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Noch kein DEAL in Sicht: Weitere Boykottmaßnahmen gegen Elsevier-Verlag drohen

Seit langem kritisieren Wissenschaftseinrichtungen die Konzentration der großen, international agierenden Wissenschaftsverlage und die daraus resultierenden massiven Preissteigerungen für Fachzeitschriften. Unter der Federführung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) strebt die Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit dem Projekt DEAL den Abschluss bundesweiter Lizenzverträge für das gesamte elektronische Zeitschriftenportfolio der großen Wissenschaftsverlage an. Die Verhandlungen mit dem Elsevier-Verlag zeigen bislang jedoch „keinerlei Fortschritte“. Das bestätigt HRK-Präsident Professor Horst Hippler im Interview mit der Zeitschrift „Forschung & Lehre“, das im Juni-Heft erscheint.

Laut Hippler binden die Ausgaben für die drei großen Verlage Elsevier, Springer Nature und Wiley bereits etwa 60 Prozent der Erwerbungsbudgets der wissenschaftlichen Bibliotheken. Die Tendenz sei steigend. Mit DEAL solle „diese inakzeptable Preisentwicklung“ durchbrochen und die Informationsversorgung für Wissenschaftler verbessert werden. Implementiert werden müsse u.a. auch eine Open-Access-Komponente, so dass die von Wissenschaftseinrichtungen getragenen Kosten für Open-Access-Veröffentlichungen im Rahmen der angestrebten Lizenzen berücksichtigt werden. „In Deutschland fallen durchschnittlich Kosten für Open-Access-Publikationen in Höhe von 1.090 Euro an“, so Hippler. „An Elsevier wurden 2015 rein rechnerisch 3.800 Euro pro Artikel gezahlt – das ist weder angemessen noch fair.“

Sollte es zu keiner Einigung kommen, seien viele weitere Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen bereit, ihre Einzelverträge mit dem Elsevier-Verlag zu kündigen. Mehr als 60 hätten dies bereits getan. Die HRK habe inzwischen auch deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gebeten, über die Fortführung ihrer Tätigkeiten für den Elsevier-Verlag nachzudenken. Dieser verweise zwar gerne darauf, wie aufwändig es sei, wissenschaftliche Ergebnisse zu publizieren, verschweige aber, „dass ein Großteil des Aufwands – das Erstellen und Prüfen der Beiträge – von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erbracht wird, die mit Steuergeldern bezahlt werden“.
F&L

31.05.2017

 

 
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