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Aktuelles aus den Biowissenschaften

Plan "S": Gemeinsame Stellungnahme der mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften

Die großen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften - neben dem VBIO, die GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker), die DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft), die DMV (Deutscher Mathematiker Vereinigung) und der DVGeo (Dachverband Geowissenschaften) haben sich mit einer kurzen gemeinsamen Stellungnahme zum Plan S positioniert.

Das wissenschaftliche Publikationswesen befindet sich seit einiger Zeit im Umbruch. Das Subskriptionsmodell wird (nicht zuletzt angesichts der enormen Gewinnspannen der Verlage) immer mehr in Frage gestellt. „Open Acces“ gilt als die bessere Option und wird von vielen Forschungsförderern unterstützt. Die cOAlition S, ein Zusammenschluss mehrerer europäischer Forschungsförderorganisationen, hat nun mit Unterstützung der Europäischen Kommission und des Europäischen Forschungsrast (ERC) den Plan S vorgelegt. Dieser fordert ab 2020 verpflichtend einen vollständigen und sofortigen offenen Zugang zu von ihnen geförderten wissenschaftlichen Veröffentlichungen ein.

Die Prinzipien von Plan S und deren voraussichtliche Konsequenzen sind von unmittelbarer Bedeutung für die Wissenschaft im Allgemeinen (insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs) sowie für das gesamte Publikationswesen. Der im Plan S beschriebene Übergangsprozess könnte die Wettbewerbsfähigkeit von Wissenschaft und wissensbasierter Wirtschaft in der Europäischen Union erheblich beeinflussen.

Die großen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften - DMV (Deutsche Mathematiker Vereinigung), DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft), DVGeo (Dachverband Geowissenschaften), GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker) und VBIO (Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland) begrüßen die Möglichkeit, Plan S zu kommentieren und haben dazu nun gemeinsam Position bezogen.

In ihrer „gemeinsamen Stellungnahme der naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland“ bekennen sie sich zur Unterstützung von Lehre, Forschung und Entwicklung in der Wissenschaft sowie zur Förderung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.  Sie begrüßen alle Bemühungen zur Förderung der Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Sie würdigen die Initiative und das Ziel von Plan S.

Aus Sicht der Fachgesellschaften ist allerdings eine sorgfältige Diskussion über die Folgen sowie über die Vor- und Nachteile des Plans S dringend erforderlich. Sie kritisieren daher die vorgegebene Frist für Rückmeldungen als zu eng bemessen. In dieser kurzen Zeit sei es nicht möglich, einen umfassenden Diskussions- und Entscheidungsprozess in den Gesellschaften zu organisieren.

Die Fachgesellschaften fordern die cOAlition S daher auf, den Akteuren ausreichend Zeit zu geben, um den Prozess zu einem Erfolg zu führen. Dies würde auch die Beteiligung und damit die Akzeptanz innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft erhöhen. Insbesondere gilt es, die Auswirkungen auf die Wissenschaftsfreiheit zu beachten und zu vermeiden, dass es zu Wettbewerbsverzerrung in denjenigen Ländern kommt, in denen Plan S umgesetzt wird. Sie empfehlen eine sehr sorgfältige, umfassende Prüfung der rechtlichen Auswirkungen von Plan S und seinen Prinzipien.

Die Unterzeichner sind bereit, zu gegebener Zeit ausführlichere Kommentare abzugeben.

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Sie finden die gemeinsame Stellungnahme der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften hier (in englisch)