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Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin - VBIO e.V.

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- Einen Überblick über die Aktivitäten des VBIO finden Sie in unserem Jahresbericht 2015

 

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Konflikt wegen Erfolg: Wenn der Mensch wieder natürliche Konkurrenz bekommt 26.01.2006
Internationale Tagung widmet sich dem Konfliktmanagement zwischen Naturschutz und menschlicher Ressourcennutzung
Leipzig. Strenge Naturschutzgesetze haben neben verbesserten Umweltbedingungen in vielen Teilen Europas dazu geführt, dass seltene oder lokal ausgerottete Tierarten wieder zurückkehren, im Bestand zunehmen oder gar neue Lebensräume erobern. Damit leben jedoch alte Konflikte zwischen Mensch und Tier wieder auf. Drei Jahre lang haben Wissenschaftler in sieben europäischen Modellregionen am Beispiel der fischfressenden Tierarten Fischotter, Kormoran und Kegelrobbe untersucht, wie verschiedene Länder mit solchen Konflikten umgehen und welche Wege es gibt, zwischen Naturschutz und Fischwirtschaft zu vermitteln.

Abb.: Eurasischer Fischotter (Lutra lutra L.), Foto: André Künzelmann/ UFZ

Zum Abschluss des EU-Projektes FRAP sind etwa 100 Experten aus 20 Ländern zu einer Konferenz an das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) eingeladen. Neben der Präsentation von Projektergebnissen gibt es einen intensiven Austausch zu vergleichbaren Konflikten aus aller Welt. Dabei zeigt die Vielfalt möglicher Lösungsansätze, dass erfolgreiches Konfliktmanagement ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge berücksichtigt, aber auch relevante Akteursgruppen in Entscheidungsfindungsprozesse mit einbezieht.

Der Otter - ein akzeptierter Rückkehrer
Die Geschichte von Mensch und Fischotter ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Fischotter fressen zwar hauptsächlich Fisch, aber sie bevorzugen bei ausreichendem Nah-rungsangebot nicht etwa große Karpfen, sondern eher kleine handlichere Happen - also Fische zwischen zehn und zwanzig Zentimetern. Das sind zum Beispiel Barsche und andere wirtschaftlich kaum genutzte Fischarten. Karpfenteiche werden zu Otters Lieblingsrevier, wenn die umgebende Landschaft ausgeräumt und nahrungsarm ist; auch harte Winter spielen eine Rolle, wie unter anderem Nahrungsuntersuchungen im Rahmen des Artenschutzprogrammes Fischotter in Sachsen zeigten. Wenn sich zusätzlich noch die Absatzsituation für einheimischen Fisch verschlechtert, kann es für den Fischer knapp werden. Aber ist daran der Fischotter schuld?
Sicher hat die Fischotterpopulation in der Oberlausitzer Teichlandschaft zugenommen. Trotz-dem ist der Bestand keineswegs gesichert, wie Modellierungen des UFZ gezeigt haben: Gestiegene Verluste durch Überfahren und der anhaltende Lebensraumverlust zollen nach wie vor ihren Tribut. Der Zenit der Populationsentwicklung scheint deshalb bereits überschritten und in etwa einhundert Jahren könnte diese Entwicklung zu einem unvermuteten Kollaps der Fischotterpopulation in Sachsen führen.
Im Gegensatz zu den Vergleichsregionen Tschechien und Österreich ist das Verhältnis der sächsischen Teichwirte zu den Fischottern relativ entspannt. Dafür hat der Freistaat mit einer Vielzahl von Maßnahmen gesorgt, der z.B. technische Abwehrmaßnahmen wie Otterzäune fördert und Teichwirte mit EU-kofinanzierten Ausgleichszahlungen unterstützt. Die gibt es für naturschutzverträgliches Wirtschaften oder den Besatz der Teiche mit zusätzlichen Karpfen, die dann dem Otter als Nahrung dienen können. So wird der aktive Beitrag des Teichwirtes zum Naturschutz gesellschaftlich honoriert.

Der Kormoran - Eroberer alter und neuer Gestade
Ganz anders die Situation beim Kormoran: Im Gegensatz zum Fischotter werden die schwarzen Vögel oft als Eindringling angesehen. Beim Kormoran wird deutlich, dass Vögel nicht an nationalen Grenzen halt machen. Aus wenigen Kolonien in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sind, nicht zuletzt auch durch Umwelt- und Klimaveränderungen begünstigt, viele große und kleine Ableger geworden. Die Vögel brüten zum überwiegenden Teil an den Küsten Europas und ziehen nach der Brut auch durch Deutschland bis an das Mittelmeer, um dort zu überwintern. Auf bis zu 500 000 Vögel schätzen die Wissenschaftler die Anzahl der Kor-morane momentan in Europa. Unkoordinierte lokale Maßnahmen bringen bei solch mobilen Arten wenig Erfolg. Da es momentan mehr Kormorane als Brutplätze gibt, rücken nach Mas-senabschüssen wie im vergangenen Sommer in Norddeutschland einfach neue Tiere nach. Das Kormoranproblem zeigt, dass es Koordinationsprobleme zwischen den Nationen selbst, aber auch auf europäischer Ebene gibt. Es mangelt an einem länderübergreifenden Beobachtungssystem und einer besseren Abstimmung von Managementmaßnahmen.

Die Kegelrobbe - Heimkehrer aus dem Norden der Ostsee
Als drittes Tier wurden im Forschungsprojekt FRAP die Konflikte rund um die Kegelrobbe in Finnland und Schweden untersucht. Die Kegelrobben breiten sich mit einem jährlichen Wachstum von knapp 9 Prozent immer weiter nach Süden aus - zur Freude der Naturschützer und zum Leidwesen der Küstenfischer. In Schweden gibt es bereits seit einigen Jahren einen nationalen Managementplan, in Finnland steht man kurz vor dessen Einführung, um die Managementmaßnahmen besser zu koordinieren. Wiederansiedlungsversuche an der deutschen Ostseeküste sind zwar auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Trotzdem ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch deutsche Fischer mit den Robben konfrontiert werden.

Drei Konflikte - eine Patentlösung?
Konflikte zwischen wildlebenden Arten und menschlicher Ressourcennutzung wird es immer geben. Tierarten wie Fischotter, Wolf, Luchs und Robben in Europa, Elefanten in Afrika und Indien, oder Schneeleoparden im Himalaja werden Nahrungskonkurrenten des Menschen bleiben. So kommt es auf darauf an, Wege zu finden, die einerseits lebensfähige Bestände der gefährdeten Tierarten sichern, wozu sich Deutschland und zahlreiche andere Nationen auf europäischer und internationaler Ebene verpflichtet haben. Andererseits gilt es, die berechtig-ten Interessen der wirtschaftlich Geschädigten auszugleichen, da die Kosten des Naturschut-zes von der ganzen Gesellschaft zu tragen sind, nicht nur von einzelnen Wirtschaftssektoren wie der Fisch- oder Landwirtschaft. Hier sind auf europäischer Ebene noch Hausaufgaben zu machen, damit nationale Lösungen der Schadenskompensation z.B. nicht mehr wie in Finnland europäischen Wettbewerbsregelungen zum Opfer fallen. Konfliktlösungen müssen aber nicht immer viel Geld kosten. Manchmal schützen kleine Änderungen in der Bewirtschaf-tungsform vor größeren Schäden; oder die umfassende Information und rechtzeitige Einbeziehung der Betroffenen kann zum Konsens zwischen Naturschützern und Naturnutzern füh-ren. Eine Patentlösung gibt es nicht, aber ein wesentliches Ziel des EU-Projektes FRAP war es, eine generelle Herangehensweise zur Analyse solcher Konflikte sowie zur Entwicklung und Bewertung von geeigneten Managementstrategien zu erarbeiten. Inwieweit dies gelungen ist, wird mit Wissenschaftlern und Praktikern aus aller Welt derzeit in Leipzig ausführlich diskutiert.



Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Le-bensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.
Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Weitere Informationen:
http://www.frap-project.net - Webseite des EU-Forschungsprojektes
http://www.ufz.de/
UFZ
http://www.frap-project.net

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