VBIO News http://example.com VBIO News de Copyright Thu, 19 Mar 2026 10:44:17 +0100 Thu, 19 Mar 2026 10:44:17 +0100 TYPO3 news-37878 Thu, 19 Mar 2026 10:32:57 +0100 Neuer Bericht zur Wissenschaftsfreiheit weltweit veröffentlicht https://www.vbio.de/aktuelles/details/neuer-bericht-zur-wissenschaftsfreiheit-weltweit-veroeffentlicht Die institutionelle Autonomie ist für die Wahrung der Wissenschaftsfreiheit unerlässlich. Weltweit ist sie vergleichsweise stabil, mit bemerkenswerten Ausnahmen in sich autokratisierenden Demokratien. Der diesjährige Bericht zum Academic Freedom Index (AFI), der auf einem Projekt von Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Varieties of Democracy (V-Dem) Instituts der Universität Göteborg basiert, gibt einen Überblick über den weltweiten Stand der Wissenschaftsfreiheit. Er präsentiert Daten, die einen Zusammenhang zwischen der institutionellen Autonomie von Universitäten und der individuellen Freiheit von Forschenden nahelegen. Außerdem analysiert er den dramatischen Rückgang der Autonomie der Universitäten in den Vereinigten Staaten von Amerika aus einer vergleichenden Perspektive. Stand der Wissenschaftsfreiheit 2025

Die Wissenschaftsfreiheit nimmt weltweit weiter ab. In den letzten zehn Jahren hat sie sich in 50 Ländern verschlechtert, während nur 9 Länder Verbesserungen verzeichnen konnten. Zu den Ländern, in denen ein Rückgang zu verzeichnen ist, gehören mehrere Demokratien, darunter u.a. die Vereinigten Staaten von Amerika, Griechenland, Finnland und Argentinien. Weltweit ist der Rückgang in der individuellen Dimension der Wissenschaftsfreiheit und der Campus-Integrität am stärksten. Im Gegensatz dazu gibt es weniger Länder, in denen die institutionelle Autonomie abnimmt. Es gibt jedoch gute Gründe, sich mit den Angriffen auf die institutionelle Autonomie der Universitäten zu beschäftigen.

Institutionelle Autonomie weltweit und im Westen

Zwischen 2015 und 2025 nahm die institutionelle Autonomie in 43 Ländern ab, von denen 21 vorwiegend in Europa, Nordamerika und Lateinamerika liegen. Dies deutet auf eine besorgniserregende Schwächung der Hochschulautonomie in liberalen Demokratien hin, beispielsweise in Kanada, den Niederlanden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß.

Die institutionelle Autonomie spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Wissenschaftsfreiheit. Obwohl einige Forschende und politische Akteure kürzlich argumentierten, dass eine starke institutionelle Autonomie Universitäten begünstigen könnte, die die Vielfalt der Ansichten und Forschungsansätze unterdrücken, deuten die AFI-Daten auf einen positiven Zusammenhang zwischen institutioneller Autonomie und der individuellen Freiheit zu forschen und zu lehren hin. Universitäten mit stärkerer Autonomie bieten eher zuverlässigere Garantien für die Wissenschaftsfreiheit von Einzelpersonen. Umgekehrt werden sowohl Universitäten als auch einzelne Forschende anfälliger gegenüber nicht-akademischen Druck, wenn die institutionelle Autonomie geschwächt wird.

Vereinigte Staaten von Amerika und Hochschulautonomie

Das diesjährige AFI-Update untersucht die Entwicklung der institutionellen Autonomie in den Vereinigten Staaten (USA) und vergleicht diese Entwicklung mit den regionalen Durchschnittswerten für Westeuropa und Nordamerika zwischen 2015 und 2025. Die Analyse zeigt deutlich, dass die Autonomie der Universitäten in den USA weit hinter der Vergleichsgruppe zurückgefallen ist.

Der Bericht vergleicht außerdem die Entwicklung in den USA mit anderen ehemals demokratischen Ländern, die sich autokratisiert haben und heute nicht mehr als Demokratien gelten. In Indien, Ungarn, und der Türkei kam es nach ursprünglich gut geschützter Wissenschaftsfreiheit im Zuge der Autokratisierung zu einem graduellen und schleichenden Rückgang der institutionellen Autonomie, der unterschiedlich stark ausfiel. Im Gegensatz dazu verlief der Rückgang in den Vereinigten Staaten vergleichsweise abrupt: Die institutionelle Autonomie sank von 2,4 im Jahr 2024 auf 1,7 im Jahr 2025 (auf einer Skala von 0 bis 4). Dieser deutliche Einbruch innerhalb nur eines Jahres wurde vor allem durch Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung verursacht. Der Rückgang setzte erstmals im Jahr 2020 mit Maßnahmen einzelner Bundesstaaten ein, die die Universitäten auch heute weiterhin unter Druck setzten. Im Jahr 2019 lag der Wert für die institutionelle Autonomie in den USA noch bei 3,3, was im globalen und auch im regionalen Vergleich ein hoher Wert war.

Trotz der besorgniserregenden Aushöhlung der Hochschulautonomie in den Vereinigten Staaten hat sich durch rechtliche und institutionelle Gegenmaßnahmen Widerstand gebildet. Die Maßnahmen von Gerichten, akademischen Akteuren und zivilgesellschaftlichen Organisationen deuten darauf hin, dass es noch Wege gibt, diese gefährliche Erosion der institutionellen Autonomie abzuschwächen oder umzukehren.

Datengrundlage

Das diesjährige Update des Academic Freedom Index basiert auf V-Dem Daten der Version 16, die auf Bewertungen von 2.357 Länderexperten weltweit zurückgreift. Die Daten decken den Zeitraum von 1900 bis 2025 ab. Alle Daten sind öffentlich zugänglich und umfassen insgesamt mehr als eine Million Datenpunkte auf Kodiererebene. Der aggregierte Index setzt sich aus fünf Indikatoren zusammen: der Freiheit von Forschung und Lehre, der Freiheit des akademischen Austauschs und der Wissenschaftskommunikation, der institutionellen Autonomie von Universitäten, der Campusintegrität und der akademischen und kulturellen Ausdrucksfreiheit.

Open Access und Visualisierungen

Die für das AFI-Update 2026 verwendeten Daten sind für weitere Studien frei zugänglich. Auf der Website des Academic Freedom Index gibt es eine interaktive Visualisierung der Daten, Länderprofile und weiterführende Informationen zum Indexprojekt, der Bericht selbst ist auf der Webseite des AFI als PDF verfügbar. Die VolkswagenStiftung ermöglicht die Erstellung und wissenschaftliche Auswertung der Index-Daten seit 2021; sie fördert das Index-Projekt für insgesamt fünf Jahre.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 


https://academic-freedom-index.net/

academic-freedom-index.net/research/Academic_Freedom_Index_Update_2026.pdf

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Politik & Gesellschaft Bayern International
news-37867 Thu, 19 Mar 2026 09:55:57 +0100 Geheimnis der Biosynthese von Chinin aufgeklärt https://www.vbio.de/aktuelles/details/geheimnis-der-biosynthese-von-chinin-aufgeklaert Neu entdeckte Enzyme im Chinarindenbaum sind entscheidend für die Bildung des Malaria-Arzneistoffs Chinin und anderer wichtiger Alkaloide. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten für die biotechnologische Herstellung wichtiger Wirkstoffe.  Jahrhundertelang galt es als Rätsel: Wie genau bildet der Chinarindenbaum seine wertvollen Alkaloide – darunter das lebensrettende Chinin gegen Malaria? Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena ist gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der University of Georgia diesem Geheimnis auf die Spur gekommen. In einer neuen Studie zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die Pflanze schrittweise das komplexe molekulare Gerüst aufbaut, das für Chinin charakteristisch ist. Die Forschenden identifizierten die Enzyme, die für die Aktivierung der chemischen Reaktionen innerhalb der Pflanze verantwortlich sind. Die Studie eröffnet neue Möglichkeiten für eine nachhaltige und effiziente Laborproduktion von Naturstoffen wie Chinin und verwandten Wirkstoffen.

Von der Quechua-Rinde zum Chemotherapeutikum: Die 350-jährige Geschichte des Chinins – mit einem wichtigem Meilenstein in Jena

Mehr als 350 Jahre lang galten Chinin und andere Extrakte aus dem Chinarindenbaum (Cinchona spp.) als die einzige wirksame Medizin gegen Malaria, ein Tropenfieber, das durch einzellige Plasmodium-Parasiten verursacht und durch Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen wird. Obwohl der Name „Chinarindenbaum” auf eine asiatische Herkunft hindeutet, stammt er aus Südamerika. Seine Bezeichnung geht auf die Quechua-Bezeichnung quina-quina zurück, was so viel wie „Rinde der Rinden” bedeutet. Vermutlich wurde das Chinarindenpulver als wirksames Mittel gegen Fieber im 17. Jahrhundert von Jesuiten nach Europa gebracht. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Chinin als wirksamer Inhaltsstoff der Chinarinde identifiziert und durch Extraktion mit Alkohol isoliert. „Chinin war einer der ersten Wirkstoffe, die aus natürlichen Ressourcen isoliert wurden. Zudem war es das erste reine Chemotherapeutikum. Auch heute noch wird Chinin gegen Malaria eingesetzt, beispielsweise im tropischen Zentralafrika, wo Malaria die häufigste Ursache für Krankheiten und Todesfälle ist“, sagt Blaise Kimbadi Lombe, Postdoc in der Abteilung Naturstoffbiosynthese am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena und einer der Erstautoren der Studie, der selbst aus der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika stammt.

Cinchona-Alkaloide, zu denen Chinin, ein Bitterstoff in Getränken wie Tonic Water und Bitter Lemon, sowie Chinidin, ein Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, gehören, blicken auf eine lange Geschichte zurück. Neben ihrer medizinischen Bedeutung werden diese Wirkstoffe auch als Katalysatoren in vielen chemischen Prozessen eingesetzt. Jena spielte eine besonders wichtige Rolle in der Chininforschung: An der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschrieb der Chemiker Paul Rabe im Jahr 1908 erstmals die Molekülstruktur von Chinin.

Die lange Suche nach dem Schlüssel zur Biosynthese von Cinchona-Alkaloiden

Alkaloide aus dem Chinarindenbaum sind sehr wertvoll und haben einen geschätzten jährlichen wirtschaftlichen Wert von zwei Milliarden US-Dollar. Der industrielle Produktionsprozess umfasst die Extraktion und Reinigung dieser Verbindungen aus Chinarindenpflanzen, die auf großen tropischen Plantagen angebaut werden. Die Frage, wie der Chinarindenbaum diese Wirkstoffe produziert, ist daher seit über 100 Jahren ein wichtiger Forschungsschwerpunkt. Die Lösung dieses Rätsels wurde jedoch durch mehrere Faktoren erschwert. Dazu gehören die Komplexität und Einzigartigkeit der Struktur der Cinchona-Alkaloide, das begrenzte Wissen über die Zwischenprodukte, wodurch es schwierig ist vorherzusagen, welche Arten von Enzymen an diesem Stoffwechselweg beteiligt sein könnten, sowie unzureichende Analysemethoden. Hinzu kamen Herausforderungen, die sich aus dem Anbau des Roten Chinarindenbaums in Gewächshäusern und unter sterilen Bedingungen ergaben.

In früheren Studien in Jena konnte der erste Teil des Stoffwechselwegs aufgeklärt und das Zwischenprodukt Corynantheal identifiziert werden. Weitere Experimente zeigten, dass die Pflanze dieses Zwischenprodukt in die endgültigen Cinchona-Alkaloide umwandelt. Der Mechanismus dieser Umwandlung sowie die daran beteiligten Enzyme blieben jedoch unbekannt. „Konkret wollten wir wissen: Wie erfolgt die Umwandlung des Corynantheal-Gerüsts und welche Enzyme katalysieren diesen Prozess? Können diese Enzyme verwendet werden, um Cinchona-Alkaloide in einem Modellorganismus einfach, schnell und kontrolliert herzustellen? Und können diese Enzyme verwendet werden, um neue Cinchona-Alkaloid-Analoga herzustellen, die in der Natur nicht vorkommen?“, erläutert Tingan Zhou, Doktorand in der Abteilung Naturstoffbiosynthese, das Ziel der Studie.

Wie der Chinarindenbaum seine Wundermoleküle baut: Ein wissenschaftliches Detektivspiel

Um zu verstehen, wie der Chinarindenbaum die Cinchona-Alkaloide herstellt, mussten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler also ein komplexes Rätsel lösen – ähnlich einem chemischen Detektivspiel. Zunächst fügten sie speziell markierte Vorläuferstoffe zu den Blättern, Stängeln und Wurzeln des Roten Chinarindenbaums (Cinchona pubescens) hinzu. Anschließend verfolgten sie, wie diese in nachfolgende Verbindungen umgewandelt wurden, und suchten dabei nach „Spuren” der Markierung im Pflanzengewebe. Auf diese Weise konnten sie drei bisher unbekannte Zwischenprodukte als wichtige Teile des Rätsels identifizieren. Anschließend suchten sie nach den Enzymen, die die Umwandlung dieser Zwischenprodukte katalysieren. Anhand von Gen- und Proteindaten aus verschiedenen Teilen der Pflanze sowie durch Vergleiche mit verwandten Pflanzenarten konnten die Forschenden zwei Enzyme ausfindig machen, die einen der neu entdeckten Zwischenstoffe produzieren: Malonyl-Corynantheol. Um zu testen, ob Malonyl-Corynantheol Teil des Stoffwechselwegs ist, schalteten sie die entsprechenden Gene vorübergehend aus. So konnten sie bestätigen, dass Malonyl-Corynantheol eine Vorstufe für Chinin und andere Cinchona-Alkaloide ist.

Eine der größten Herausforderungen bestand darin, das Enzym zu finden, das für die Umwandlung von Malonyl-Corynantheol in das neu entdeckte Zwischenprodukt namens Cinchonium verantwortlich ist. Nach vielen erfolglosen Versuchen gelang es den Forschenden schließlich, das entsprechende Gen zu identifizieren, indem sie Daten zur Genaktivität, zu Proteinen und Genmustern verschiedener Pflanzenarten und -teile kombinierten. Aus dessen Sequenz ging hervor, dass es sich bei dem Enzym um eine Transferase handelte. Für das Forschungsteam war es eine große Überraschung, dass ein Transferase-Enzym diese ungewöhnliche Cyclisierungsreaktion durchführen konnte.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigten dann, dass das Cinchonium-Zwischenprodukt zwei weitere Reaktionen durchläuft, um das sogenannte „Chinolin-Chinuclidin-Gerüst“ zu bilden. „In einer Reihe von Umwandlungen, die von zwei nicht miteinander verwandten Enzymen katalysiert werden, erweitert sich das Gerüst von einem Indol-Ringsystem zu einem Chinolin-Ringsystem. Wir haben diese Enzyme als eine Oxoglutarat-abhängige Dioxygenase und ein Cytochrom P450 identifiziert“, fasst Blaise Kimbadi Lombe den biosynthetischen Prozess zusammen.

Dem Forschungsteam gelang es dann, mit Hilfe dieser Enzyme die bekannten medizinischen Wirkstoffe sowie Derivate herzustellen, die potenziell für medizinische Zwecke verwendet werden könnten.

Von der Rinde ins Labor: Der Durchbruch für nachhaltige Arzneimittelproduktion

„Unsere Studie ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Natur die beste Chemikerin ist. Die entdeckten Enzyme eröffnen vielfältige Perspektiven, darunter die biotechnologische Herstellung medizinisch oder chemisch wertvoller Verbindungen“, sagt Studienleiterin Sarah O’Connor, Direktorin am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie und Leiterin der Abteilung Naturstoffbiosynthese.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Herstellung der wichtigen Cinchona-Alkaloide, die derzeit durch Extraktion aus Chinarinde gewonnen werden, in Zukunft teilweise oder vollständig auf Methoden der synthetischen Biologie basieren wird.

Max-Planck-Institut für chemische Ökologie


Originalpublikation:

Lombe, B.K., Zhou, T., Kang, G. et al. Biosynthesis of cinchona alkaloids. Nature (2026). doi.org/10.1038/s41586-026-10227-x

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Wissenschaft Biobusiness Thüringen
news-37866 Thu, 19 Mar 2026 09:45:56 +0100 Unbekannte Palmenart entdeckt: Forschung auf Augenhöhe im Amazonas https://www.vbio.de/aktuelles/details/unbekannte-palmenart-entdeckt-forschung-auf-augenhoehe-im-amazonas Im Urwald Kolumbiens wurde eine neue, bisher unbekannte Palmenart entdeckt und beschrieben. In enger Zusammenarbeit mit der indigenen Gemeinschaft vor Ort haben zwei Forschende der Universität Zürich deren Vorkommen kartographiert und sie unterzogen ihre Studie einem lokalen Peer-Review-Prozess.  Rodrigo Cámara-Leret, Professor am Institut für Systematische und Evolutionäre Botanik an der Universität Zürich und sein PhD-Studenten Juan Carlos Copete kamen letztes Jahr mit einem Schatz aus dem kolumbianischen Urwald zurück: eine neue Palmenart, die bisher noch nie beschrieben wurde. Sie trägt den Namen «Attalea táam» und wächst rund um das Gebiet der indigenen Cacua-Gemeinschaft bei Wacará im Departement Vaupés im Südosten Kolumbiens. Die Region ist nur über eine lange Bootsfahrt und einen rund zweistündigen Fußmarsch erreichbar. 

Ein Zufallsfund

«Es ist purer Zufall, dass wir die neue Palmenart entdeckt haben», lacht Copete. «Dank des Hinweises eines lokalen Professors wurden wir auf die Cacua-Gemeinschaft aufmerksam und reisten dorthin.» Die Cacua lebten mitten im Urwald nahe der Grenze zu Brasilien. Die rund 200 Personen haben wenig Kontakt zur Außenwelt und sprechen ihre eigene Sprache.

Die beiden Forschenden wurden von den Indigenen mit einem Imbiss empfangen, an dem ihnen unbekannte Palmenfrüchte serviert wurden. Auf ihre Nachfrage meinte jemand, dass die Pflanzen wohl angebaut würden. Erst der direkte Kontakt mit den Cacua ergab später, dass die Palmen, die diese Früchte hervorbrachten, in der Umgebung wild wuchsen. 

Enge Zusammenarbeit mit indigener Bevölkerung

Von da an war die wissenschaftliche Neugier der beiden Forscher nicht mehr zu bremsen: Zusammen mit Cacua-Ältesten und einem jungen Jäger lokalisierten sie die wild wachsenden Bestände der Palme im Wald, Pflanzenmaterial wurde gesammelt und dokumentiert. «Für die Cacua ist die Palmfrucht ein wichtiges Nahrungsmittel, mit den Blättern decken sie ihre Scheunen. Sie wussten genau, wo die einzelnen Bäume standen und wie viele Früchte sie ernten durften, um den Bestand nicht zu gefährden», erklärt Cámara-Leret.

Zurück in Zürich analysierten die Forscher die morphologischen Merkmale der Palmen und ihrer Früchte im Detail, untersuchten die Blüten mithilfe digitaler Mikroskopie und zogen wissenschaftliche Literatur zu Rate. Die Cucua arbeiten derweil vor Ort weiter: Sie kartierten eigenständig das Vorkommen der Bäume, fotografierten Standorte und dokumentierten Bodenbedingungen. 

Häufigste Baumkronenpalme im Amazonas

Die Gattung Attalea ist eine der am häufigsten vorkommenden Baumkronenpalmen in tropischen Tieflandregenwald des Amazonas. Die verscheiden Arten sind jedoch schwierig zu identifizieren, da sie erhebliche morphologischen Unterschiede innerhalb einer Art aufweisen und meist männliche und weibliche, aber auch hybride Blütenstände haben. 
Die neue Art «Attalea táam», benannt nach ihrer Cacua-Bezeichnung, ist an ihrem Stamm mit deutlich ausgeprägten orange-braunen ringförmigen Blattnarben zu erkennen. Die Palmen können bis zu 23 Meter hoch werden. Die Krone hat aufrechte, bis zu 12 Meter lange Blätter. Die eiförmigen Früchte sind gelblich-braun mit brauner Spitze und müssen etwa ein Jahr lang reifen, um essbar zu sein. 

Wissenschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die beiden Forscher unterstreichen, dass sie die Artenvielfalt der Region dank der interkulturellen Zusammenarbeit mit den Cacua viel schneller erfassen konnten. «Für uns war dies ein Meilenstein. Wir hatten die einmalige Gelegenheit, eine andere Art von Wissenschaft zu machen und die lokale Bevölkerung aktiv zu integrieren», sagt Cámara-Leret. Die Cacua schätzten diese Kooperation ebenfalls und engagierten sich aktiv. «Sie waren stolz, dass sie uns ihr Wissen weitergeben konnten. Gleichzeitig wollten sie von uns lernen», fügt Copete an.

Daher war es den Forschenden wichtig, die Einheimischen auch am Ergebnis teilhaben zu lassen. Wieder zurück in Kolumbien, erstellten sie zusammen mit den Cacua und einer kolumbianischen Künstlerin eine Karte der gesamten Region und ließen die einzelnen Symbole von dortigen Schulkindern malen. Die Karte wie auch die auf Cacua übersetzte Studie wurde der Gemeinschaft präsentiert. «Wir bestanden auf einem lokalen Peer-review, um den Cacua zu zeigen, wie wertvoll ihr Input und ihr Feedback sind», sagt Camara-Leret. «Wir wollten nicht wie zu Zeiten Humboldts indigenes Wissen anzapfen, ohne etwas zurückzugeben.» Ein solches gemeinsames Ergebnis ist die erstellte Karte, auf der die Cacua zum ersten Mal die Namen ihrer Flüsse, Hügel und Pflanzenarten geschrieben sehen.

Gemeinsam wachsen

Auch als Forschender lerne man viel über die andere Kultur und die Lebensumstände der Einheimischen, wachse am gemeinsamen Austausch. «Das ist das Schöne an Wissenschaft: Wenn man offen für das Unerwartete ist und sich die nötige Zeit nimmt, wird man reich beschenkt», fasst Cámara-Leret zusammen.

Universität Zürich


Originalpublikation: 
JCopete, J.C., López-Pérez, S., López-Gallego, J.C.., López-Navarro, D., Pavón, H., López, L., Isaza, C., Balslev, H. & Cámara-Leret, R. (2026) Attalea taam—a new palm species well known by the Cacua Indigenous people. Phytotaxa 739 (1): 83–93. doi.org/10.11646/phytotaxa.739.1.5

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Wissenschaft International
news-37865 Thu, 19 Mar 2026 09:40:57 +0100 Pflanzenwandel folgt Klimawandel: Berggipfel reagieren am schnellsten auf Erwärmung https://www.vbio.de/aktuelles/details/pflanzenwandel-folgt-klimawandel-berggipfel-reagieren-am-schnellsten-auf-erwaermung Ökosysteme in Europa reagieren unterschiedlich auf die Klimaerwärmung: In Berglagen schrumpfen die Bestände kälteangepasster Pflanzenarten besonders schnell, während sich Wälder und Grasländer deutlich langsamer verändern. In allen untersuchten Ökosystemen hängen Pflanzengemeinschaften der Klimaerwärmung zeitlich hinterher („Klimaschuld”). Die Forschungsarbeit wurde beim Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) initiiert und von der Universität Gent geleitet. Beteiligt waren Forscherinnen und Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Universität Leipzig, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Senckenberg Instituts für Pflanzenvielfalt Jena (SIP). 

Die neue Studie basiert auf einer umfangreichen Datenbank mit mehr als 6.000 Langzeitbeobachtungsflächen – von Irland bis zur Ukraine und von Norwegen bis Spanien. Der Vergleich aktueller mit historischen Daten zeigt, dass einzelne Ökosysteme unterschiedlich auf die lokale Erwärmung reagieren.

Arten reagieren verzögert auf Klimaerwärmung

Eine Erkenntnis der Studie ist, dass sich Pflanzengemeinschaften langsamer verändern als die Umgebungstemperaturen. Dies erzeugt eine sogenannte „Klimaschuld“ – das ist der Unterschied zwischen der bevorzugten Temperatur einer Art und der aktuell an ihrem Wuchsort vorherrschenden. Pflanzen sind also nicht im Gleichgewicht mit dem lokalen Klima, da sie nur träge auf geänderte Umweltbedingungen reagieren. 

„Daher könnte es in den kommenden Jahren zu schnelleren Veränderungen in der Vegetationszusammensetzung kommen“, sagt Co-Autor Prof. Markus Bernhardt-Römermann, Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) sowie des Senckenberg Instituts für Pflanzenvielfalt Jena (SIP). „Dies passiert dann, wenn die Umweltbedingungen für einzelne Arten so ungünstig werden, dass diese lokal aussterben. Dieser Prozess variiert allerdings je nach lokalen Bedingungen.“

Kälteliebende Arten verlieren, wärmeliebende gewinnen

Die Forschenden bestimmten die Temperaturpräferenzen jeder Pflanzenart anhand ihrer Verbreitung und den in diesen Gebieten vorherrschenden Durchschnittstemperaturen. In Gebieten mit Langzeitbeobachtungen erstellten sie so einen integrierenden Temperaturindikator für die gesamte Pflanzengemeinschaft und verglichen die Situation von früher mit der heutigen. Aus den Unterschieden konnten sie ableiten, wie stark sich die mittlere Temperaturpräferenz der Pflanzengemeinschaften in einzelnen Ökosystemen verändert hat. Dabei zeigte sich:

- Die durchschnittliche Veränderung der Temperaturpräferenz war auf Berggipfeln etwa fünfmal so hoch wie in Wiesen und Wäldern.
- In allen Ökosystemen hinkte der Wandel der Pflanzengemeinschaften dem Wandel der lokalen Temperatur hinterher. Diese Verzögerung („Klimaschuld”) war am höchsten bei Waldpflanzen unterhalb des Kronendachs.
- In Höhenlagen gingen die Bestände kälteliebender Pflanzenarten schnell zurück, während die Bestände wärmeliebender Arten kaum zunahmen.

Ökosysteme wandeln sich unterschiedlich schnell

Die Studie zeigt, dass keine einheitliche Aussage über die Auswirkung der Klimaerwärmung auf die Vegetation möglich ist. Während in Bergregionen die Bestände kälteliebender Arten schnell zurückgingen, nahmen die Bestände wärmeliebender Arten vor allem in Grasländern zu. Die Ursachen für diese unterschiedlichen Entwicklungen standen nicht im Fokus der Studie.

Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig - iDiv


Originalpublikation:

Yue, K., Vangansbeke, P., Myers-Smith, I.H. et al. Contrasting thermophilization among forests, grasslands and alpine summits. Nature (2026). doi.org/10.1038/s41586-025-09622-7

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Nachhaltigkeit/Klima Wissenschaft Sachsen
news-37324 Wed, 18 Mar 2026 21:26:00 +0100 Neue Studienorientierungskampagne von "Wissenschaft verbindet" https://www.vbio.de/aktuelles/details/neue-studienorientierungskampagne-von-wissenschaft-verbindet Welche Rolle spielen Mathematik und Naturwissenschaften in einer sich wandelnden Welt? Und welche Perspektiven eröffnen sich jungen Menschen nach einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Studium? Mit dem Start der neuen Studienorientierungskampagne von Wissenschaft verbindet greifen die fünf beteiligten mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften DVGeo, DMV, DPG, GDCh und VBIO genau diese Fragen auf. Angesprochen sind Schülerinnen und Schüler der Oberstufe.  Im Zentrum der Kampagne stehen zwei Poster und die Website https://wissenschaft-verbindet.de/studieren

Die Website bietet Einblicke in mathematisch-naturwissenschaftliche Studiengänge. Neben Informationen zu Aufbau und Inhalten der Fächer stehen vor allem konkrete Einblicke in berufliche Werdegänge von Absolventinnen und Absolventen („Role Models“) im Fokus: Diese berichten aus ihrem Berufsalltag und zeigen, wie vielfältig der Berufseinstieg und die Wege nach dem Studium sein können. Begleitend zur Website werden bundesweit Poster an Schulen versendet, die Aufmerksamkeit erregen und über QR-Codes direkt auf die Kampagnenwebsite verweisen.

Die Kampagne möchte Oberstufenschülerinnen und -schülern Orientierung bieten und ihnen dabei helfen, eigene Interessen einzuordnen und Studienentscheidungen auf einer belastbaren Informationsbasis zu treffen.

(VBIO)

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VBIO Schule Bundesweit
news-37358 Wed, 18 Mar 2026 19:00:00 +0100 VBIO beteiligt sich an Evaluation der EU-Verordnung zu Access and Benefit Sharing https://www.vbio.de/aktuelles/details/vbio-beteiligt-sich-an-evaluation-der-eu-verordnung-zu-access-and-benefit-sharing Seit 2015 ist die EU-ABS-Verordnung (EU) Nr. 511/2014, die sich mit der Nutzung genetischer Ressourcen und der gerechten Verteilung der daraus resultierenden Vorteile befasst, in Kraft. Diese Verordnung dient der Umsetzung des Nagoya Protokolls zu Access and Benefit Sharing (ABS) und steht nun nach zehn Jahren turnusgemäß zur Überprüfung an. Im Rahmen einer ersten Sondierung hat der VBIO aktiv an einer Stellungnahme dazu mitgearbeitet, die die Allianz der universitären und außeruniversitären Biodiversitätsforschung in Deutschland gemeinsam mit Konsortium europäischer taxonomischer Einrichtungen (CETAF) vorgelegt hat. Neben der Beantwortung der von der EU vorgegebenen Fragen geht die Stellungnahme auf weitere Beobachtungen ein und betont, dass der Zugang zu genetischen Ressourcen für die Biodiversitätsforschung essenziell ist. Es bestehen aber derzeit erhebliche rechtliche Unsicherheiten bezüglich der Nutzung und der Verantwortlichkeiten der Nutzer. 

Als Vereinfachung gedachte Instrumente wie „Registrierte Sammlungen“ und „Best Practices“ sind nur in Einzelfällen implementiert worden. Sie  konnten daher nicht die erhoffte flächendeckende  Entlastung für die akademische Forschung bringen. Eine große Herausforderung sind auch deutlich abweichende Compliance-Prüfungen in den EU-Mitgliedstaaten. Dies betrifft unter anderem unterschiedliche Interpretationen, was als „angemessene Bemühungen“ zur Einholung von Zugangsinformationen akzeptabel ist (Art. 4 der EU-VO) oder uneinheitliche Dokumentationsanforderungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Rechtliche Unsicherheiten und hohe, aber ungleichen Kosten für wissenschaftliche Einrichtungen in unterschiedlichen EU-Ländern sind die Folge.

Vor diesem Hintergrund bedarf es einer Überarbeitung der EU-ABS-Verordnung, um rechtliche Unsicherheiten zu reduzieren und die Forschung zu erleichtern. Davon könnten insbesondere groß angelegte Biodiversitätsforschungsprojekte und internationale Kooperationen profitieren. Berücksichtig werden müssen dabei auch potentielle Inkonsistenzen mit anderen völkerrechtlichen Regelungen, wie etwa jenen zu marinen genetischen Ressourcen im Rahmen des UN-Hochseeschutzabkommens (BBNJ-Abkommen).

Das Sondierungsverfahren ist nur ein erster Schritt im Rahmen der Evaluation der EU-ABS-Verordnung (EU) Nr. 511/2014, die der VBIO im Rahmen der Allianz der universitären und außeruniversitären Biodiversitätsforschung in Deutschland weiter begleiten wird. 

(VBIO)


Den Volltext der Stellungnahme finden Sie hier

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VBIO Wissenschaft Politik & Gesellschaft International
news-37784 Wed, 18 Mar 2026 11:20:54 +0100 Umfrage von NBS und DFG zur Praxis gentechnischer Arbeiten in S1/S2-Laboren https://www.vbio.de/aktuelles/details/umfrage-von-nbs-und-dfg-zur-praxis-gentechnischer-arbeiten-in-s1-s2-laboren Noch bis zum 24. April 2026 läuft eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem Netzwerk Biologische Sicherheit im VBIO initiierte bundesweite Umfrage, die sich an Projektleiter/-innen gentechnischer Anlagen der Sicherheitsstufen S1 und S2 wendet. Diese sind in ihrem Arbeitsalltag mit erheblichem dokumentarischem, organisatorischem und administrativem Aufwand konfrontiert. Die bundesweite Online-Umfrage erfasst erstmals systematisch, wie dieser Aufwand in der Praxis ausgestaltet ist und wo aus Sicht der Projektleiter/-innen Unterschiede in der Auslegung und Umsetzung des Gentechnikgesetzes und zugehöriger Verordnungen durch die zuständigen Behörden der Bundesländer bestehen. Die Umfrage stellt Fragen zur aktuellen Praxis im Zusammenhang mit dem Betrieb gentechnischer Anlagen der Sicherheitsstufen S1 und S2 sowie der Durchführung gentechnischer Arbeiten.
Es werden Daten erhoben zum zeitlichen, organisatorischen und administrativen Aufwand für Projektleiter/-innen und zu Unterschieden bei der Interpretation der relvanten Regularien durch die zuständigen Behörden der Bundesländer. Erbeten sind auch Einschätzungen der Projektleiter/-innen, welche Anforderungen tatsächlich zur Aufrechterhaltung oder Erhöhung der Sicherheit beitragen. Gesammelt werden auch Beispiele für effiziente und bewährte Vorgehensweisen („Best Practice“).

Die Ergebnisse der Befragung bilden die Grundlage für praxisorientierte Vorschläge zur Weiterentwicklung des regulatorischen Rahmens und für den Dialog mit Behörden und Politik mit dem Ziel, eine Entbürokratisierung gentechnischer Arbeiten voranzutreiben.

Aufruf zur Teilnahme von Gentechnik-Projektleiter/-innen

Die Umfrage richtet sich ausdrücklich an Gentechnik-Projektleiterinnen und -Projektleiter (§27 GenTSV) in ganz Deutschland aus allen Bereichen (z.B. Universitäten/Hochschulen, Industrie, Forschungseinrichtungen, Start-ups im Gentechnik-Bereich), da ihre praktische Erfahrung eine zentrale Grundlage für die Bewertung bestehender Regelungen darstellt.

Die Teilnahme an der Umfrage erfolgt über einen personalisierten Zugangslink. Dieser wird aus Gründen der Zielgenauigkeit und Vertraulichkeit nicht öffentlich bereitgestellt, sondern über die jeweiligen Institutionen und benannten Multiplikatoren (z. B. Institutsleitungen oder Beauftragte für die Biologische Sicherheit) an die Projektleiter*innen weitergeleitet.

Sollten Sie als Projektleiter*in bisher keinen Zugangslink erhalten haben, wenden Sie sich bitte an die zuständige Stelle an Ihrer Einrichtung oder das NBS und bitten Sie um Weiterleitung des Umfragelinks.

Formales und Kontakt:

Die Umfrage wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem Netzwerk für Biologische Sicherheit im VBIO (NBS) durchgeführt. 
Die technische Umsetzung erfolgt durch SOKO Institut GmbH, Bielefeld.
Die Beantwortung des Fragebogens ist freiwillig. Die Teilnahme kann jederzeit abgebrochen werden. Die Antworten werden vertraulich behandelt. Die Daten der Umfrage werden statistisch ausgewertet, sodass an keiner Stelle Rückschlüsse auf Personen oder Einrichtungen möglich sind.
 

Bei inhaltlichen Fragen zum Fragenbogen oder zum Zugangslink wenden Sie sich bitte an das Netzwerk für Biologische Sicherheit im VBIO (NBS) 
>>> E-Mail

(VBIO)

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VBIO Politik & Gesellschaft Bundesweit
news-37783 Wed, 18 Mar 2026 11:18:23 +0100 Forschende finden Kontrollmechanismus gegen Zellstress https://www.vbio.de/aktuelles/details/forschende-finden-kontrollmechanismus-gegen-zellstress Ein internationales Forschungsteam hat einen bislang unbekannten Kontrollmechanismus in menschlichen Zellen entschlüsselt. Sie zeigen erstmals, wie ein zentraler molekularer Schalter die „Recyclingzentren“ der Zelle reguliert. Die Ergebnisse liefern wichtige Ansätze für das Verständnis von Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen.  Lysosomen sind die Kontrollzentren des Stoffwechsels von Zellen und Geweben einschließlich des Gehirns. Sie zerlegen defekte Eiweiße und andere Makromoleküle in ihre Bausteine. Gleichzeitig entscheiden sie, ob eine Zelle wächst oder in einen Energiesparmodus schaltet. Damit übernehmen sie eine Schlüsselrolle für Gesundheit und Krankheit. 

Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Markus Damme von der Universität Bielefeld und Prof. Volker Haucke, Direktor des Leibniz Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), haben nun gemeinsam einen entscheidenden Mechanismus dieser Steuerung aufgeklärt. „Wir zeigen zum ersten Mal, welcher Gegenspieler den zentralen Transportschalter ARL8B wieder ausschaltet“, sagt der Biochemiker Markus Damme, der vor kurzem aus Kiel an die Universität Bielefeld berufen wurde. „Damit verstehen wir besser, wie Zellen ihre Recyclingzentren – oder noch konkreter, ihre Nachhaltigkeitszentren – räumlich organisieren und an Nährstoffmangel anpassen", ergänzt Prof. Volker Haucke, der zusammen mit Markus Damme gemeinsamer Letztautor der Studie ist.

Im Zentrum der Arbeit, die in enger Kooperation der Teams um Prof. Volker Haucke in Berlin und Prof. Markus Damme in Bielefeld sowie Forschenden der Christian-Albrechts-Universität Kiel entstanden ist, steht das Protein ARL8B. Es wirkt wie ein Motorstarter: Ist es aktiv, wandern Lysosomen entlang eines zellulären Schienennetzes – den sogenannten Mikrotubuli – an den Rand der Zelle. Dort fördern sie Wachstumsprozesse. Bisher war jedoch unklar, wie dieser Schalter wieder deaktiviert wird.

Ein neu entdeckter Gegenspieler
Die Forschenden identifizierten das Protein TBC1D9B als entscheidenden „Ausschalter“. TBC1D9B bindet an das Lysosomen-Protein TMEM55B und schaltet ARL8B gezielt ab. Fachleute sprechen von einer GAP-Funktion (GTPase-aktivierendes Protein) – einem Mechanismus, der molekulare Schalter in ihre inaktive Form zurückversetzt.

"Fehlt TBC1D9B oder sein Partner TMEM55B, verlieren Lysosomen ihre geordnete Position. Sie verteilen sich unkontrolliert in der Zelle", erläutert Doktorand Valentin Duhay von der CAU Kiel, Ko-Erstautor der Studie. Besonders dramatisch zeigt sich das bei Nährstoffmangel: "Normalerweise rücken Lysosomen dann ins Zellzentrum und kurbeln den Abbauprozess – die sogenannte Autophagie, eine Art Selbstreinigung der Zelle – an. Ohne den neu entdeckten Regulator funktioniert diese Anpassung nicht", ergänzt FMP-Forscherin und Ko-Erstautorin Dr. Miaomiao Tian.

Bedeutung für Medizin und Gesellschaft
Die Arbeit verbindet modernste Proteomanalysen, Genom-Editierung und hochauflösende Mikroskopie. Sie belegt in bisher unerreichter Detailtiefe, dass nicht nur die präzise Position von Lysosomen über ihre Funktion entscheidet. Fehlfunktionen von Lysosomen spielen bei Alzheimer, Parkinson und erblichen Stoffwechselerkrankungen ebenso eine Rolle wie bei Krebs. Wenn Lysosomen in ihrer Kontroll- und Recyclingfunktion gestört sind, sammeln sich schädliche Eiweißablagerungen z.B. im Gehirn an oder Tumorzellen nutzen die Systeme für ihr eigenes Wachstum.

Einschätzung der Professoren Damme und Haucke:
„Unsere Ergebnisse liefern den fehlenden Baustein zur Regulation von ARL8B. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven, um krankhafte Prozesse wie das Tumorwachstum gezielt zu beeinflussen", so die Einschätzung von Professor Dr. Markus Damme zum Thema. Prof. Volker Haucke ergänzt: „Durch gezielte Eingriffe in die Schaltprozesse am Lysosom könnten wir z.B. Nervenzellen widerstandsfähiger machen und so Demenz verhindern oder verzögern oder Immunzellen, die ebenfalls von ARL8 abhängig sind, scharfstellen, um Viren oder Bakterien effektiver zu bekämpfen."

Universität Bielefeld


Originalpublikation:

Duhay, V., Tian, M., Kosieradzka, K. et al. Control of lysosome function by the GTPase-activating protein TBC1D9B and its binding partner TMEM55B. Nat Commun 17, 2487 (2026). doi.org/10.1038/s41467-026-70345-y

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Wissenschaft Nordrhein-Westfalen
news-37782 Wed, 18 Mar 2026 11:07:49 +0100 Studie zur Klimakommunikation im deutschen Fernsehen https://www.vbio.de/aktuelles/details/studie-zur-klimakommunikation-im-deutschen-fernsehen Fernsehen ist in Deutschland noch immer eines der wichtigsten Medien, um sich mit dem Thema Klimawandel auseinanderzusetzen. Zudem kann Fernsehen zur gesellschaftlichen Konsensfindung beitragen. Eine aktuelle Studie stellt jedoch fest, dass Fernsehinhalte zum Klimawandel vorrangig nachrichtenaffine Zielgruppen erreichen, während desinteressierte und skeptische Gruppen aufgrund ihrer präferierten TV-Formate kaum mit dem Thema in Kontakt kommen.  „Die Forschung hat sich bislang stark auf die problematischen Effekte sozialer Medien im Kontext des Klimawandels konzentriert – etwa Polarisierung oder Desinformation. Weniger untersucht ist dagegen, welche Rolle klassische Rundfunkmedien für eine verständigungsorientierte und demokratiestärkende Kommunikation beispielsweise beim Thema Klimawandel spielen, obwohl diese trotz fortschreitender Digitalisierung weiterhin ein breites Publikum erreichen“, erklärt Prof. Dr. Imke Hoppe von der Ludwig-Maximilians-Universität München ihre Motivation für diese Untersuchung. 

Großangelegte empirische Analyse
Die Studie untersuchte das Fernsehprogramm von 20 öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern im Zeitraum vom 1. September bis 1. November 2022 in Deutschland. Ergänzt wurde die Analyse durch eine repräsentative Zuschauerbefragung mit 1.445 Teilnehmenden. In der Studie analysierte ein interdisziplinäres Team unter Leitung der Kommunikationswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Imke Hoppe (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Prof. Dr. Irene Neverla (Universität Hamburg/Freie Universität Berlin) rund 23.478 Stunden Fernsehprogramm – ein Studienansatz für den es bis dato kaum vergleichbare wissenschaftliche Untersuchungen gibt. 

Methodische Innovation: KI-gestützte Analyse von TV-Inhalten
Erstmals kombinierten die Forschenden klassische sozialwissenschaftliche Methoden mit hoch entwickelten KI-basierten Bild- und Audioanalyseverfahren des Fraunhofer IDMT. Dank der intelligenten Textauswertung sowie den Verfahren zur automatisierten Gesichtsanalyse und zur systematischen Transkription von gesprochenem Text konnten die riesigen Datenmengen (ungefähr 1,8 Millionen Sendeminuten) ausgewertet werden. 

Klimawandel im TV: Sichtbar, aber im Mittelfeld der Aufmerksamkeit
Die Auswertung der Sendeinhalte zum Thema Klimawandel im Fernsehen ergab unter anderem, dass etwa 80 Prozent der klimabezogenen Sendeminuten in Nachrichten- und Informationsformaten stattfinden und nur rund 20 Prozent in den unterhaltungsorientierten Formaten. 
In dem untersuchten Zeitraum lag das Thema Klimawandel im Fernsehen mit seinem Sendeanteil deutlich hinter dem von sozialen Fragen (4,5 Prozent), Krieg (4,2 Prozent) und Wirtschaft (3,4 Prozent) auf Rang 4. 
Interessant sind auch die Ergebnisse zur Repräsentation gesellschaftlicher Gruppen im Fernsehen. Von insgesamt 71.971 erfassten Gesichtern waren lediglich 34 Prozent weiblich. Diese ungleiche Sichtbarkeit begrenzt nach Aussage der Autorinnen und Autoren der Studie die Fähigkeit des Fernsehens, als inklusiver demokratischer Diskussionsraum zu fungieren.

Klimawandel im Fernsehen: Sichtbar – aber vor allem für bereits Engagierte
Parallel zur Inhaltsanalyse wurde eine repräsentative Bevölkerungsbefragung mit 1.445 Teilnehmenden durchgeführt. Das Ergebnis bestätigt die inhaltliche Analyse, dass Klimaberichterstattung überwiegend in Informationsformaten stattfindet. Diese Formate werden primär von Personen genutzt, die dem Thema bereits aufgeschlossen gegenüberstehen.
Zuschauende mit einer distanzierten oder skeptischen Haltung werden mit diesen Formaten deutlich seltener erreicht.
Die Studie spricht hier von einer Reichweiten-Asymmetrie: Fernsehen erfüllt zwar seine Informationsfunktion – verstärkt jedoch vor allem bereits bestehendes Interesse. Um Klimathemen gesellschaftlich breiter zu verankern und die integrative Wirkung des Fernsehens zu stärken, braucht es daher inklusive Formate des Storytellings, vielfältigere Darstellungen für unterschiedliche soziale Gruppen sowie Programme jenseits klassischer Nachrichtenformate.

Polykrise und mediale Prioritäten
Der Untersuchungszeitraum der Studie fiel in eine Phase überlappender Krisen – Krieg in Europa, steigende Energiepreise, Inflationsdebatten und soziale Verteilungsfragen. Die Analyse zeigt deutlich, dass Klimathemen im Medienmix hinter akuten Konfliktlagen zurückbleiben. 
Vor diesem Hintergrund wirft die Studie zentrale medienpolitische Fragen auf: 
- Wie sehr setzt das duale Rundfunksystem langfristige Zukunftsthemen wie den Klimawandel auf seine Agenda, wenn kurzfristige Krisen die Berichterstattung dominieren? 
- Welche Verantwortung tragen öffentlich-rechtliche Anbieter in einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft – von Fernsehen über Social Media bis zu Online-Portalen – für die öffentliche Meinungsbildung und die gesellschaftliche Kohärenz? 
- Und welche Rolle spielen klassische TV-Formate im Vergleich zu sozialen Medien bei der Strukturierung gesellschaftlicher Zukunftsdebatten?

Die Datenerhebung wurde durch ARD, ZDF, Pro7Sat1 und RTL Deutschland ermöglicht. Förderpartner war die MaLisa Stiftung.

Weizenbaum-Institut


Originalpublikation:

Hoppe, I., Dörpmund, F., Weigel, C. et al. Climate change on television reaches the engaged but misses distant audiences. Nat. Clim. Chang. 16, 288–296 (2026). doi.org/10.1038/s41558-026-02575-3

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Politik & Gesellschaft Bayern Berlin
news-37781 Wed, 18 Mar 2026 11:01:10 +0100 Galápagos-Goldwaldsänger: Gesänge von Männchen und Weibchen haben unterschiedliche Funktionen https://www.vbio.de/aktuelles/details/galapagos-goldwaldsaenger-gesaenge-von-maennchen-und-weibchen-haben-unterschiedliche-funktionen Jahrzehntelang konzentrierte sich die Vogelgesangsforschung fast ausschließlich auf Männchen. Dabei singen bei vielen Vogelarten auch die Weibchen. Eine neue Studie zeigt nun, dass weibliche Galápagos-Goldwaldsänger häufig singen – jedoch offenbar aus anderen Gründen als die Männchen. In Experimenten, bei denen territoriale Eindringlinge simuliert wurden, stellten die Forschenden fest, dass der Gesang der Weibchen weder mit Konkurrenz unter Artgenossinnen noch mit der Signalisierung von Aggression zur Revierverteidigung in Verbindung steht. Die Ergebnisse werfen neue Fragen zur Funktion von Vogelgesang auf. Vogelgesang wird seit Jahrzehnten untersucht, um die Evolution der vokalen Kommunikation zu verstehen. Der Gesang von Weibchen wurde dabei lange weitgehend übersehen: Einerseits ging man lange davon aus, dass Weibchen in der sexuellen Selektion eine eher passive Rolle spielen. Andererseits konzentrierte sich die Forschung vor allem auf Arten der Nordhalbkugel, bei denen Männchen in der Regel häufiger singen als Weibchen. Neuere Studien, die auf zwei Jahrzehnten intensiver Forschung zum Gesang weiblicher Vögel aufbauen, zeigen jedoch, dass weiblicher Gesang deutlich verbreiteter ist als lange angenommen wurde. Er kommt bei mehr als der Hälfte aller Singvogelarten vor, insbesondere in tropischen Regionen. Dennoch ist die Funktion des weiblichen Gesangs bislang kaum verstanden. Nutzen Weibchen ihren Gesang ähnlich wie Männchen – etwa zur Revierverteidigung oder im Wettbewerb mit Rivalinnen?

Über die Studie

Das Forschungsteam untersuchte Galápagos-Goldwaldsänger (Setophaga petechia aureola) auf der Insel Floreana im Galápagos-Archipel. Während einer Expedition im Jahr 2023 hörten die Forschenden einen Gesang, der in bisherigen Studien und Feldführern nicht beschrieben war. Der Ursprung: Ein weiblicher Vogel. Um die Funktion dieses Gesangs zu untersuchen, führten die Forschenden Playback-Experimente durch, bei denen territoriale Eindringlinge simuliert wurden. Sowohl während als auch außerhalb der Brutzeit wurden den ansässigen Vögeln Gesänge von Männchen, Weibchen und Duettpaaren vorgespielt. Die Forschenden achteten auf aggressives Verhalten, zeichneten Gesangsreaktionen auf und beobachteten über mehrere Jahre hinweg Reviere, um zu prüfen, ob Gesang oder Aggression mit dem langfristigen Erhalt eines Reviers zusammenhängen.

Überprüfung gängiger Hypothesen zum Vogelgesang

Die Studie testete zwei verbreitete Hypothesen zur Funktion männlichen Gesangs auch für weiblichen Gesang. Eine Möglichkeit wäre, dass Weibchen Gesang im innergeschlechtlichen Wettbewerb einsetzen, beispielsweise um Aggression gegenüber anderen Weibchen zu signalisieren. Alternativ könnte weiblicher Gesang der Revierverteidigung dienen und Ressourcen vor Eindringlingen beider Geschlechter schützen. Die Daten unterstützen jedoch keine der beiden Hypothesen. Weiblicher Gesang trat vor allem außerhalb der Brutzeit auf. In dieser Zeit reagierten Weibchen zwar deutlich aggressiv auf simulierte Eindringlinge und beteiligten sich auch an vokalen Interaktionen, dennoch zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Gesang und aggressivem Verhalten. "Der Gesang der Männchen stand bei territorialen Begegnungen in engem Zusammenhang mit Aggression", erklärt Erstautor der Studie Alper Yelimlieş vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien. "Bei den Weibchen hingegen scheinen Gesang und Aggression voneinander unabhängige Verhaltensweisen zu sein." Auffällig war außerdem, dass die Weibchen selten allein sangen. Die meisten ihrer Lautäußerungen traten vielmehr als Duette mit ihren Partnern auf und wurden in der Regel vom Männchen initiiert.

Gemeinsames Singen: Kommunikation innerhalb eines Paares

Da der Gesang der Weibchen nicht als aggressives Signal dient, vermuten die Forschenden, dass er stattdessen eine wichtige Rolle in der Kommunikation zwischen Partnern spielt. "Die meisten Gesänge der Weibchen traten als Duette mit ihren Partnern auf. Das deutet darauf hin, dass sie eher der Kommunikation innerhalb des Paares dienen könnten als der Revierverteidigung", sagt Yelimlieş. "Die Erforschung weiblichen Gesangs ist daher entscheidend für ein vollständiges Verständnis der Evolution vokaler Kommunikation bei Vögeln." Mit der Dokumentation weiblichen Gesangs bei Galápagos-Goldwaldsängern trägt die Studie dazu bei, langjährige Vorurteile in der Verhaltensbiologie zu beseitigen.

Universität Wien


Originalpublikation:

Yelimlieş, A., Morales, K. A., Akçay, Ç., & Kleindorfer, S., Solo songs, duets and territory defence across seasons in female Galápagos yellow warblers, Setophaga petechia aureola, in Animal Behaviour (2026). DOI: 10.1016/j.anbehav.2026.123483, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0003347226000205

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Wissenschaft International