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Mit Gummibärchen zu mehr Nachhaltigkeit

Dr.-Ing. Isabell Sommer, Prof. Dr. Christian Wiesmüller und Maaike Katzarow (v.l.)
Projekt-Kickoff mit Dr.-Ing. Isabell Sommer, Prof. Dr. Christian Wiesmüller und Maaike Katzarow (v.l.)

Gummibärchen sind nicht nur bunt und süß. Schülerinnen und Schüler können aus den Fruchtgummis auch umweltfreundliche Etiketten herstellen und so aktiv an das Thema Nachhaltigkeit herangeführt werden. Ein fächerübergreifendes Unterrichtstool entwickeln jetzt Hochschule Mannheim und Pädagogische Hochschule Karlsruhe im Rahmen des DBU-geförderten Kooperationsprojekts „DenkNach“.

Schülerinnen und Schülern das Thema Nachhaltigkeit näher zu bringen, ist Ziel des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell geförderten Kooperationsprojekts „DenkNach“ (Durchführung eines Bildungsprojektes für Schülerinnen und Schüler zur Vermittlung von biologischen Verfahrenstechniken und Stoffkreisläufen am Beispiel von Kollagen). Start des einjährigen Nachhaltigkeitsprojekts von Hochschule Mannheim und Pädagogischer Hochschule Karlsruhe ist am 1. August. Gemeinsam entwickeln die beiden Einrichtungen ein fächerübergreifendes innovatives Unterrichtstool, mit dem Lehrpersonen Schülern und Schülerinnen konkrete nachhaltige Handlungsmöglichkeiten aufzeigen können.


Schüler stellen umweltfreundliche Etiketten her

Im Rahmen einer Projektwoche lernen die Schülerinnen und Schüler, wie sie mit einfachen Mitteln aus Gummibärchen umweltfreundliche Etiketten herstellen können. Denn Rohstoff für die Gummibärchen-Herstellung ist Gelatine, die aus dem tierischen Nebenprodukt Kollagen gewonnen wird. Und daraus lassen sich wiederum vollständig biologisch abbaubare Folien fertigen. An deren Entwicklung arbeitet die Hochschule Mannheim seit 2009.

„Gelatine hat eine gute Wasserlöslichkeit und diese Eigenschaft wollen wir uns für die Herstellung umweltfreundlicher Etiketten inklusive eines biobasierten Klebstoffes zunutze machen“, erläutert Projektinitiatorin Dr.-Ing. Isabell Sommer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Thermische Verfahrenstechnik der Hochschule Mannheim. Denn die Etiketten, die sie im Rahmen von „DenkNach“ entwickelt, sollen sich – im Gegensatz zu den weit verbreiteten Etiketten auf Mehrwegflaschen und -gläsern – mit warmem Wasser einfach und umweltfreundlich wieder abspülen lassen. Außerdem will die Wissenschaftlerin testen, wie die Etiketten mit biologisch abbaubaren Tinten bedruckt werden können.

Selbstwirksamkeit erfahren

Durchgeführt wird die fächerübergreifende Projektwoche in der 8. und 9. Klasse eines Gymnasiums und einer Gesamtschule in Baden-Württemberg. Die Schulen erhalten die an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe von Maaike Katzarow entwickelten Unterrichtsmodule sowie eine Handreichung zur Durchführung der Projektwoche samt Einkaufsliste. Während der Projektwoche besuchen die Schülerinnen und Schüler dann beispielsweise einen Metzger, ermitteln den ökologischen Fußabdruck von Gummibärchen und bearbeiten historische Texte zur nachhaltigen Landwirtschaft. Schließlich schmelzen sie Gummibärchen im Backofen auf, gießen sie zu Etiketten und bedrucken die Etiketten mit Biotinte – um sie beispielsweise auf Gläser mit selbsthergestellten Lebensmittelprodukten zu kleben. Wie das Unterrichtstool über die Projektwoche hinaus nutzbar gemacht werden kann, sollen ein oder zwei Schülerfirmen herausfinden, die an den Schulen im Anschluss an die Projektwoche gegründet werden.

„Mit unserem Vorhaben erreichen wir, dass sich junge Menschen aktiv mit Natur und unseren technischen Manipulationen beschäftigen“, sagt Prof. Dr. Wiesmüller, Leiter des Instituts für Physik und Technische Bildung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. „In der Projektwoche lernen die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Aspekte technischen Handelns kennen und erfahren Selbstwirksamkeit“, so Wiesmüller. Technische Eingriffe in die Natur könnten dabei als gut oder schlecht eingestuft werden, seien einer Bewertung zu unterziehen, schließlich seien sie individuell oder gesellschaftlich zu verantworten. Die Etiketten können die Schülerinnen und Schüler auch zu Hause immer wieder herstellen und ihr Nachhaltigkeitswissen anderen weitergeben.  

(Pädagogische Hochschule Karlsruhe)