Bachelor - das unbekannte Wesen

In den letzten Jahren wurden Studiengänge sukzessive auf das Bachelor/Master-System umgestellt. Bachelor-Absolventen aus deutschen Hochschulen gibt es erst seit etwa 2003. Die meisten von ihnen haben sich entschieden, ihre akademische Karriere fortzuführen, um mindestens einen dem bisherigen Diplom äquivalenten Studienabschluss zu erreichen.Einige international aufgestellte Arbeitgeber haben vereinzelt Bachelorabsolventen eingestellt. Klare Einstellungskriterien für diese „Undergraduates“ fehlen jedoch.

Trotz der KMK-Vorgabe einer „Berufsbefähigung“ ist der deutsche Bachelor derzeit weder Fisch noch Fleisch. Ihm fehlt die praktische Routine von Technischen Assistenten oder Laboranten und wissenschaftlich kann er sich nach 6 Semestern natürlich nicht mit den „Graduates“ messen. Durch die vollständige Umstellung des Studiensystems bis Ende 2010 wird aber vor allem der bisherige Hauptkonkurrent - der Fachhochschulabsolvent mit verpflichtendem Praxissemester - mittelfristig nicht mehr auf dem Absolventenmarkt angeboten.
Unternehmen müssen sich zukünftig auf Bachelor-Absolventen einstellen, um die Lücke zwischen nichtakademischem Personal und promovierten Mitarbeitern zu schließen. Mehr noch: Im Vorgriff auf die erwartete demografische Entwicklung haben umsichtige Unternehmen erkannt, dass sie sich rechtzeitig um den beruflichen Nachwuchs kümmern müssen. Dies geschieht durch gezieltes Hochschulmarketing mit Stipendien, Kooperationen und frühzeitige Unternehmensbindung über Praktika. Somit kann der Bachelor ein erster beruflicher Einstieg sein, der sich nicht in einer Ersatzfunktion zum Laboranten/TA/FH-Diplomer erschöpft, sondern eine spätere akademische Weiterentwicklung (Master und Promotion) explizit in der Karriereplanung mit einschließt. Bachelorabsolventen könnten sich aber auch die Berufsfelder jenseits der Wissenschaft erschließen , die ein akademische Grundausbildung erfordern, aber dann „on the job“ eine berufliche Orientierung weg von der reinen Wissenschaft ermöglichen.

„Lebenslanges Lernen“ ist in Deutschland bislang nur ein politisches Schlagwort. Die gestuften Studienabschlüsse sind eine Chance - auch für die Unternehmen - zu erkennen, dass die Ressource Humankapital entsprechend langfristig gepflegt werden muss.

 

 
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