RSS-Feed VBIO http://www.vbio.de/ Aktuelle News de_DE VBIO Mon, 12 Apr 2021 12:23:12 +0200 Mon, 12 Apr 2021 12:23:12 +0200 News news-19096 Mon, 12 Apr 2021 10:34:02 +0200 Update für geballtes Förderwissen: Neues Internetangebot der Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes https://www.vbio.de/aktuelles/update-fuer-geballtes-foerderwissen-neues-internetangebot-der-foerderberatung-forschung-und-innovation-des-bundes In neuem Design und mit verbesserten Angeboten präsentiert die Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes die überarbeitete Website www.foerderinfo.bund.de. Sie bietet Interessierten einen schnellen Einstieg in die Forschungs- und Innovationsförderung. Die vielfältige Förderlandschaft wird kompakt und übersichtlich vorgestellt. Der Bund investiert jedes Jahr Millionen in Forschung und Entwicklung – auch durch Projektförderung. Welche vielfältigen Fördermöglichkeiten es gibt, erfährt man bei der Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes. Seit über 25 Jahren ist sie die zentrale Anlaufstelle für Förderinteressenten und bietet mit www.foerderinfo.bund.de eine wichtige Informationsplattform rund um die Forschung- und Innovationsförderung. Jetzt wurde die Webseite rundum erneuert und präsentiert aktuelles Förder-Know-how ab sofort noch übersichtlicher.

Die überarbeitete Webseite bietet Interessierten einen schnellen Einstieg in die Forschungs- und Innovationsförderung. Förder- und Beratungsangebote sind optimiert und zeitgemäß aufbereitet. Bewährte Hinweise und Neuigkeiten zu den Fördermöglichkeiten des Bundes sowie Einstiegsinformationen zu Landes- und EU-Förderungen sind klar strukturiert.

Leserinnen und Leser können direkt auf der Startseite eine thematisch-fachliche Rubrik wählen und die neuesten Bekanntmachungen sowie kommende Veranstaltungen einsehen. Die Serviceangebote der Förderberatung des Bundes selbst sowie wichtige Hinweise rund um die Forschungs- und Innovationsförderung werden unter „Beratung“ bereitgestellt. Neu ist auch der gelbe Service-Button auf allen Seiten. Über ihn sind die Kontaktdaten mit einem Klick verfügbar. Informationen zu Förderbekanntmachungen können selbstverständlich weiterhin per Newsletter und RSS-Feeds abonniert werden. Das Internetangebot ist barrierefrei und für mobile Anwendungen optimiert.

Die Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes leistet mit ihrem Service einen wichtigen Beitrag zu mehr Transparenz über die zahlreichen Förderangebote der Bundesministerien. Mit dem modernisierten Internetangebot reagiert die bewährte Beratungsstelle auf die Vielfältigkeit und die Dynamik der deutschen Forschungs- und Innovationsszene und präsentiert geballtes Förderwissen aus einer Hand.

Über die Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes

Die Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes ist beim Projektträger Jülich (PtJ) im Geschäftsbereich „Gründungs-, Transfer- und Innovationsförderung“ am Berliner Standort angesiedelt. Als Erstanlaufstelle für alle Fragen zur Forschungs- und Innovationsförderung des Bundes unterstützt die Förderberatung auch in diesem Jahr die Bundesregierung bei ihrer Präsenz auf der Hannover Messe. Vom 12. bis 16. April 2021 ist sie auf den virtuellen Ständen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) vertreten.

Projektträger Jülich


Weitere Informationen:

http://www.foerderinfo.bund.de

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Hochschule Biobusiness Bundesweit
news-19095 Mon, 12 Apr 2021 09:40:24 +0200 Rund 326 Milliarden Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft im Jahr 2019 https://www.vbio.de/aktuelles/rund-326-milliarden-euro-fuer-bildung-forschung-und-wissenschaft-im-jahr-2019 Die öffentlichen Haushalte und der private Bereich haben im Jahr 2019 nach vorläufigen Berechnungen insgesamt 325,6 Milliarden Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft in Deutschland ausgegeben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 13,8 Milliarden Euro beziehungsweise 4,4 % mehr als im Vorjahr. Die Ausgaben machten 9,4 % des Bruttoinlandsprodukts aus (2018: 9,3 %).

185,7 Milliarden Euro für Schulen und schulnahe Einrichtungen, Hochschulen und Kitas

Mit 185,7 Milliarden Euro entfiel der größte Teil der Ausgaben auf Bildungseinrichtungen in öffentlicher und privater Trägerschaft. Dazu gehören Ausgaben für Schulen und den schulnahen Bereich (zum Beispiel Schülerbeförderung) von 105,8 Milliarden Euro (57,0 %), für tertiäre Bildungseinrichtungen wie etwa Hochschulen (einschließlich Forschung und Entwicklung) von 42,5 Milliarden Euro (22,9 %) und für Kindertageseinrichtungen von 34,4 Milliarden Euro (18,5 %).

Auf weitere Bereiche wie Weiterbildung, Jugendarbeit oder Horte entfielen insgesamt 23,0 Milliarden Euro öffentlicher und privater Ausgaben. Die Ausgaben für Bildungsförderung (zum Beispiel BAföG) betrugen 13,7 Milliarden Euro.

Unternehmen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wendeten für Forschung und Entwicklung 90,6 Milliarden Euro auf.

39 % der Ausgaben wurden 2018 durch die Länder finanziert

Angaben über die Finanzierungsstruktur nach Trägern liegen bislang nur für das Jahr 2018 vor. In diesem Jahr finanzierten die öffentlichen Haushalte 62,9 % der Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft (Bund: 11,4 %, Länder: 38,7 %, Gemeinden: 12,8 %). 35,1 % wurden vom privaten Bereich (Unternehmen, Organisationen ohne Erwerbszweck und private Haushalte) und 2,0 % vom Ausland übernommen.

Destatis


Weitere Informationen:

Weitergehende Informationen und Daten sind in der Publikation „Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft 2018/2019“ oder in der Tabelle "Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft nach Bereichen" sowie in den GENESIS-Online-Tabellen „Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft “ zu finden.

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Hochschule Wissenschaft Bundesweit
news-19094 Mon, 12 Apr 2021 09:12:32 +0200 Interleukin-33 an Immunität gegen Sars-CoV-2 beteiligt https://www.vbio.de/aktuelles/interleukin-33-an-immunitaet-gegen-sars-cov-2-beteiligt Bereits früh in der Corona-Pandemie schloss sich ein Team aus Immunologinnen und Immunologen des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik sowie Medizinern und Medizinerinnen der Uniklinik in Freiburg zusammen, um mehr über die Immunität bei überstandenen Corona-Infektionen in Erfahrung zu bringen. Dabei gelang es Ihnen einen bisher nicht bekannten Zusammenhang zwischen der Produktion des Zytokins Interleukin-33 und der Immunität gegen das Virus herzustellen. Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie hat die Wissenschaft und Medizin weltweit enorme Anstrengungen unternommen, um die durch das Virus verursachte Krankheit besser zu verstehen. In ihrer neuesten gemeinsamen Studie zeigen Forschende des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg und des Freiburger Universitätsklinikums eine bisher unbekannte Eigenschaft der Covid-19-Immunität, die auch Auswirkungen auf zukünftige Therapien haben könnte. Die Studie weist auf die Beteiligung des Zytokins Interleukin-33 bei der Immunität gegen das Coronavirus hin. Dabei handelt es sich um einen körpereigenen Botenstoff, der Zellen des Immunsystems Gefahren signalisiert, wenn sie ein zweites Mal auf das Virus treffen. 

„Wir haben mit dieser Studie bereits in einer sehr frühen Phase der Pandemie im Jahr 2020 begonnen, als noch sehr wenig über die Immunantwort nach einer überstandenen Infektion bekannt war“, sagt Erika Pearce, Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik. „Unser Ziel war es, die Immunität gegen das Virus bei Menschen zu untersuchen, die von Covid-19 bereits genesen sind."

Immunität durch Antikörper und T-Zellen

Eine Infektion mit Sars-CoV-2 löst eine komplexe Immunantwort aus, die durchlaufen werden muss, um Immunität gegen das Virus zu entwickeln. Vereinfacht ausgedrückt müssen sich die zwei eng miteinander verwobenen Säulen unseres Immunsystems an das Virus erinnern, um eine Reinfektion zu verhindern: nämlich Antikörper produzierende B-Zellen und Gedächtnis-T-Zellen. Zu verstehen, wie dies bei einer SARS-CoV-2-Infektion geschieht, kann neue Chancen eröffnen, das Virus durch Medikamente oder Impfungen zu bekämpfen.  

Für die Studie untersuchte das Team Blutproben von 155 Personen, die meist nur leicht erkrankt waren. Die Forschenden ermittelten die Menge an Antikörpern gegen das Sars-CoV-2-Spike-Protein und stellten fest, dass die Patientinnen und Patienten mehr als zwei Monate nach der Infektion hohe Antikörperspiegel aufrechterhalten, was darauf hindeutet, dass sie wahrscheinlich vor einer erneuten Infektion geschützt sind. „Wir fanden das sehr ermutigend, aber wollten auch besser verstehen, wie das Immunsystem wirklich auf eine zweite Begegnung mit dem Virus reagieren würde“, sagt Petya Apostolova, Ärztin und Forscherin im Labor von Erika Pearce.

Wenn das Virus das zweite Mal zuschlägt 

Eine wirksame Immunität gegen ein Virus wird erreicht, wenn genügend Antikörper und Gedächtnis-T-Zellen im Blut einer Person vorhanden sind, die sich von der Krankheit erholt hat oder geimpft wurde. Kommt es zu einem erneuten Kontakt mit dem Virus, springt das Immunsystem schnell an und die Person erkrankt nicht erneut. Um zu testen, wie dies nach Covid-19 geschieht, setzte das Team Blutzellen der Teilnehmer:innen, die Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet hatten, einem Teil des Virus aus. Sie konnten anschließend beobachteten, dass sich Gedächtnis-T-Zellen entwickelt hatten und schnell auf die viralen Proteine reagierten. „Gleichzeitig haben wir eine breite Palette von Molekülen gemessen, die unsere Immunzellen verwenden, um miteinander zu kommunizieren. Dabei fiel vor allem Interleukin-33 in unseren Messungen auf. Die Menge an Interleukin-33 korrelierte mit der Menge an Antikörpern, die die Menschen gebildet hatten, sowie mit dem Aktivierungsgrad ihrer Gedächtnis-T-Zellen“, erklärt Apostolova. 

Interleukin-33, oder kurz IL-33, wird von Zellen freigesetzt, die Gefahren in ihrer Umgebung wahrnehmen. IL-33 kann positive Effekte haben, indem es T-Zellen aktiviert und die Produktion von Antikörpern anregt, aber es kann auch eine Entzündung der Lunge fördern und wurde in früheren Studien mit chronischen Lungenerkrankungen in Verbindung gebracht. Die Studie der Freiburger Forscher:innen weist nun zum ersten Mal auf einen Zusammenhang der Interleukin-33-Produktion mit der Immunität gegen Sars-CoV-2 hin.

„Wir vermuten, dass Interleukin 33, das normalerweise als Alarmsignal produziert wird, ein wichtiges Bindeglied zwischen Schutz und Krankheitsschwere sein könnte“, sagt Cornelius Waller vom Universitätsklinikum Freiburg. Tatsächlich konnte das Team durch die Analyse weiterer, öffentlich zugänglicher Daten von Lungenzellen, die Patienten während einer Sars-CoV-2-Infektion entnommen wurden, zeigen, dass Interleukin 33 in deren Lungen produziert wurde. Die Bedeutung dieser Befunde, auch im Zusammenhang mit der Schädigung des Lungengewebes nach schweren Covid-19-Infektionen, erfordert jedoch noch weitere Untersuchungen.

Die Teams vom Max-Planck-Institut und dem Uniklinikum Freiburg hoffen, dass diese Zusammenarbeit fortgesetzt wird. Wie Cornelius Waller betont: „Wir konnten nur durch diese großartige Synergie zwischen Klinikern mit Erfahrung in der Betreuung von Covid-19-Patienten und Experten auf dem Gebiet der Immunologie vor Ort so viel in so kurzer Zeit herausfinden.“ Die Forschenden sind überzeugt, dass die gemeinsame Studie ein weiterer wichtiger Baustein ist, die Immunität gegen Sars-CoV-2 aber auch gegen andere virale Infektionen besser zu verstehen.

Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik


Originalpunlikation:

Stanczak, M.A., Sanin, D.E., Apostolova, P. et al. IL-33 expression in response to SARS-CoV-2 correlates with seropositivity in COVID-19 convalescent individuals. Nat Commun 12, 2133 (2021).

doi.org/10.1038/s41467-021-22449-w

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Coronavirus-News Baden-Württemberg
news-19093 Mon, 12 Apr 2021 09:03:26 +0200 Erbgut der frühesten Europäer https://www.vbio.de/aktuelles/erbgut-der-fruehesten-europaeer Alte Genome werfen neues Licht auf die frühesten Europäer und ihre Beziehungen zu den Neandertalern. Ein internationales Forscherteam hat die Genome der ältesten sicher datierten modernen Menschen in Europa sequenziert, die vor rund 45.000 Jahren in der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien lebten. Durch den Vergleich ihrer Genome mit den Genomen von Menschen, die später in Europa und in Asien lebten, zeigen die Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, dass diese frühe Menschengruppe in Europa Gene zu späteren Menschen, insbesondere zu den heutigen Ostasiaten, beigetragen hat. Die Forscher identifizierten auch große Abschnitte von Neandertaler-DNA in den Genomen der Menschen aus der Bacho-Kiro-Höhle, was zeigt, dass sie Neandertaler-Vorfahren innerhalb der ungefähren zurückliegenden fünf bis sieben Generationen in ihrer Familiengeschichte hatten. Dies deutet darauf hin, dass eine Vermischung mit Neandertalern eher die Regel als die Ausnahme war, als die ersten modernen Menschen in Europa ankamen. Letztes Jahr berichtete ein Forscherteam unter der Leitung von Forschern des Nationalen Instituts für Archäologie mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, Deutschland, über die Entdeckung moderner menschlicher Überreste, die in direktem Zusammenhang mit Steinwerkzeugen aus dem frühen Jungpaläolithikum an der Fundstelle der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien gefunden wurden. Die ältesten Individuen in der Höhle wurden mittels Radiokarbon-Datierung auf die Zeit vor 43.000 bis 46.000 Jahren geschätzt. Sie sind damit die früheste bekannte Ausbreitung des modernen Menschen über die mittleren Breiten Eurasiens.

Mateja Hajdinjak und ihre Kollegen haben nun die Genome von fünf Individuen sequenziert, die in der Bacho-Kiro-Höhle gefunden wurden. Vier Individuen sind zwischen 43.000-46.000 Jahre alt und wurden zusammen mit Steinwerkzeugen gefunden, die zum frühen Jungpaläolithikum gehören, der frühesten Kultur, die mit modernen Menschen in Eurasien in Verbindung gebracht wird. Ein weiteres in der Höhle gefundenes Individuum ist etwa 35.000 Jahre alt und wurde mit Steinwerkzeugen eines späteren Typs gefunden. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Vertreter des anfänglichen Jungpaläolithikums ausstarben, ohne genetisch zu den später eintreffenden modernen Menschen beizutragen. Die Forscher zeigen nun jedoch, dass die ältesten Individuen aus der Bacho-Kiro-Höhle, oder mit ihnen eng verwandte Gruppen, Gene zu den heutigen Menschen beigetragen haben. Überraschenderweise findet sich dieser Beitrag vor allem in Ostasien und Amerika und nicht in Europa, wo die Menschen aus der Bacho-Kiro-Höhle lebten. Diese genetischen Verbindungen nach Asien spiegeln die Verbindungen zwischen den anfänglichen jungpaläolithischen Steinwerkzeugen und den persönlichen Schmuckstücken, die in der Bacho-Kiro-Höhle gefunden wurden, und den Werkzeugen und dem antiken Schmuck, die in ganz Eurasien bis zur Mongolei gefunden wurden, wider.

Genetische Unterschiede zwischen Individuen

Wichtig hierbei ist, dass das spätere 35.000 Jahre alte Individuum, das auch in der Bacho-Kiro-Höhle gefunden wurde, zu einer Gruppe gehörte, die sich genetisch von den früheren Bewohnern der Höhle unterschied. Dies zeigt, dass die früheste Geschichte des modernen Menschen in Europa turbulent gewesen sein könnte und Bevölkerungsaustausch beinhaltete.

Die frühesten Menschen in der Bacho-Kiro-Höhle lebten zu einer Zeit, als es noch Neandertaler gab. Die Forscher scannten daher ihre Genome nach Fragmenten von Neandertaler-DNA. "Wir fanden heraus, dass die Individuen aus der Bacho-Kiro-Höhle einen höheren Anteil an Neandertaler-Abstammung hatten als fast alle anderen frühen Menschen, mit Ausnahme eines rund 40.000 Jahre alten Individuums aus Rumänien. Entscheidend ist, dass der größte Teil dieser Neandertaler-DNA in extrem langen Abschnitten vorliegt. Das zeigt, dass diese Individuen Neandertaler-Vorfahren hatten, die etwa fünf bis sieben Generationen zurück in ihren Stammbäumen liegen", sagt Mateja Hajdinjak.

Obwohl bisher nur eine Handvoll Genome von modernen Menschen, die zur gleichen Zeit in Eurasien lebten wie die letzten Neandertaler, geborgen wurden, haben fast alle diese Individuen einen kürzlich vor ihnen lebenden Neandertaler-Vorfahren. "Die Ergebnisse legen nahe, dass sich die ersten modernen Menschen, die in Eurasien ankamen, häufig mit Neandertalern vermischt haben. Sie könnten sogar in den ansässigen Neandertaler-Populationen aufgegangen sein. Erst später kamen größere moderne Menschengruppen an und verdrängten die Neandertaler", sagt Svante Pääbo, der die genetischen Untersuchungen koordinierte.

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie


Originalpublikation:

Hajdinjak, M., Mafessoni, F., Skov, L. et al. Initial Upper Palaeolithic humans in Europe had recent Neanderthal ancestry. Nature 592, 253–257 (2021).

doi.org/10.1038/s41586-021-03335-3

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Wissenschaft Sachsen
news-19092 Fri, 09 Apr 2021 18:57:25 +0200 Wie Viren das wachsende Gehirn schädigen https://www.vbio.de/aktuelles/wie-viren-das-wachsende-gehirn-schaedigen Ein Team am IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – erforscht an Organoiden, wie manche Viren schwere Fehlbildungen im menschlichen Gehirn auslösen können, mit dem Ziel neue Therapieansätze gegen Infektionen und deren Folgen zu entwickeln. Das berichtet das Team rund um Jürgen Knoblich aktuell im Fachmagazin Cell Stem Cell. Viren befallen unterschiedlichste Gewebestrukturen in unserem Körper. Dabei funktionieren die Proteine an deren Hülle wie Türöffner, um ins Innere der Zelle zu gelangen und diese dann für ihre eigene Fortpflanzung zu „hacken“: Die Zelle produziert fortan nur noch andere Viren und keine eigenen Zellnachkommen. Während der menschlichen Gehirnentwicklung sind manche Vireninfektionen daher besonders kritisch. Denn aus nur wenigen Vorläufern entwickelt sich durch streng regulierte Teilungen ein unglaubliches Netzwerk verschiedenster Nervenzell-Arten, das letztendlich an die 87 Milliarden Nervenzellen umfasst. Fehler während dieser Entwicklung, etwa durch genetische Mutationen, aber auch Virenbefall sind besonders fatal- schwere Fehlbildungen im Gehirn können die Folge sein. Für werdende Mütter ist daher besondere Vorsicht vor gewissen Infektionserregern geboten. Zu den sogenannten „TORCH Pathogenen“ zählen etwa Toxoplasma gondii, Röteln-Viren, CMV, Herpes-simplex-Viren (HSV). Zuletzt wurde im Zuge einer ZIKA Epidemie in Brasilien der Zusammenhang mit Mikrozephalie deutlich: Babys, die im Mutterleib einer ZIKA Infektion ausgesetzt waren, kamen häufig mit einem viel zu kleinen Gehirn auf die Welt.


Bislang war es nicht möglich, den Einfluss bestimmter Viren auf die Gehirnentwicklung systematisch am Menschen zu untersuchen.
Eine einzigartige Technologie, die weltweit erstmals am IMBA entwickelt wurde, erlaubt es nun, den Einfluss von Infektionen auf die menschliche Gehirnentwicklung neu zu beleuchten und innovative Therapien zu testen. Gehirn-Organoide kann man aus menschlichen Stammzellen heranzüchten. Diese können von jedem Menschen etwa aus einem kleinen Stück Haut oder einer Blutprobe gewonnen werden. Die darin befindlichen Körperzellen werden chemisch zu Stammzellen „verjüngt“ – man spricht von „induziert pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen)“, die sich auf wunderbare Weise selbst organisieren und die Prozesse der frühen menschlichen Gehirnentwicklung nachahmen.

Viren hinterlassen charakteristische Spuren im Gehirn

In der aktuellen Studie untersuchte das Forscherïnnenteam am IMBA den Virenbefall durch ZIKA und das Herpes Simplex Virus (HSv-1) in menschlichen Gehirn-Organoiden. Diese wurden in der Petrischale „infiziert“, um den Einfluss der Erreger auf die Gehirnentwicklung zu studieren. Einige Viren können die Gehirnentwicklung entscheidend stören, allerdings kommen dabei unterschiedliche Mechanismen zutage. „Das Zikavirus wirkt sich beispielsweise auf das Wachstum aus – Die Vorläuferzellen werden geschädigt und bilden zu wenig Zellnachkommen aus und das Gehirn bleibt viel zu klein. Wenn man aber unter die Oberfläche blickt, lassen sich unterschiedliche strukturelle Defekte, charakteristische Transkriptionsprofile und Antworten auf Zellebene feststellen- die Interaktionen mit dem Immunsystem sind für jedes Virus einzigartig,“ erklärt Veronika Krenn, Postdoktorandin am IMBA und Erstautorin der Publikation. Auch Herpesviren können in von der werdenden Mutter auf das ungeborene Baby übertragen werden, was zu Sepsis und schweren Defekten im Neuroepithel, einer inneren Gehirnregion führen kann. „Derartige Fälle sind zwar sehr selten, aber fatal. Hingegen mangelt es an antiviralen Medikamenten für Erreger, die das menschliche Gehirn befallen können.”, so die Forscherin.

Wissen über Viren als Schlüssel zu neuen Therapien

Hier bieten die Organoide ein ideales Modellsystem, um die Entwicklung neuer Therapien gegen Viren, die das menschliche Gehirn befallen, anzutreiben. Im Labor gelang es den Forscherïnnen -Herpes infizierte Gehirn-Organoide durch die Gabe von Interferon Typ 1 vor Fehlbildungen zu schützen. Dank dieser Technologie wird es den Wissenschaftlerïnnen in Zukunft möglich sein, eine Vielzahl neuer Substanzen gegen Vireninfektionen des menschlichen Gehirnes auszutesten. Auch für die Krebsmedizin ist ein Wissen über jene Prozesse wesentlich: Sogenannte Onkolytische Viren könnten zum Einsatz kommen, um Tumorzellen zu töten, indem sie gezielt Tumorzellen infizieren und bekämpfen. „Indem wir Organoide gezielt mit Viren infizieren, können wir nicht nur enorm viel über die typisch menschlichen komplexen Wechselwirkungen während der kritischen Gehirnentwicklung lernen. Wir werden auch besser gezielt nach Schwachstellen dieser Viren suchen können, um Ansatzpunkte für neue Therapien zu finden,“ fasst Jürgen Knoblich, wissenschaftlicher Direktor am IMBA und Letztautor der Studie, zusammen.

(IMBA - Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften GmbH)


Originalpublikation:
Krenn et al., “Organoid modeling of Zika and Herpes Simplex Virus 1 infections reveals virus-specific responses leading to microcephaly”, Cell Stem Cell 2021, doi:10.1016/j.stem.2021.03.004

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Wissenschaft International