VBIO News http://example.com VBIO News de Copyright Tue, 18 Aug 2026 11:51:36 +0200 Tue, 18 Aug 2026 11:51:36 +0200 TYPO3 news-39436 Tue, 18 Aug 2026 10:57:25 +0200 Mehr Sonne, mehr UV-Risiko https://www.vbio.de/aktuelles/details/mehr-sonne-mehr-uv-risiko Eine europaweite Untersuchung zeigt, dass die hautwirksame UV Strahlung zwischen 2013 und 2022 an vielen Orten in Europa spürbar zugenommen hat. An 26 von 40 Messstationen wurden klare Anstiege gemessen. Ein Trend, der unseren Alltag und den Sonnenschutz zunehmend betrifft.  Mehr Sonnenschein bedeutet in Europa zunehmend auch mehr hautwirksame UV-Strahlung – mit Folgen für Alltag und Gesundheit. Eine neue Auswertung von 40 Messstationen zeigt für 2013 bis 2022 an 26 Standorten signifikante Anstiege, im Median um etwa 1,2 Prozent pro Jahr. Bei einer mittleren täglichen Dosis von rund 14 SED entspricht das etwa 0,17 SED pro Jahr bzw. insgesamt rund 1,7 SED über das Jahrzehnt.

Hinweis: Der mit SED „Standard-Erythem-Dosis“ abgekürzte Wert beschreibt die Belastung mit der krebserzeugenden ultravioletten Strahlung der Sonne.

Regionale Muster

Besonders stark nehmen die Werte in Mitteleuropa zu, während Nord- und Südeuropa moderater ausfallen und Teile der Iberischen Halbinsel kaum Zuwächse zeigen. Monatsweise sind die Zunahmen häufig im Januar, Februar und Juni am ausgeprägtesten; je nach Monat liegen sie typischerweise bei zwei bis vier Prozent pro Jahr. Entscheidend ist dabei weniger ein gleichmäßiger Anstieg über alle Monate als vielmehr der kräftige Zuwachs einzelner Monate. „Unsere Messreihen zeigen ein großräumiges, aber regional unterschiedlich starkes Plus an UV – die Muster decken sich mit Trends der globalen Solarstrahlung aus Satellitendaten“, sagt Alois Schmalwieser, Unit für Medizinische Physik und Biophysik der Vetmeduni.

Wolkenrückgang als Hauptursache

Der Haupttreiber ist weniger Bewölkung: Wo die Sonnenscheindauer zunimmt, steigt die Boden-UV meist im Gleichschritt – ein Bild, das auch satellitengestützte Datensätze zur globalen Solarstrahlung stützen. Aerosole und Ozon spielten im Mittel der Dekade eine untergeordnete Rolle; Messreihen der Gesamtozonmenge zeigen keine europaweiten Abnahmen. Im Winterhalbjahr sind die relativen Zuwächse in nördlichen Ländern oft am größten, absolut bleibt jedoch der Sommer entscheidend: „Auch wenn die prozentualen Zuwächse im Winter teils am größten sind: Für den Gesundheitsschutz bleibt der Sommer die entscheidende Jahreszeit, weil er den größten Anteil an der jährlichen UV-Dosis liefert“, betont Schmalwieser. Im Alpenraum verstärken Topografie und Schneebedeckung die räumliche Variabilität; die enge Übereinstimmung zwischen Bodenmessungen und hochaufgelösten Satellitenkarten spricht für reale, regional konsistente Signale.

Für die öffentliche Gesundheit heißt das potenziell mehr Risiko, etwa für nicht-melanozytären Hautkrebs. Gefragt sind daher fortlaufende, qualitätsgesicherte Überwachung, dichte Messnetze und angepasste Prävention. Die Analyse beruht auf täglichen, sonnenbrandverursachenden gewichteten UV-Tagesdosen unter All-Sky-Bedingungen, ergänzt durch Satellitendaten zu UV, globaler Solarstrahlung und Sonnenscheindauer; gemeinsam ermöglichen sie präzise lokale Trends und die Erfassung großräumiger Muster.

Veterinärmedizinische Universität Wien


Originalpublikation:

Schmalwieser, A.W., Lorenz, S., Klyshkina, D. et al. Recent increases in solar UV radiation across Europe: a 40-location study to identify trend boundaries. Photochem Photobiol Sci (2026). doi.org/10.1007/s43630-026-00971-4

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Wissenschaft International
news-39435 Tue, 18 Aug 2026 10:39:08 +0200 Schmetterlinge auf dem Weg nach oben https://www.vbio.de/aktuelles/details/schmetterlinge-auf-dem-weg-nach-oben Wie reagieren Schmetterlinge in den Alpen auf steigende Temperaturen? Eine aktuelle Studie zeigt: Vor allem Arten, die ihre Körpertemperatur schlecht regulieren können, weichen in höhere Lagen aus.  Der Klimawandel stellt Tiere und Pflanzen vor eine grundlegende Herausforderung: Was tun, wenn es am angestammten Lebensort zunehmend wärmer wird? Sie können sich an die veränderten Bedingungen anpassen – oder in Regionen ausweichen, die ihnen weiterhin ein geeignetes Klima bieten. Bei Schmetterlingen in den deutschen Alpen scheint vor allem die zweite Reaktion eine wichtige Rolle zu spielen. Das zeigt eine neue Studie von Dr. Esme Ashe-Jepson vom Lehrstuhl für Global Change Ecology der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift Nature Communications Biology erschienen.

Wie Schmetterlinge mit Wärme umgehen

Schmetterlinge sind wechselwarme Tiere. Weil ihre Körpertemperatur stark von den Bedingungen ihrer Umgebung abhängt, reagieren sie besonders empfindlich auf klimatische Veränderungen.
Ashe-Jepson wollte wissen, wie anpassungsfähig verschiedene Arten tatsächlich sind und welche Temperaturen sie maximal vertragen. Dafür untersuchte sie Schmetterlinge entlang eines Höhengradienten in den deutschen Alpen. Die Biologin richtete ihren Blick auf körperliche Merkmale wie Größe und Färbung und verglich ihre Beobachtungen mit Veränderungen der Höhenverbreitung innerhalb des vergangenen Jahrzehnts.

„Zwar sind Arten grundsätzlich keine statischen Objekte, sie können durch Anpassung oder evolutionäre Veränderungen auf ihre Umwelt reagieren“, sagt Ashe-Jepson. „Bei den untersuchten Schmetterlingen habe ich allerdings nur wenige Hinweise darauf gefunden, dass sich ihre Fähigkeit zur Temperaturregulation oder ihre Hitzetoleranz an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst hat.“ Stattdessen zeigt sich eine andere Reaktion: Arten, die ihre Körpertemperatur schlechter regulieren können, haben ihre Verbreitungsgebiete besonders stark in höhere, und damit kühlere, Lagen verschoben. Die Ergebnisse sprechen also dafür, dass Schmetterlinge auf den Klimawandel eher mit einer räumlichen Verlagerung reagieren, als sich vor Ort an steigende Temperaturen anzupassen.

Große und helle Arten im Vorteil

Auch Größe und Färbung spielen eine Rolle dabei, wie Schmetterlinge mit Wärme umgehen. Große Arten können hohe Körpertemperaturen besser vermeiden als kleine. Dunkle Arten sind zwar teilweise besser darin, ihre Temperatur aktiv zu regulieren, erwärmen sich insgesamt jedoch stärker als helle. Diese Unterschiede spiegeln sich in der Zusammensetzung der Schmetterlingsgemeinschaften entlang des Höhengradienten wider. In den wärmeren Tieflagen treten eher große und helle Arten auf, während kleine und dunkle Arten mit zunehmender Höhe häufiger werden. Für Ashe-Jepson liegt darin eine zentrale Erkenntnis der Studie: „Nicht unbedingt die einzelnen Arten verändern sich als Reaktion auf das lokale Klima. Stattdessen verändert sich, welche Arten an einem bestimmten Ort vorkommen.“ Der Klimawandel könnte die Zusammensetzung der Schmetterlingsgemeinschaften in den Alpen somit zunehmend verschieben – und Arten unterschiedlich stark dazu zwingen, geeigneten Lebensräumen in höhere Lagen zu folgen.

Bewegungsfreiheit als Schlüssel zum Artenschutz

Die Ergebnisse haben auch Konsequenzen für den Naturschutz. Denn wenn Schmetterlinge auf steigende Temperaturen vor allem mit einem Ortswechsel reagieren, kommt es darauf an, dass sie geeignete neue Lebensräume überhaupt erreichen können. „Wir sollten beim Artenschutz nicht nur darauf schauen, wie sich Populationen an ihren heutigen Standorten erhalten lassen“, sagt Ashe-Jepson. „Ebenso wichtig ist es, Lebensräume so miteinander zu verbinden, dass Arten auf Veränderungen reagieren und sich durch die Landschaft bewegen können.“
Die Fähigkeit zur Temperaturregulation könnte zudem dabei helfen abzuschätzen, welche Arten besonders stark auf den Klimawandel reagieren werden. Arten, die ihre Körpertemperatur nur schlecht beeinflussen können, dürften demnach eher gezwungen sein, ihr Verbreitungsgebiet zu verlagern.

Sind andere Insekten ähnlich betroffen?

Als Nächstes möchte Ashe-Jepson untersuchen, ob sich diese Zusammenhänge auch bei anderen Insektengruppen finden. Entsprechende Daten zu Heuschrecken und Grillen werden bereits erhoben. So soll sich zeigen, ob die beobachteten Muster eine Besonderheit der Schmetterlinge sind oder sich auch auf andere Insekten übertragen lassen. Unterstützt wurde die Untersuchung von der Verwaltung des Nationalparks Berchtesgaden.

Universität Würzburg


Originalpublikation:

Ashe-Jepson, E. Butterflies with low thermoregulatory capacity show greatest upwards range shifts along an elevational gradient. Commun Biol 9, 1002 (2026). doi.org/10.1038/s42003-026-10534-z

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Wissenschaft Bayern
news-39434 Mon, 17 Aug 2026 12:24:11 +0200 Direkter Kontakt zu Top-Arbeitgebern: Der jobvector career day 2026 https://www.vbio.de/aktuelles/details/direkter-kontakt-zu-top-arbeitgebern-der-jobvector-career-day-2026 Am 24. September 2026 bringt der digitale jobvector career day wieder qualifizierte Fachkräfte aus IT, Technologie und Wissenschaft mit führenden Arbeitgebern zusammen. Das kostenfreie Online-Event bietet unter anderem persönliche Videointerviews mit Personalverantwortlichen, praxisnahe Fachvorträge sowie einen professionellen Lebenslaufcheck. Die Online-Messe ermöglicht den direkten Austausch mit Personalverantwortlichen. In individuellen Videogesprächen besprechen Teilnehmende Details zu offenen Positionen und Karriereperspektiven. Das bietet den perfekten Rahmen, um wertvolle Kontakte für die eigene berufliche Zukunft zu knüpfen.
Das Event bietet zusätzlich ein vielseitiges Liveprogramm aus Unternehmenspräsentationen und Fachvorträgen. So erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in laufende Projekte, Arbeitsweisen und Firmenkulturen. Jobsuchende nehmen wichtiges Wissen über Berufseinstieg, Karriereperspektiven und Gehaltsfragen mit. Den Abschluss bildet ein Lebenslaufcheck, bei dem Experten individuelle Tipps zu den Bewerbungsunterlagen geben.

Jobvector

Weitere Infos unter: www.jobvector.de/karrieremesse/

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Aktiv werden! Bundesweit
news-39433 Mon, 17 Aug 2026 11:54:30 +0200 Boosterimpfung schärft bestehende Abwehr https://www.vbio.de/aktuelles/details/boosterimpfung-schaerft-bestehende-abwehr Das Coronavirus SARS-CoV-2 verändert sich fortlaufend. In der Folge wirken Impfstoffe schlechter und müssen regelmäßig angepasst werden. In 2025 war dies bei der Virusvariante JN.1 der Fall. Ein interdisziplinäres Team aus Hannover und Göttingen hat nun untersucht, wie das Immunsystem auf angepasste Impfstoffe reagiert. Das Genom von SARS-CoV-2 unterliegt ständigen Mutationen. Einige dieser Mutationen reduzieren die Wirksamkeit von RNA-basierten Impfstoffen, die in der Folge immer wieder angepasst werden müssen. Bislang war jedoch unklar, wie das Immunsystem auf neue Virusvarianten reagiert. Werden vor allem bereits vorhandene Gedächtnis-B-Zellen reaktiviert oder auch neue naive B-Zellen in größerem Umfang aktiviert? Diese Frage ist besonders für Personen relevant, bei denen die Immunantwort bereits durch frühere Impfungen und Infektionen geprägt ist. 

Ein interdisziplinäres Team von Mediziner*innen und Naturwissenschaftler*innen vom TWINCORE, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover, von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen hat deshalb die Antikörper- und B-Zell-Antworten in einer Kohorte vorimmunisierter Personen nach einer Impfung mit einem an die JN.1-Variante angepassten mRNA-Impfstoff untersucht. 
„Nach der Boosterimpfung haben wir eine erhöhte Antikörperbindung und eine verbesserte Neutralisation von JN.1 und nachfolgenden Virusvarianten beobachtet”, sagt Dr. Metodi Stankov. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe von Prof. Georg Behrens in der Klinik für Rheumatologie und Immunologie der MHH und einer der beiden Erstautoren der Studie.

Dabei fanden die Forschenden zunächst nur B-Zellen, die entweder ausschließlich die frühere Virusvariante Wu01 erkannten oder kreuzreaktiv gegen Wu01 und JN.1 waren. „Ausschließlich JN.1-spezifische B-Zellen nahmen dagegen nur langsam bis 21 Tage nach der Impfung zu“, sagt Dr. Matthias Bruhn, Postdoktorand am Institut für Experimentelle Infektionsforschung des TWINCORE und ebenfalls Erstautor des Artikels. 

Bei der anschließenden Einzelzell-RNA-Sequenzierung der antigenspezifischen Gedächtnis-B-Zellen und bei Funktionsanalysen der entsprechenden monoklonalen Antikörper zeigte sich, dass die sogenannte somatische Hypermutation eine Spezialisierung auf eine verbesserte Bindung an JN.1 und eine wirksamere Neutralisation antreibt.

Die somatische Hypermutation ist ein natürlicher Reifungsprozess des Immunsystems. Dabei entstehen gezielt Veränderungen in den Genabschnitten von Antikörpern, die für die Antigenbindung verantwortlich sind. Durch die anschließende Auswahl besonders gut bindender Antikörper kann das Immunsystem seine Abwehr gegen bereits bekannte Erreger gezielt verfeinern.

Die Forschenden leiten aus diesen Ergebnissen ab, dass sich vor allem bereits vorhandene Gedächtnis-B-Zellen nach einer Boosterimpfung an die neue Virusvariante anpassen. Die Aktivierung naiver B-Zellen scheint dagegen nicht der dominierende Mechanismus zu sein.
„Die JN.1-angepasste Boosterimpfung geht mit einer Anpassung eines bereits bestehenden Gedächtnis-B-Zell-Repertoires an JN.1 sowie mit einer verbesserten Neutralisation zirkulierender und antigenisch nah verwandter Virusvarianten einher”, sagt Prof. Ulrich Kalinke, Direktor des Instituts für Experimentelle Infektionsforschung am TWINCORE.

„Diese Studie ist ein erster Schritt, um besser zu verstehen, wie die Anpassung von Impfstoffen an neue Virusvarianten die Immunantwort beeinflusst“, sagt Prof. Georg Behrens. „Mit den heute verfügbaren Methoden können wir sehr viel präziser verfolgen, wie angepasste Impfstoffe das Immungeschehen steuern.”

TWINCORE - Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung


Originalpublikation:

Stankov, Bruhn et al.: JN.1-adapted vaccination is associated with readjustment of ancestral memory B cells toward neutralization within the JN.1 antigenic space, Nature Communications volume 17, Article number: 7266 (2026) https://www.nature.com/articles/s41467-026-76035-z

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Coronavirus-News Wissenschaft Niedersachsen
news-39432 Mon, 17 Aug 2026 11:05:38 +0200 Neue Studie weist menschlichen Fingerabdruck bei regionalen Klimaveränderungen empirisch nach https://www.vbio.de/aktuelles/details/neue-studie-weist-menschlichen-fingerabdruck-bei-regionalen-klimaveraenderungen-empirisch-nach Der Klimawandel erfasst die ganze Erde – und doch erwärmen sich Regionen unterschiedlich schnell. Wo ist die menschengemachte Erwärmung bereits eindeutig nachweisbar? Und wo dominieren aktuell noch natürliche Schwankungen? Eine neue Studie hat den menschlichen „Fingerabdruck“ direkt aus Beobachtungen abgeleitet. Die Methode hilft, den regionalen Wandel besser zu verstehen.  Dass der aktuelle globale Temperaturanstieg menschengemacht ist, darüber besteht kein Zweifel. Längst hat sich die globale Erwärmung als dominantes Signal aus den natürlichen Klimaschwankungen herauskristallisiert. Doch herauszufinden, wie sich diese Erwärmung regional ausprägt, bleibt eine zentrale Herausforderung. Nicht überall decken sich die Beobachtungen mit den Vorhersagen der Klimamodelle: So haben sich Teile des südöstlichen Pazifiks und des Südpolarmeeres abgekühlt, und der subpolare Nordatlantik hat sich nicht so stark erwärmt wie erwartet. Dies wirft die Frage auf: Sind die Erwartungen, wie das für einen Anstieg von Treibhausgasen typische Erwärmungsmuster aussieht, überall gleichermaßen zutreffend? Oder anders gefragt: Wie zuverlässig ist der modellbasierte „Fingerabdruck“ des Menschen im Klimasystem auf regionaler Ebene?

Forschende des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M) haben ein empirisches Werkzeug entwickelt, das hilft, genau diese Fragen zu beantworten. Aruhasi, Dirk Olonscheck, Jochem Marotzke und Chao Li identifizierten den Fingerabdruck in Beobachtungsdaten, indem sie globale Datensätze der gemessenen Oberflächentemperatur von 1850 bis 2022 verwendeten und einen Zusammenhang zwischen der regional beobachteten Temperaturänderung und dem global gemittelten Temperaturanstieg herstellten – einem Wert, der sich in Modellen und Beobachtungen sehr gut deckt. Die Auswertung dieses „beobachteten Fingerabdrucks“ ermöglicht Klimaveränderungen auf regionaler Ebene zu detektieren und dem menschengemachten Klimawandel zuzuordnen.

Beobachtetes Muster versus Modellvorhersage

Zudem erlaubt der Vergleich mit dem modellbasierten Pendant die Unsicherheiten von Klimamodellen zu untersuchen. Dabei legen die Forschenden den Schwerpunkt auf vier Regionen, in denen diese Unsicherheit besonders groß ist. Neben dem Südostpazifik, dem Südpolarmeer und dem subpolaren Nordatlantik, wo die genannten Diskrepanzen zwischen Modellen und Beobachtungen bestehen, gehört dazu auch die Arktis als Beispiel einer stark vom Klimawandel betroffenen Region.

Dort verlief die Erwärmung ab der Mitte des 20. Jahrhunderts sehr schnell und zwischen den späten 1990ern und den frühen 2010ern langsamer. Die Studie zeigt, dass diese Verlangsamung auf natürliche Schwankungen zurückzuführen, der menschliche Einfluss aber trotzdem eindeutig ist. Gleiches gilt für den südöstlichen Pazifik. In Teilen des Südpolarmeeres und des subpolaren Nordatlantiks hingegen ist die menschengemachte Erwärmung noch nicht eindeutig aus dem „Hintergrundrauschen“ natürlicher Klimaschwankungen herauszulesen. 
„Wie lange es jeweils dauert, bis das menschliche Signal aus dem Rauschen hervortritt, ist je nach Region unterschiedlich“, erklärt Erstautorin Aruhasi. „Diese ‚Emergence Timescale‘ wird von Modellen oft unterschätzt.“ Die Kennzahl erlaubt auch, je nach Region Zeiträume für Klimabeobachtungen zu definieren, ab denen sich der menschliche Einfluss zweifelsfrei nachweisen lässt. „Der aktuelle Zeitraum der Satellitenbeobachtungen von rund 45 Jahren reicht aus, um die menschengemachte Erwärmung in den meisten Regionen rein empirisch zu belegen“, sagt MPI-M-Gruppenleiter und Koautor Chao Li. 

Hintergrund: Die Methode der Detektion und Attribution

Klimaveränderungen nachzuweisen und einer Ursache zuzuordnen, ist in der Klimaforschung ein alltägliches Geschäft. Die Methode dieser „Detektion und Attribution“, auf die sich auch der Weltklimarat IPCC stützt, geht auf die Arbeiten von MPI-M-Gründungsdirektor und Nobelpreisträger Klaus Hasselmann zurück. Dabei ist der erste Schritt, nachzuweisen, dass eine Klimaveränderung sich statistisch eindeutig von natürlichen Klimaschwankungen abhebt (Detektion). Im zweiten Schritt geht es darum, die Ursache nachzuweisen (Attribution). Dazu identifizieren Forschende – klassischerweise ebenfalls mithilfe von Klimamodellen – welches charakteristische Muster einer Veränderung ein bestimmter Einflussfaktor hervorruft. So verursacht der Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre eine Erwärmung der Troposphäre bei gleichzeitiger Abkühlung der Stratosphäre. Außerdem ist die Erwärmung über Land stärker ausgeprägt als über den Ozeanen, und die Arktis erwärmt sich besonders schnell. Da die beobachtete Klimaveränderung grundsätzlich diesen „Fingerabdruck“ trägt, ist ihre Ursache eindeutig erwiesen. 

Der in der aktuellen Studie vorgestellte beobachtete Fingerabdruck baut ebenfalls auf Hasselmanns Konzept auf. Er ermöglicht eine detailliertere Analyse der regionalen Ausprägung des menschengemachten Klimawandels und hilft, die Übereinstimmung zwischen beobachteten Veränderungen und modellbasierten Erwartungen zu bewerten. Dies ist für die Planung von Anpassungsmaßnahmen und im Klimarecht von Bedeutung.

Max-Planck-Institut für Meteorologie


Originalpublikation:

Aru, H., Olonscheck, D., Marotzke, J., and Li, C. (2026) Observed fingerprint of global warming exposes model biases in regional climate attribution. Science Advances 12, eaed1506(2026). https://doi.org/10.1126/sciadv.aed1506

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Nachhaltigkeit/Klima Wissenschaft Hamburg
news-39431 Mon, 17 Aug 2026 10:48:22 +0200 Hessischer Wald im Langzeitcheck: Was nach dem Kahlschlag geschieht https://www.vbio.de/aktuelles/details/hessischer-wald-im-langzeitcheck-was-nach-dem-kahlschlag-geschieht Eine über sieben Jahrzehnte laufende Langzeitstudie zeigt, wie sich Waldflächen nach einem Kahlschlag entwickeln können. Auf drei eng benachbarten Untersuchungsflächen nahe der Ortschaft Schlitz in Oberhessen nahm die Pflanzenvielfalt im Laufe der Jahrzehnte insgesamt deutlich ab, wobei insbesondere nährstoffarme Waldarten verschwanden. Als wichtige Ursachen sehen die Forschenden die zunehmende Beschattung und Nährstoffanreicherung. Zugleich zeigt die aktuelle Studie, dass alte Wälder nicht nur für die Artenvielfalt bedeutsam sind, sondern auch langfristig große Mengen Kohlenstoff speichern können.  Wie verändern sich Wälder über Jahrzehnte? Welche Folgen haben Kahlschläge und was bedeuten sie für die Artenvielfalt der Zukunft? Senckenberg-Forscher Dr. Thomas Gregor ist diesen Fragen gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Walter Seidling, einem Wissenschaftler des Thünen-Instituts, in einer Langzeitstudie in Osthessen nachgegangen. „Unsere Studie hat eine lange Historie“, erzählt Gregor, heute ehrenamtlicher Mitarbeiter am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und fährt fort: „Bereits 1951 und 52 wurde der Wald pflanzensoziologisch untersucht. Daraus entstand die Idee, auf einer gerodeten Fläche zu beobachten, welche Vegetation sich ohne forstliche Bewirtschaftung entwickelt. Entgegen der Erwartung des damaligen Forstamtsleiters Gothe siedelten sich trotz benachbarter Kiefernforste keine Kiefern an. Drei Untersuchungsflächen im Bereich des Kahlschlags und im angrenzenden Eichenwald wurden von 1951 bis 1976 regelmäßig erfasst, vor allem von der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie in Bad Godesberg. Danach gerieten sie für 13 Jahre in Vergessenheit – kein ungewöhnliches Schicksal für Dauerbeobachtungsflächen. 1992 wurden die Flächen von uns wiederentdeckt und seither in Abständen von ein bis vier, teilweise bis zu sieben Jahren erneut untersucht.“

In ihrer neuen Studie haben die beiden Forscher die Entwicklung der Pflanzenzusammensetzung auf den drei Flächen über einen Zeitraum von sieben Jahrzehnten ausgewertet. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Pflanzenarten war zu Beginn der Beobachtungen im Jahr 1951 mit knapp 50 Arten über alle drei Untersuchungsflächen hinweg am höchsten. Bis in die 1970er-Jahre wies der Wald-Altbestand (Fläche A) durchgehend die höchste Artenzahl auf. In den folgenden Jahren war zeitweise Fläche C artenreicher, bevor schließlich Fläche B die höchste Artenzahl erreichte. Insgesamt nahm auf allen Flächen die Vielfalt der Pflanzenarten deutlich ab. „Auf allen drei Untersuchungsflächen verschwanden im Verlauf der Jahrzehnte sämtliche für nährstoffarme Wälder charakteristische Arten. Dies spricht für eine zunehmende Nährstoffanreicherung an den Standorten. Zusätzlich veränderte die Einwanderung des Kleinen Springkrauts, Impatiens parviflora, die Artenzusammensetzung“, erläutert der Frankfurter Botaniker und spricht weiter: „Heute zeigt sich auf allen drei Flächen eine artenarme und vergleichsweise stabile Vegetation, die von einem konstanten Kernbestand an Buchenwaldarten und weiteren schattentoleranten Arten geprägt ist.“

Auch mit Blick auf die Kohlenstoffspeicherung zeigen sich Unterschiede zwischen dem alten Waldbestand und den Flächen, die nach einem Kahlschlag der natürlichen Wiederbewaldung überlassen wurden. Alte Wälder speichern große Mengen Kohlenstoff sowohl in ihrer lebenden Biomasse als auch im Boden und können diesen über lange Zeiträume binden. Nach einem Kahlschlag wird dagegen zunächst Kohlenstoff freigesetzt, während sich neue Kohlenstoffvorräte erst im Zuge der Wiederbewaldung allmählich aufbauen. „Alte Wälder sind daher nicht nur für die Artenvielfalt von großer Bedeutung, sondern erfüllen auch eine wichtige Funktion im Kohlenstoffhaushalt. Die langfristige Entwicklung der drei Untersuchungsflächen zeigt zugleich, dass eine natürliche Wiederbewaldung zwar zu einem neuen Waldbestand führen kann, die ursprünglichen Eigenschaften eines alten Waldes aber nicht kurzfristig ersetzt“, erläutert Gregor.

Die Studie unterstreicht, dass alte Wälder auch heute noch eine wichtige Funktion als Kohlenstoffspeicher erfüllen können. Zugleich verdeutlichen die Ergebnisse, dass sich Waldbestände und Bodenvegetation nach einem Kahlschlag selbst auf eng benachbarten Flächen unterschiedlich entwickeln. Neben der zunehmenden Beschattung dürfte insbesondere die Eutrophierung, also die Anreicherung von Nährstoffen, ein wesentlicher Treiber der langfristigen Veränderungen der Bodenvegetation sein, so die Forschenden. Die Langzeitbeobachtungen aus Osthessen zeigen damit exemplarisch, wie sich die Wälder der Region über Jahrzehnte verändern und welche langfristigen Folgen Eingriffe in den Wald haben können. „Auch wenn sich unsere Ergebnisse nicht unmittelbar verallgemeinern lassen, liefern sie eine wertvolle Ergänzung zu großräumigen Studien mit zahlreichen Untersuchungsstandorten“, schließt Gregor.

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung


Originalpublikation:

Seidling, Walter; Gregor, Thomas (2026): Floristic and stand dynamics of a clear-cut area and an adjacent then 160 years old oak stand over seven decades. Phytocoenologia Band 52 Heft 4 (2026), p. 337 – 353. DOI: 10.1127/phyto/0466

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Nachhaltigkeit/Klima Wissenschaft Hessen
news-39430 Mon, 17 Aug 2026 09:47:17 +0200 Unter Druck – Genomforschung belegt die genetische Verwundbarkeit asiatischer Elefanten https://www.vbio.de/aktuelles/details/unter-druck-genomforschung-belegt-die-genetische-verwundbarkeit-asiatischer-elefanten Die DNA der als gefährdet geltenden asiatischen Elefanten erzählt eine besorgniserregende Geschichte: Obwohl alle vier Unterarten unter erheblichem Druck stehen, unterscheiden sie sich deutlich in ihrer genetischen Gesundheit. Ein internationales Forschungsteam zeigt, wie Ganzgenomanalysen präziser identifizieren können, welche Populationen besonders gefährdet sind und wo Schutzmaßnahmen die größte Wirkung entfalten können. Der Asiatische Elefant (Elephas maximus) lebt in Süd- und Südostasien und wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet eingestuft. Der fortschreitende Verlust des Lebensraums, zunehmende Mensch-Elefant-Konflikte sowie Wilderei führen dazu, dass die Bestände schrumpfen und zunehmend voneinander isoliert werden. Dadurch steigt das Risiko von Inzucht, was den Verlust genetischer Vielfalt und eine geringere Anpassungsfähigkeit der Populationen zur Folge haben kann.

Für die Studie analysierte das internationale Forschungsteam die vollständigen Genome von 81 Asiatischen Elefanten aus allen vier anerkannten Unterarten – darunter auch die seltenen Borneo-Elefanten. Ein Großteil der Blutproben stammt von wild geborenen Tieren, die heute in europäischen und nordamerikanischen Zoos leben. Möglich wurde dies durch die EAZA-Biobank, eine internationale Blut- und Gewebeprobenbank für Zootiere. Die Genomanalysen zeigen deutliche Unterschiede in der genetischen Gesundheit der vier Unterarten. Besonders betroffen ist der Borneo-Elefant: Bei ihm weisen rund 65% des Genoms identische Erbanlagen von beiden Elternteilen auf – ein eindeutiges Zeichen langfristiger Inzucht. Auch Sumatra-Elefanten zeigen mit etwa 35% erhöhte Inzuchtwerte. Demgegenüber weisen die Populationen auf dem asiatischen Festland und auf Sri Lanka deutlich weniger Anzeichen von Inzucht auf (~10%).
„Das Risiko von Inzucht ist gleich doppelt problematisch“, erklärt Jeroen Kappelhof, Erstautor der Studie und Doktorand an der Wageningen Universität, der zugleich am Zoo Rotterdam tätig ist. „Zum einen nimmt die genetische Vielfalt ab. Dadurch fällt es Populationen schwerer, sich an neue Krankheiten oder den Klimawandel anzupassen. Zum anderen steigt durch Inzucht die Wahrscheinlichkeit, dass schädliche Erbanlagen ausgeprägt werden, was zum Beispiel eine verminderte Fruchtbarkeit zur Folge haben kann. Beide Prozesse machen Populationen anfälliger und erhöhen langfristig ihr Aussterberisiko. Deshalb ist es entscheidend, Inzucht frühzeitig zu erkennen.“

Überraschenderweise teilen die vier Unterarten trotz der deutlichen Unterschiede im Inzuchtniveau noch immer einen großen Teil ihrer ursprünglichen genetischen Vielfalt. „Auf einer tiefen evolutionären Zeitskala sind die Borneo-Elefanten genetisch den übrigen Asiatischen Elefanten sehr ähnlich“, schlussfolgert Koautor Dr. Patrick Arnold von der Universität Potsdam, der die Genome der wildlebenden Borneo-Elefanten sequenziert hat. „Die Unterschiede, die wir heute beobachten, sind daher wohl darauf zurückzuführen, dass einige Populationen – insbesondere Inselpopulationen – mehr genetische Variation verloren haben als andere.“ Diese Erkenntnis eröffnet neue Perspektiven für den Artenschutz.

Eine Möglichkeit, die negativen Folgen von Inzucht zu verringern, ist die gezielte Einbringung von Tieren aus einer anderen Population. Dadurch gelangt neue genetische Variation in den Bestand, was die Widerstandsfähigkeit und langfristige Überlebensfähigkeit der Population erhöhen kann. Dieser Ansatz wird als genetische Rettung (genetic rescue) bezeichnet. Für den Borneo-Elefanten sehen die Forschenden darin eine grundsätzlich vielversprechende Option für das Populationsmanagement. Gleichzeitig betonen sie, dass ein solcher Eingriff sorgfältig abgewogen werden muss. So gilt es insbesondere zu vermeiden, dass lokal angepasste genetische Eigenschaften verloren gehen, die für das Überleben in der jeweiligen Umwelt wichtig sind. Bevor entsprechende Maßnahmen verantwortungsvoll umgesetzt werden können, sind daher weitere wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich.

Universität Potsdam


Originalpublikation:

Jeroen Kappelhof, Julia Höglund, Emma Diepeveen, Reeta Sharma, Rebekah L Rogers, Michael G Campana, Natalia A Prado, Jesús E Maldonado, Janine L Brown, Patrick Arnold, Benoit Goossens, Symphorosa Sipangkui, Martijn F L Derks, Jack J Windig, Martien A M Groenen, Mirte Bosse, Massive Genetic Diversity Loss Within Asian Elephant Subspecies: New Insights for Determining Conservation Priorities, Genome Biology and Evolution, Volume 18, Issue 8, August 2026, evag183, https://doi.org/10.1093/gbe/evag183

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Wissenschaft Brandenburg
news-39429 Mon, 17 Aug 2026 09:42:19 +0200 Alte DNA lässt Dynamik der frühen Besiedlung pazifischer Inseln erkennen https://www.vbio.de/aktuelles/details/alte-dna-laesst-dynamik-der-fruehen-besiedlung-pazifischer-inseln-erkennen Neue genetische Untersuchungen an alten menschlichen Skeletten aus dem Südpazifik werfen Licht auf die komplexe Besiedlungsgeschichte der weitläufigen Region in den vergangenen 3.000 Jahren. Mit Inselstaaten wie Vanuatu, Fidschi und Tonga ist die Region Heimat von Gesellschaften mit einer ungewöhnlich großen Diversität in Sprache und Kultur. Unter der Leitung von Professor Cosimo Posth vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen zeichnete ein internationales Team mit interdisziplinären Forschungsgruppen aus dem Südwestpazifik und Europa die großen Wanderungen der Menschen nach, die die Entstehung der kulturellen Diversität auf den Inseln im Südpazifik beeinflussten. Das Team konnte die zeitlichen Abläufe der Wanderungsbewegungen genauer als bisher datieren. In der Studie wurde ein Bereich im Südpazifik untersucht, der die großen Inselgruppen Vanuatu, Neukaledonien, Fidschi und Polynesien umfasst. Polynesien ist die Inselregion, die auf der Landkarte im Pazifik ein Dreieck aufspannt zwischen Neuseeland im Süden, Hawaii im Norden und der Osterinsel im Osten. Das Untersuchungsgebiet umfasste insgesamt mehr als 30 Millionen Quadratkilometer. Mit mehr als 200 Sprachen ist der Südpazifik Heimat von Inselgesellschaften, die durch das frühere Zusammentreffen hochdiverser Gruppen entstanden und eines der kulturell und sprachlich vielfältigsten Meeresgebiete auf der Erde bilden. „In diese Region gelangten Menschen erstmals durch eine der großen Ausbreitungswellen in Richtung des offenen Ozeans, die vor rund 5.000 Jahren in Südostasien begannen. Die zuvor unbewohnten Archipele Vanuatu, Fidschi und Tonga erreichten die Menschen bereits vor 3.000 Jahren“, berichtet die Erstautorin der Studie, Dr. Michal Feldman aus Posths Arbeitsgruppe.

Erste alte menschliche Genome aus Fidschi

„Während die ersten Siedler von südpazifischen Inseln ursprünglich aus einer süd-ostasiatischen Population stammten, haben die meisten heutigen Bewohner der Region verwandtschaftliche Beziehungen sowohl in Südostasien als auch zu Gruppen, die mit Papua verbunden sind und durch spätere Wanderungsbewegungen aus dem westlichen Ozeanien hinzukamen“, sagt Michal Feldman. „Die geografische Ausdehnung der Verbreitung der mit Papua verbundenen Menschengruppen und die zeitlichen Abläufe waren bisher nicht gut bekannt, vor allem weil Informationen aus Schlüsselregionen entlang der Ausbreitungsrouten fehlten, wie etwa aus Fidschi.“

Um die Abläufe genauer nachzuvollziehen, erhob das Forschungsteam neue genomische Daten aus menschlichen Knochen von 72 Individuen aus den vergangenen 3.000 Jahren. Die Überreste wurden aus archäologischen Fundstätten auf den Salomonen, Vanuatu, Tonga und Fidschi ausgegraben. Aus Fidschi seien es die ersten Genomdaten früher Menschen überhaupt, sagt Feldman. Bei der Untersuchung wählte das Forschungsteam einen interdisziplinären Ansatz, in den archäologische Belege, Radiokarbondatierungen, Analysen der Skelettmorphologie sowie Isotopenanalysen eingingen.

Wanderungswellen mit unterschiedlichem Tempo

Die Forscherinnen und Forscher stellten Unterschiede in den zeitlichen Abläufen der beiden Wanderungswellen fest: „Anhand der Datierung der genetischen Durchmischung konnten wir ermitteln, dass die Menschen der frühen Ausbreitungswelle aus Südostasien sich schneller ausbreiteten als die Welle mit Bezug zu Papua“, sagt Cosimo Posth. „Die Menschen mit Bezug zu Papua waren in Vanuatu bereits vor 2.700 Jahren zu finden. Es vergingen jedoch mindestens 500 weitere Jahre, bis Verwandte dieser Gruppe weiter östlich in Fidschi ankamen.“ Hingegen zeigten archäologische Belege, dass die frühe Wanderungswelle aus Südostasien sehr viel schneller entlang dieser Route reiste. „Später kam wahrscheinlich eine zweite Welle von den benachbarten Archipelen dazu, etwa von Vanuatu, die zuvor unbekannte genetische Verbindungen zwischen den Inseln im Südpazifik entstehen ließ.“

In der Studie wurde außerdem die genetische Geschichte von polynesischen Aussiedlergemeinschaften in Vanuatu untersucht. Sie gelten als rätselhaft, weil diese heute noch bestehenden Gemeinschaften Besonderheiten der polynesischen Kultur und Sprache pflegen, obwohl sie geografisch außerhalb des polynesischen Dreiecks leben. „Es waren Polynesier, die über das Meer reisten, die diese polynesischen Aussiedlergemeinschaften in Südvanuatu gründeten. Wie haben direkte Belege für diese Wanderung gefunden, die vor rund tausend Jahren stattfand“, erklärt Posth.

Einblick in frühe Sozialstrukturen

Auf Fidschi führte das Forschungsteam eine detaillierte Studie an einer Gemeinschaft durch, die vor rund 1.500 Jahren lebte. Dazu zog es Bestattungsfunde und genomische Verwandtschaftsanalysen heran, was eine Rekonstruktion eines Familienstammbaums über fünf Generationen beinhaltete. „Diese Gemeinschaft wies eine genetische Durchmischung mit Menschen der Papua-Gruppe in Generationen kurz vor ihrer eigenen Lebenszeit auf, doch war dieses genetische Erbe in der Gemeinschaft ungleich verteilt“, sagt Michal Feldman. „Wir konnten innerhalb der Gemeinschaft eine biologisch verwandte Gruppe identifizieren, die sich mit ihrem Profil deutlich von den anderen abhob und soziale Praktiken verfolgte, die möglicherweise auf die Aufrechterhaltung von Wohlstand und sozialem Status in der Familie abzielten.“

Insgesamt ergebe sich durch die neue Studie nun ein Überblick über die großen Wanderungsbewegungen bei der Besiedlung des Südpazifiks, sagt Posth. „Wir haben neue Einblicke in die komplexen Wechselwirkungen zwischen den Wanderungen der Menschen und den sozialen Strukturen in den frühen Inselgesellschaften erhalten.“

Universität Tübingen


Originalpublikatiob:

Michal Feldman et al.: Ancient genomes reveal distinct human dispersals and social stratification in the settlement history of western Remote Oceania. Cell, https://doi.org/10.1016/j.cell.2026.07.044

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Wissenschaft Baden-Württemberg
news-39428 Fri, 14 Aug 2026 11:52:49 +0200 Schnell entscheiden oder gründlich abwägen? https://www.vbio.de/aktuelles/details/schnell-entscheiden-oder-gruendlich-abwaegen Forschende haben untersucht, wie zwei eng verwandte Buntbarscharten, die im Tanganjikasee nebeneinander leben, in einfachen und komplexen Szenarien Entscheidungen treffen. Während beide Arten bei einfachen Aufgaben ähnliche Präferenzen zeigen, unterscheiden sich ihre Entscheidungen, wenn sie mit komplexeren Wahlmöglichkeiten konfrontieret werden. Die Studie verdeutlicht, wie flexibel und komplex Entscheidungsprozesse in Tieren sind und wie sich diese evolutionär entwickelt haben. Warum treffen zwei Individuen, die dieselben Information zu Verfügung haben manchmal völlig unterschiedliche Entscheidungen?

Bekannt wurde diese Frage durch den Nobelpreisträger Daniel Kahnemann, der in seinem Buch „Thinking, Fast and Slow“ den Kontrast zwischen schnelleren, intuitiven Entscheidungen und langsamerem, überlegterem Denken in Menschen untersuchte.

Wissenschaftler, die Wildfische im Tanganjikasee untersuchen, haben jetzt eine auffällige Parallele zu dieser Arbeit entdeckt. In mehr als 5.000 Unterwasserversuchen haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie, der Université Clermont Auvergne und des französischen Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung die Entscheidungsfindung zweier nah verwandter Arten von Federflossen-Buntbarschen untersucht. Die Fische verhielten sich bei einfacheren Entscheidungen zwar identisch, bei komplexeren Wahlmöglichkeiten traf eine der beiden Arten jedoch schnelle, entschlossene Entscheidungen, während die andere Art den Entscheidungsfindungsprozess verlangsamte und scheinbar mehr Informationen verarbeitete, bevor es zu einer Entscheidung kam. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Evolution oder die Lebensgeschichte nicht nur beeinflussen kann, wofür sich Tiere entscheiden, sondern auch, wie sie Entscheidungen treffen.

Zwei verschiedene Denkweisen

Die Wissenschaftler untersuchten männliche Exemplare von Aulonocranus dewindti, dem „Uferbuntbarsch“, und Cyathopharynx furcifer, dem „Großer Fadenmaulbrüter“ – zwei Buntbarscharten, die aufwendige Sandnester bauen, um Weibchen anzulocken. Männchen sind akribische Haushälter, die jeden Fremdkörper, der in ihre Nester gelangt, sofort entfernen. Mithilfe dieses natürlichen Verhaltens können Wissenschaftler die Entscheidungsfindung der Fische untersuchen, indem sie sorgfältig gestaltete, 3D-gedruckte Objekte in die Nester legen und aufzeichnen, welche Gegenstände zuerst entfernt werden.

Dabei wurde zunächst klar, dass beide Arten grundsätzlich dieselben Präferenzen teilen und sich bei einfachen Entscheidungen in Bezug auf Farbe und Größe der Objekte identisch verhalten. Größere Objekte wurden dabei beispielsweise stets zuerst entfernt. Beide Arten entfernten zudem bevorzugt ein Objekt, dessen Farbe sich von der Gruppe abhob – eine kognitive Verzerrung, die darauf hindeutet, dass die Aufmerksamkeit der beiden Arten in einfachen Situationen ähnlich gelenkt wurde. Diese kognitive Verzerrung, die als „Oddity-Effekt“ bezeichnet wird, ist den Autoren zufolge auch beim Menschen zu beobachten.

Im nächsten Schritt erschwerten die Wissenschaftler die Entscheidungen, indem die Fische gezwungen wurden, verschiedene Merkmale gegeneinander abzuwägen. So hatte ein Objekt möglicherweise die bevorzugte Farbe, war aber gleichzeitig kleiner, während ein anderes Objekt größer war, dafür aber eine weniger attraktive Farbe aufwies.

In diesem Fall zeigten die Arten unterschiedliche Verhaltensweisen.

Der Blaue Federflosser traf weiterhin schnelle, entschlossene Entscheidungen, die ausschließlich auf einem der Merkmale beruhten. Der Goldene Federflosser wies hingegen keine Präferenz zwischen den Alternativen auf und brauchte für seine Entscheidungen deutlich länger. Während der Goldene Federflosser durch die höhere Komplexität der Aufgaben mehr Zeit brauchte, um zu einer Entscheidung zu gelangen, wurde der Blaue Federflossler sogar schneller.

„Es war entscheidend, dies an zwei gut vergleichbaren Arten zu untersuchen“, sagt Hauptautor Dr. Maëlan Tomasek, der die Forschung im Rahmen seiner Doktorarbeit an der UCA und am MPI-AB durchgeführt hat. „Sie konnten dieselben Dinge sehen, waren gleichermaßen motiviert und waren sich einig, wenn die Entscheidungen einfach waren. Erst als wir die Entscheidungen anspruchsvoller gestalteten, gingen ihre Meinungen plötzlich auseinander. Ehrlich gesagt war das eine Überraschung. Warum sollten sich zwei so eng verwandte Arten in komplexen Situationen so unterschiedlich verhalten?“

Was „unterschiedliches Denken“ bedeutet

Dieser Kontrast spiegelt Erkenntnisse aus der menschlichen Psychologie wider, doch die Wissenschaftler betonen, dass sie nicht behaupten, Fische würden über menschenähnliche Versionen von Kahnemans „schnellem“ und „langsamem“ Denken vefügen.

„Der Vergleich ist naheliegend, weil das zugrunde liegende Problem dasselbe ist“, sagt Mitautor Dylan Naceur, Doktorand der kognitiven Psychologie an der UCA, dessen Forschungsschwerpunkt auf der menschlichen Aufmerksamkeit liegt. „Jedes Gehirn verfügt nur über begrenzte Aufmerksamkeitsressourcen, daher muss es entscheiden, welche Informationen Vorrang erhalten sollten. Menschen und Fische denken zwar vielleicht nicht auf dieselbe Weise, aber beide stehen vor derselben kognitiven Herausforderung, aus einer komplexen Welt die relevantesten Informationen herauszusuchen.“

Um zu testen, ob die Art, die langsamere Entscheidungen trifft, in komplexeren Situationen verwirrt wird, griffen die Forscher auf ein weiteres klassisches Experiment aus der menschlichen Entscheidungsforschung zurück: die „Decoy-Effekt“-Aufgabe. Der Decoy-Effekt ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Menschen ihre Präferenz zwischen zwei Optionen ändern, nachdem eine dritte, minderwertige Option eingeführt wird. Diese kognitive Verzerrung wird im Marketing häufig genutzt, um menschliche Entscheidungen zu beeinflussen.

Als die Fische der „Decoy-Effekt“-Aufgabe unterzogen wurden, behandelte der Goldfederflosser die beiden Hauptalternativen weiterhin als gleich attraktiv, während er die minderwertige Option weitgehend ignorierte. „Er hat tatsächlich mehrere Merkmale abgewogen, anstatt zufällig zu wählen, und er traf rationale Entscheidungen, was vielen Menschen bei derselben Aufgabe nicht gelingt“, fügt Tomasek hinzu, der mittlerweile als Postdoktorand an der Monash University in Australien tätig ist.

Anders – nicht besser oder schlechter

Die Ergebnisse legen die vielfältigen kognitiven Strategien offen, die von Tieren – selbst von eng verwandten Arten – genutzt werden; dennoch mahnen die Autoren zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Unterschiede. „Die vergleichende Kognitionsforschung hat sich oft darauf konzentriert, Arten nach ihrer kognitiven Begabung, ihrer ‚Klugheit‘, einzustufen“, sagt die Co-Seniorautorin Dr. Valérie Dufour, Forschungsdirektorin für Sozial- und Kognitionspsychologie an der UCA und am CNRS. „Unsere Ergebnisse legen eine andere Perspektive nahe. Eng verwandte Arten lösen möglicherweise genau dasselbe Problem mit unterschiedlichen kognitiven Strategien, wobei die eine Strategie nicht unbedingt besser ist als die andere. Manchmal ist es besser, schneller zu entscheiden. Manchmal ist es besser, alle Informationen zu berücksichtigen. Das Verständnis dieser Strategien könnte wichtiger sein als der Versuch, abstrakte Intelligenz an sich zu messen.“

Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ursache für die Unterschiede zwischen den Arten zu ermitteln. Die Unterschiede in der Entscheidungsfindung könnten tatsächlich auf unterschiedliche Lebenserfahrungen zurückzuführen sein, aber auch auf evolutionäre Unterschiede. Sollte sich die zweite Alternative als zutreffend erweisen, so argumentieren die Autoren, würde dies viel über die Evolution der Intelligenz aussagen.

„Die Evolution führt nicht dazu, dass Tiere immer komplexere Entscheidungsprozesse entwickeln“, sagt Co-Seniorautor Dr. Alex Jordan, unabhängiger Gruppenleiter am MPI-AB. „Vielmehr verbessern sie ihre Anpassung an die Umgebungen und Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen. Das bedeutet: Wenn einfache Lösungen funktionieren, müssen sie nicht durch kompliziertere Regeln ersetzt werden. Hier haben wir zwei Lösungen, die aus unterschiedlichen Gründen zu funktionieren scheinen. Die eine berücksichtigt vor der Entscheidung einen breiten Kontext, während sich die andere schnell auf das Wesentliche konzentriert. Sie gehen von denselben Fähigkeiten aus, doch es scheint, als habe die Evolution die Entscheidungsregel so verändert, dass ähnliche Probleme auf unterschiedliche Weise gelöst werden.“ Warum das so sein könnte und welche Vorteile die jeweilige Strategie bietet, bleibt laut den Autoren eine Frage für zukünftige Forschungsarbeiten.

Die Arbeit zeigt zudem, dass anspruchsvolle kognitive Experimente, die ursprünglich für die Humanpsychologie entwickelt wurden, auch an Wildtieren in ihrer natürlichen Umgebung durchgeführt werden können. Anstatt in Gefangenschaft lebende Tiere auf künstliche Aufgaben zu trainieren, nutzten die Forscher ein Verhalten, das die Fische täglich ganz natürlich zeigen: die Reinigung ihrer Nester.

Die Autoren hoffen, dass die Studie eine engere Verbindung zwischen Psychologie, Evolutionsbiologie und Tierkognition fördert, indem natürliche Systeme genutzt werden, um nicht nur zu verstehen, ob Tiere denken, sondern auch, wie sie dies tun.

Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie


Originalpublikation:

M. Tomasek et al.: Decision rules diverge between sympatric Featherfin cichlids despite shared preferences, ecology, and evolutionary history, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 123 (33) e2620602123, https://doi.org/10.1073/pnas.2620602123 (2026). 

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Wissenschaft Baden-Württemberg
news-39427 Fri, 14 Aug 2026 11:43:40 +0200 Warum Weberknechte im Dunkeln leuchten https://www.vbio.de/aktuelles/details/warum-weberknechte-im-dunkeln-leuchten Ein Forschungsteam hat untersucht, warum Weberknechte im Regenwald fluoreszieren. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie Tiere visuelle Signale zur Artenerkennung nutzen.  Im dichten Regenwald Perus zeigen Weberknechte ein auffälliges Naturphänomen: Sie leuchten. Ein Forschungsteam der Hochschule München (HM), der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) und der LMU München hat bei nächtlichen Exkursionen mehrere Weberknechtarten entdeckt, deren Rücken bei schwachem Licht bläulich-grün fluoresziert. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass das Leuchten den Tieren bei der Arterkennung helfen könnte.

Lichtverhältnisse im Regenwald untersucht

Einen zentralen Beitrag zur Studie leistete HM-Professorin Martina Schwager. Sie untersuchte mit Fluoreszenzspektroskopie, wie Licht mit den Körperstrukturen der Weberknechte wechselwirkt. Bei diesem analytischen Verfahren der Lichtmikroskopie wird vereinfacht gesagt gemessen, welches Licht eine Struktur zum Fluoreszieren bringt und welches Licht sie anschließend abgibt. Dafür analysierte Schwager zuerst die natürlichen Lichtverhältnisse im Lebensraum der Tiere – also Mond- und Dämmerungslicht unter den spezifischen Bedingungen des tropischen Regenwalds nahe dem Äquator. Anschließend untersuchte sie, welche Anteile dieses Lichts die Fluoreszenz der charakteristischen Rückenmuster auslösen.

Optimal an den Lebensraum angepasst

Die Ergebnisse zeigen: Genau die Lichtanteile, die im Regenwald vorkommen, regen das Leuchten der Weberknechte besonders effektiv an. Die Tiere sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Darüber hinaus konnte Schwager nachweisen, dass der mehrschichtige Aufbau des Rückens die Fluoreszenz verstärkt, ähnlich wie bei technischen optischen Materialien. Weitere Untersuchungen legen nahe, dass das Leuchten für die Weberknechte selbst gut sichtbar ist.

Kommunikation im Dunkeln

Das Forschungsteam vermutet, dass die fluoreszierenden Muster eine wichtige biologische Funktion erfüllen. Weberknechte könnten sich damit auch bei schlechten Lichtverhältnissen erkennen – ein entscheidender Vorteil für die Partnersuche, da die Tiere vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind.

Das Phänomen der Biofluoreszenz ist im Tierreich weit verbreitet, seine Funktion jedoch oft ungeklärt. Die aktuelle Studie liefert nun konkrete Hinweise darauf, wie solche Signale zur Kommunikation innerhalb einer Art beitragen können.

Hochschule München


Originalpublikation:

Friedrich, S., Schwager, M., Heß, M., Glaw, F. & Lehmann, T. Evidence for fluorescence-supported species recognition in syntopic harvestmen. Sci Rep 16, 2631 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-36335-2

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Wissenschaft Bayern