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Moos-Sammlung von Carl Bosch wird mit Mitteln der Klaus Tschira Stiftung digitalisiert

Herbar-Belege aus der Moos-Sammlung von Carl Bosch.
Herbar-Belege aus der Moos-Sammlung von Carl Bosch. Copyright: Senckenberg

Der Nobelpreisträger Carl Bosch war nicht nur ein begabter Chemiker, sondern auch leidenschaftlicher Hobby-Botaniker, -Geologe und -Zoologe. Der größte Teil seiner Sammlungen aus diesen Gebieten sind heute im Besitz des Senckenberg in Frankfurt. Sein Moos-Herbar umfasst viele Belege bedeutender Sammler des 19. und 20. Jahrhunderts.  In einem von der Klaus Tschira Stiftung geförderten Projekt wird nun die wissenschaftliche Erschließung und Digitalisierung dieser einzigartigen Sammlung beschleunigt. Die historischen Moosbelege, wichtige Belege langfristiger Umweltveränderungen, werden dadurch auch online verfügbar.

Wer beurteilen will, wie sich unsere Umwelt langfristig entwickelt hat, kommt an naturkundlichen Sammmlungen nicht vorbei. „Kurzfristige Veränderungen kann man messen oder beobachten; langfristige Entwicklungen, wie das globale Artensterben oder die Auswirkungen des Klimawandels, lassen sich oft nur anhand von Sammlungen rekonstruieren“, so Dr. Christian Printzen, Kurator am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt und fährt fort: „Dazu müssen wir Informationen, die in Sammlungen stecken, noch besser zugänglich machen – am besten online.“

Diesem Zweck widmet sich ein neues Projekt zur Moos-Sammlung von Carl Bosch (1874-1940). Der Nobelpreisträger hatte sich als Mit-Entwickler des Haber-Bosch-Verfahrens und Vorstandsvorsitzender der BASF einen Namen gemacht. Doch in seiner Freizeit beschäftigte er sich neben seinem Fachgebiet, der Chemie, zudem wissenschaftlich mit Botanik, Zoologie und Geologie. Als begeisterter „Citizen Scientist“ legte er umfangreiche Sammlungen von Mineralien, Meteoriten, Käfern, Schmetterlingen, Flechten und Moosen an. Für ihre Unterbringung erwarb er 1925 sogar ein eigenes Haus.

Allein sein privates Moos-Herbar umfasst rund 17.000 Belege aus den Jahren 1817 bis 1921. Seine Erben übergaben es in den frühen 60er Jahren – wie auch weitere Teile seiner Sammlungen – an die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt, wo es seitdem konservatorisch bearbeitet und erschlossen wird. Dazu gehört nicht nur das Sichern der Belege in säurefreien Papierkapseln, sondern auch die Erfassung der Funddaten und die Überprüfung der oftmals veralteten wissenschaftlichen Namen.

Diese wissenschaftliche Erschließung historischer Sammlungen ist alles andere als einfach, wie Gerhard Winter, ehemaliger Leiter der Museumspädagogik des Senckenberg Naturmuseums, bestätigen kann. Als Pensionär kümmert er sich seit Jahren ehrenamtlich um die Moos-Sammlungen: „Die Belege sind zwar sorgfältig in Papierumschlägen verpackt, aber oft nur handschriftlich etikettiert – eine Herausforderung. Für die Erschließung des Moos-Herbars von Carl Bosch hätte ich als einzelne Person 20 Jahre gebraucht.“

Dank der Klaus Tschira Stiftung – deren Sitz heute die Villa Carl Boschs ist – nimmt die Erschließung des Moos-Herbars jetzt aber Fahrt auf. In einem mit 90.000 Euro geförderten Projekt soll die Moos-Sammlung mittels zusätzlicher personeller Ressourcen bereits in den nächsten drei Jahren in ihrem Originalzustand erhalten und gleichzeitig vollständig digitalisiert werden. Außerdem werden die Belege in einer Online-Datenbank verfügbar gemacht.

Das Projekt ehrt damit nicht nur den damaligen „Citizen Scientist“ Carl Bosch, sondern auch die heutigen Bürgerforscherinnen und -forscher. „Die meisten unserer Millionen von Sammlungsstücken wurden nicht von Fachleuten, sondern von Liebhabern – wie auch Carl Bosch – zusammengetragen. Ohne den Einsatz ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer könnten wir diese Sammlungen heute wiederum nicht erhalten und dokumentieren. Das ganze Projekt ist deshalb nicht nur ein Gewinn für die Wissenschaft, sondern auch eine außergewöhnliche Anerkennung für diesen ehrenamtlichen Einsatz“, freut sich Printzen.

Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen