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BMEL legt Versuchstier-Zahlen 2018 vor

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Pixabay/VBIO

Die Zahl der Versuchstiere ist in Deutschland 2018 gegenüber dem Vorjahr fast unverändert. Sie betrug 2.825.066 Tiere (2017: 2.807.297 Tiere). „Die Zahlen variieren von Jahr zu Jahr nur geringfügig. So ist die Zahl der Versuchstiere seit fast 10 Jahren stabil geblieben – und das trotz bundesweit erheblich steigendem Forschungsumfang in der Biomedizin“, so das Fazit von Prof. Stefan Treue, Sprecher der Initiative Tierversuche verstehen (www.tierversuche-verstehen.de). Einzelne Entwicklungen bei den aktuellen Zahlen machen die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) veröffentlichten Versuchstierzahlen aber erklärungsbedürftig.

Die Zahlen umfassen 2.138.714 Tiere, die in Tierversuchen verwendet wurden sowie 686.352 Tiere, die ohne vorherige Tierversuche für wissenschaftliche Zwecke getötet wurden. Dies geschieht vor allem, um Organe, Gewebeteile oder Zellen zu entnehmen, die dann weiter untersucht werden.

Mit rund 900.000 Tieren wird ein großer Teil der Versuchstiere für die Grundlagenforschung benötigt. Treue: „Durch Grundlagenforschung verstehen wir heute viele biologische Prozesse besser, wie zum Beispiel im Kreislauf- und Immunsystem sowie im Gehirn. Dieses Wissen ist die Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien. So entstanden fast alle medizinischen Erfolge der vergangenen 100 Jahre unter Beteiligung von Tierversuchen.“

17 Prozent der Tiere (484.254) wurden für gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche wie etwa Sicherheitstests von Chemikalien oder neuen Medikamenten eingesetzt, zum Beispiel im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Diabetes, Krebs, Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Prof. Rainer Nobiling (Universität Heidelberg) wies darauf hin, dass Versuchstiere vor allem bei regulatorischen Versuchen, bei denen vorgeschriebene Verfahrensweisen bestehen, stark belastet werden. Der Anteil hoch belasteter Tiere sei hier sieben mal so hoch wie bei Forschungsversuchen in Universitäten und anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen. Dort können Versuchsdesigns stärker am 3R-Prinzip ausgerichtet werden.

Auffällig bei den Zahlen für 2018 ist ein deutlicher Anstieg bei den Erhaltungszuchten von transgenen Mäusen. Diese Tiere sind genetisch verändert, aber nicht an Tierversuchen beteiligt. Der Anteil genetisch veränderter Tiere, fast ausschließlich Mäuse und Fische, stieg 2018 weiter an – gegenüber dem Vorjahr von 40 auf 45 Prozent. Diese Tiere erlauben besonders aussagekräftige Untersuchungen zum Beitrag der Gene zu Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Erkrankungen des Gehirns.

Dabei gilt, dass ein Tierversuch nach dem Gesetz erst dann erlaubt ist, wenn es dafür keine Alternativen gibt. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen reduzieren daher auf Basis des 3R-Prinzips, die Zahl der Versuchstiere auf das unerlässliche Mindestmaß. Hierbei geht es darum, Tierversuche möglichst zu vermeiden (Replacement) sowie die Zahl der Tiere (Reduction) und ihr Leiden (Refinement) soweit zu beschränken wie möglich.

(Tierversuche verstehen)

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