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VBIO: Fachgespräch zu Genome Editing

grafische DArstellung genome Editing
Pixabay CC0

Auf Initiative von WGG (Fachgesellschaft im VBIO) und VBIO kamen im Juni Pflanzenforscherinnen und Pflanzenforscher mit Vertretern des BMU und des BfN zu einem Fachgespräch zum Thema Genome Editing zusammen. Ein Augenmerk lag dabei auf den Auswirkungen des EuGH-Urteils zur Freisetzungsrichtlinie 2001/EG auf die wissenschaftliche Forschung.

Dabei wurde deutlich, dass die grundlagenorientierte Forschung nicht auf eine Prüfung genomeditierter Pflanzen unter Freilandbedingungen verzichten kann. Diese findet jedoch derzeit nicht in Deutschland statt. Nachwuchswissenschaftler aus der Pflanzenbiotechnologie sehen ihre Zukunft oft ebenfalls nicht in Deutschland.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichteten ferner, Kooperationsprojekte mit kleinen Züchtungsunternehmen seien nach dem EuGH-Urteil schwieriger geworden. Eine Regulierung von genomeditierten Pflanzen nach Gentechnikrecht erschwere dabei auch die Umsetzung politisch gewollter Strategien (zum Beispiel der Eiweiß-Strategie) und kann die Entwicklung von Instrumenten, behindern, die der Nachhaltigkeit dienen können.

Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind die historisch bedingten Inkonsistenzen in Hinblick auf die Bewertung klassischer Mutagenesetechniken  unbefriedigend.

Ganz wesentlich für unterschiedliche Bewertungen ist auch die jeweilige Einschätzung, ob Genome Editing eine Weiterentwicklung der Gentechnik sei, oder „etwas völlig Neues“.  Behördenvertreter neigen aufgrund der Präzision der Genschere und der dadurch möglichen Beschleunigung der Prozesse oftmals eher zur letztgenannten Einschätzung. Geäußert wurde auch die Sorge, die Fokussierung auf Genome Editings als Lösung für Herausforderungen in der Landwirtschaft könnte dazu führen, dass notwendige Änderungen in den Anbausystemen aus dem Blick gerieten.

Mehrfach wurden im Gespräch unterschiedliche Perspektiven deutlich: Wissenschaftler haben einen vorrangig forschungs- und erkenntnisorientierten Ansatz, während sich die Behörden bei der Risikobewertung auf Freisetzung und Zulassung hin orientieren. Inwieweit die derzeit äußerst engen Spielräume genutzt werden könnten, um grundlagenforschungsorientierte Projekte in eng begrenztem Rahmen auch jenseits der Labortür zu ermöglichen, blieb im Gespräch offen. Eine deutliche Fokussierung auf eine stärkere Produktbewertung erscheint derzeit wenig realistisch.

Auch wenn in Sachen Regulation von Genome Editing derzeit wenig Bewegung erkennbar ist, waren sich  alle Gesprächsteilnehmerinnen und Gesprächsteilnehmer einig, dass der Dialog unterschiedlicher Akteure ebenso wichtig ist wie die Kommunikation an die breite Öffentlichkeit. WGG und VBIO beabsichtigen daher, die Gespräche fortzusetzen.

(WGG/VBIO)