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Von Seehunden und Plattfischen

Eine Forschergruppe an der Universität Rostock hat ein lange bestehendes Rätsel gelöst: Wie finden Seehunde ihre Beute, wenn sie sich am Grund oder im Sand versteckt?

 

Seehunde nutzen hierfür die Atemwasserströme von Plattfischen. Plattfische wie zum Beispiel Flundern verursachen Wasserbewegungen durch ihre Atmung, und Seehunde spüren diese Wasserbewegungen mit ihren Barthaaren auf, selbst wenn sich der Seehund dabei mit Geschwindigkeiten von einem Meter pro Sekunde vorwärtsbewegt und wenn weitere Strömungen durch Wind und Wellen vorhanden sind.

 

In ihrem neuen Fachaufsatz „Hydrodynamic detection and localization of artificial flatfish breathing currents by harbour seals (Phoca vitulina)“ beschreiben die Forscher entsprechende Experimente, in denen Atemwasserströme, die denen von Flundern entsprechen, künstlich erzeugt wurden. Das Marine Science Center an der Universität Rostock (www.marine-science-center.de) verfügt über neun trainierte Seehunde, die gelernt haben, an Experimenten teilzunehmen. Drei dieser Tiere wurden mit Augenmasken versehen, um schlechte Sichtbedingungen unter Wasser zu simulieren, und sollten dann die Atemwasserströme detektieren und ihre Quelle aufspüren. Dies konnten sie sehr zuverlässig. „Die Tiere nehmen freiwillig und mit Begeisterung an den Experimenten teil“, sagt der Biologe und Physiker Dr. Wolf Hanke vom Marine Science Center. „Man merkt, dass die experimentelle Aufgabe ihrem natürlichen Verhalten nahekommt.“

 

Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen neben der sinnes- und kognitionsbiologischen Bedeutung auch eine ökologische Relevanz. In zukünftigen Experimenten wollen sie unter anderem untersuchen, welche Faktoren diesen Weg des Beuteerwerbs stören können.

 

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Benedikt Niesterok, Yvonne Krüger, Sven Wieskotten, Guido Dehnhardt, Wolf Hanke: „Hydrodynamic detection and localization of artificial flatfish breathing currents by harbour seals (Phoca vitulina)“, Journal of Experimental Biology 2017 220: 174-185; doi: 10.1242/jeb.148676 Universität Rostock doi.org/10.1242/jeb.148676