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Pflanzenschutzmittel gefährden Feldvögel

Wenn die Ameise von der Nahrungssuche in ihr Nest zurückkehrt, vollbringt sie eine navigatorische Meisterleistung. Markus Knaden / Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Der großflächige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft

gefährdet zunehmend Vögel auf Feldern. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue

Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA). Vor allem Rebhuhn und

Feldlerche finden durch den Chemikalieneinsatz weniger Nahrung, weil mit den

Schädlingen auch Futtertiere wie Schmetterlingsraupen und andere Insekten

getötet werden. Herbizide beseitigen außerdem Wildkräuter auf den Äckern,

von denen die Insekten leben. So wird die Nahrungskette nachhaltig gestört.

Dabei wäre es möglich, die Artenvielfalt auf Äckern, Feldern und Wiesen zu

schützen. Thomas Holzmann, derzeit amtierender Präsident des

Umweltbundesamtes: „Wir brauchen einen Mindestanteil von Flächen, auf denen

nicht gespritzt wird. Auf solchen Blühstreifen und Brachen fänden Feldvögel,

Schmetterlinge, und Bienen dann genügend Nahrung.“

 

Vor allem bei Feldvogelarten, die für die Aufzucht ihrer Jungen auf den

Feldern nach Insekten suchen, führt der Einsatz eines

Insektenvernichtungsmittels während der Aufzucht oft zum Verhungern der

Jungtiere und zur Gefährdung der Art. Bei Rebhuhn, Goldammer und Feldlerche

sind solche indirekten Gefährdungen durch Pflanzenschutzmittel nach

überwiegender wissenschaftlicher Auffassung weitgehend gesichert. Alle

Vogelarten, die am Boden brüten, leiden zudem darunter, dass Getreide durch

den Einsatz von Pilzbekämpfungsmitteln (Fungiziden) immer dichter

angepflanzt werden kann. Den Vögeln bleibt so zu wenig Raum und Nahrung, um

ihre Nachkommen aufzuziehen. Für die aktuelle Studie haben Forscher und

Forscherinnen die Ergebnisse zahlreicher anderer Studien zur Gefährdung von

Beständen ausgewertet, bei insgesamt 27 Vogel- und 22 Säugetierarten. Sie

wollten wissen, welche Ursachen es für den an vielen Orten beobachteten

Artenrückgang gibt.

 

Da mit der intensiven Landwirtschaft ein generelles Verbot chemischer

Pflanzenschutzmittel nicht vereinbar ist, sind Ausgleichsmaßnahmen

notwendig: „Mit Blühstreifen, Brachflächen und unbehandelten Dünnsaaten

lässt sich auch in der modernen, intensiven Landwirtschaft die Artenvielfalt

auf den Äckern schützen. Vieles davon ist bereits Bestandteil von den

Agrarumweltprogrammen der Bundesländer, wir haben also gute

Praxiserfahrungen damit. Die negativen Auswirkungen von

Pflanzenschutzmitteln lassen sich so deutlich mindern, ohne die Erträge zu

gefährden.“, sagte Thomas Holzmann. Langfristig müsse die Abhängigkeit der

Landwirtschaft von chemischen Pflanzenschutzmitteln ohnehin verringert

werden. Das sei auch der klare Auftrag der EG-Rahmenrichtlinie zur

nachhaltigen Verwendung von Pestiziden an die Mitgliedstaaten. „Der

Ökolandbau zeigt schon heute, dass es möglich ist, weitgehend ohne chemische

Pflanzenschutzmittel auszukommen. Bislang hat der Ökolandbau in Deutschland

allerdings nur einen Flächenanteil von 6 Prozent – und verfehlt damit das

Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von mindestens 20 Prozent

Ökolandbau. Hier kann und muss mehr passieren.“, so Thomas Holzmann. UBA