale

Dimension. Aber ein solcher Ausbau wird nur zum Erfolg führen, wenn bei

der Gestaltung und Finanzierung von Bioökonomie-Initiativen auch die

regionalen Besonderheiten berücksichtigt werden. Die Europäische Kommission muss daher Ideen vorlegen, wie solche regionalen Ansätze frühzeitig einbezogen werden können_", erklärte die Berichterstatterin BUDDE eindringlich. Sie erinnerte auch daran, dass

eine wissensgestützte und vollkommen umweltfreundliche Bioökonomie

auch die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen fördern und dem

Klimawandel durch Klimaneutralität entgegenwirken kann.

 

Obwohl die EU 3,85 Mrd. Euro für Investitionen im Bereich Forschung und

Entwicklung für die Bioökonomie bereitgestellt hat, wird in der

Stellungnahme für einen ganzheitlicheren und stärker abgestimmten

Ansatz plädiert, um die Herausforderungen eines neu entstehenden

Sektors zu bewältigen, der mit großen Risiken, langen

Amortisationszeiträumen und uneinheitlichen Vorschriften konfrontiert

ist. Zur Ankurbelung der Investitionen in die Biotechnologie ist es

daher unverzichtbar, die Synergien zwischen den einzelnen bestehenden

Finanzierungsinstrumenten zu verbessern und den Zugang zu ihnen zu

erleichtern. Das nächste Forschungsrahmenprogramm der EU sowie die

Ausgestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik und der künftigen

Kohäsionspolitik sollten stärker auf die Entwicklung der Bioökonomie

fokussiert sein.

 

In der Stellungnahme werden auch Maßnahmen zur Unterstützung kleiner

und mittlerer Unternehmen (KMU) gefordert, die biobasierte Produkte auf

den Markt bringen. Dazu können Marktanreizprogramme gehören, um die

Kostennachteile für die Verbraucher teilweise auszugleichen, ebenso wie

bessere Fördermöglichkeiten und Garantien zur Reduzierung des

wirtschaftlichen Risikos bei der Markteinführung. Ferner wird

empfohlen, dass die Mitgliedstaaten und Städte und Regionen der EU bei

der öffentlichen Auftragsvergabe biobasierten Materialien den Vorzug

geben. Wichtig ist zudem die Entwicklung besserer Kommunikationsstrategien, um das Bewusstsein für die Bioökonomie in

den Regionen zu stärken. Künftig sollten die Begriffe Bioregion und

Biokommune verwendet werden, um so Städte und Regionen zu bezeichnen,

die einen besonderen Schwerpunkt auf den Ausbau der Bioökonomie legen.

 

Schließlich wird in der Stellungnahme auf die großen regionalen

Unterschiede in Bezug auf den Ausbau der Bioökonomie und die für

diesen Wirtschaftszweig geltenden Vorschriften hingewiesen: So gelten z.

B. in den EU-Mitgliedstaaten derzeit unterschiedliche Bestimmungen für

die Nutzung von Biomasse als Ausgangspunkt für bioökonomische

Wertschöpfungsketten. Deshalb bedarf es aus Sicht des AdR einer

Harmonisierung und Vereinfachung der Rechtsetzung im Einklang mit dem

Subsidiaritätsprinzip und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

PresseCdR cor.europa.eu/de/activities/opinions/Pages/opinion-factsheet.aspx