Wie ist die langfristige Entwicklung des Arbeitsmarktes für Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger der Biologie einzuschätzen?
Biologie ist die Wissenschaft des 21. Jahrhunderts, sie entwickelt sich rasant. Damit verändern sich auch die Berufsbilder. Insgesamt ist der Bedarf an Absolventen in den letzten zehn Jahren gestiegen. – Die Absolventenzahlen aber auch. Zukünftig wird der Bedarf weniger durch öffentliche Töpfe getriggert. Seit 20 Jahren gibt es einen sehr robusten Arbeitsmarkt im Bereich der Biotechnologie, während die Bedeutung von Stellen im öffentlichen Dienst abgenommen hat.
Es gibt keine wirklich seriösen Aussagen über den Arbeitsmarkt in zehn oder zwanzig Jahren. Die Anzahl bezahlter Stellen war immer kleiner als der inhaltlich erforderliche Bedarf. Die demoskopische Entwicklung dürfte aber zu einem höheren Angebot an qualifizierten Stellen führen, die allgemeine Sparpolitik und die Konkurrenz durch die Globalisierung aber diesem Trend entgegenlaufen.
Welche Fachrichtungen der Biologie werden künftig auf dem Arbeitsmarkt an Bedeutung gewinnen? Warum?
Der VBIO ist überzeugt, dass alle biowissenschaftlichen Fachrichtungen Zukunft haben, wenn auch die Anzahl der Stellen von Fachgebiet zu Fachgebiet variiert.
Die Molekularbiologie ist inzwischen selbst in den klassischen biologischen Fächern angekommen, was z. B. heißt, dass viele Zoologen und Botaniker in ihrer Forschung auch molekulare Methoden anwenden und dadurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.
Die biomedizinische/molekulare Forschung wird sich weiterhin als DIE Jobmaschine erweisen, vor allem wegen großer Themenbereiche wie neurodegenerative Erkrankungen, Krebs oder Autoimmunität. Bei der weißen Biotechnologie, zeichnet sich durch den Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen auch ein Wachstumsfeld ab. Der Bereich der grünen Biotechnologie ist in Europa und vor allem in Deutschland politisch so festgefahren, dass die exzellent ausgebildeten deutschen Absolventen über kurz oder lang nach Übersee abwandern werden.
Generell sind heute hoch qualifizierte Allrounder gefragt, die neben „echten“ Spezialisten in der Lage sind, verschieden Disziplinen gut zu vernetzen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Interdisziplinarität wird groß geschrieben, daher sind Flexibilität und echte Bereitschaft zum „Life-Long-Learning“ gefragt. Die anderen „Soft Skills“ und mindestens sehr gute Englisch-Kenntnisse als wissenschaftliche Umgangssprache sind inzwischen Standard und werden als selbstverständlich vorausgesetzt.
Welche Berufsbilder und Arbeitsfelder werden an Bedeutung verlieren? Warum?
Die klassischen biologischen Disziplinen sowie rein deskriptive Arbeitsbereiche werden immer mehr zurückgedrängt. Der Kostendruck und die leeren öffentlichen Kassen werden auch die administrativen Bereiche weiter unter Druck halten. Dazu kommt die immer stärker werdende Konkurrenz aus beruflichen Nachbarbereichen wie den Landschaftspflegern sowie den Verwaltungsjuristen.
Der Bildungssektor ist bereits heute völlig unterfinanziert. Durch die Einführung des 8-jährigen Gymnasiums werden auf einen Schlag 10% der Fachlehrer überflüssig. Im Bereich der unterstufe werden teilsweise schon Grundschullehrer eingesetzt, die keienn klassischen Biologieunterricht mehr halten sondern auf entsprechendem Niveau "Natur&Technik" unterrichten. Dadurch erspart man sich kurzfristig den Ersatz der in Pension gehenden Lehrer. Das bedeutet aber für die nächsten Jahre einen erschwerten Einstieg für Lehramtskandidaten. Dies kann sich aber auch aus politischen Gründen jederzeit wieder ändern, wenn Eltern, Schüler und Lehrkörper das nicht länger gefallen lassen.
Wie sind die Berufsaussichten für am Organismus ausgerichtete Fächer wie Zoologie, Botanik und Ökologie?
Die Berufsaussichten in diesem Bereich sind unterdurchschnittlich. Es ist schwierig, hier eine bezahlte, unbefristete Stelle zu finden. Die begehrten Stellen an einer Universität, als Kurator in einem Museum oder botanischen Garten sind an einer Hand abzuzählen. Auch Umweltmonitoring ist keine Wachstumsbranche mehr, und ist nur in ganz eng begrenzten Bereichen lukrativ. Wenn Sie sich also rein auf diese Fächer spezialisieren wollen, muss Ihnen bewusst sein, dass es schwer wird. – Aber es kann funktionieren! – Vor allem dann, wenn Sie eine ausgeprägte Leidenschaft für das Fach haben, örtlich flexibel und bereit sind, dauerhaft mit befristeten Verträgen oder schwankenden Einnahmen aus Selbständigkeit zu leben.
Wie sind die Berufsaussichten für Wissenschaftsjournalisten?
Für viele Biologen, die nirgend wo anders untergekommen sind, oder die einige Jahre - z.B. durch Elternzeit - beruflich pausiert haben, ist die Medienbranche ein trügerischer Rettungsanker. Es ist relativ einfach, mal für eine Zeitung oder ein anderes Medium eine "Story" zu schreiben, allerdings muss man weniger etwas von der Wissenschaft verstehen, als einfach nur eine "gute Schreibe" haben. Der wichtigste Knackpunkt ist aber, dass die Medien durch den Wegfall vieler Werbeeinnahmen so stark im Umbruch sind, dass gerade Neueinsteiger - wenn überhaupt - nur als unterbezahlte Freiberufler eine Chance bekommen. Gerade im Wissenschaftsjournalismus ist der Grad an Selbstausbeutung sehr hoch und gesicherte Einkommen selten.
Wie hat sich die "Finanzkrise" auf den Arbeitsmarkt für Biologen ausgewirkt?
Die Finanzkrise ist bisher fast spurlos am Gesundheitsmarkt vorübergegangen. Dennoch haben gerade die großen Pharmakonzerne zum Teil bis zu 20% des Personals abgebaut. Auch etliche kleine Unternehmen haben aufgrund der fehlenden Finanzen entweder Personal abgebaut oder sich unter den Schirm größerer Investoren gerettet. Aufgrund der relativen Unabhängigkeit von der Konjunkturlage gibt es aber bei weitem weniger Probleme als beispielsweise im Maschinenbau. Auf die anderen Bereiche, in denen Biologen arbeiten, hatte die Finanzkrise ebenfalls keinen wesentlichen Einfluss, da konjunkturelle Schwankungen in diesem meist sehr wissensbasierten Bereichen nicht relevant sind.
Entscheidend für Ihr Fortkommen ist aber Ihre eigene Persönlichkeit.
Wie andere mit den Stürmen und Unztiefen auf dem Meer der beruflichen Möglichkeiten zurecht gekommen sind, können sie nachlesen in den Lebensläufen von über 70 Biologen unserer Berufsfeldbroschüre „Perspektiven - Berufsbilder von und für Biologen“.
Jetzt dem VBIO beitreten!
Werden Sie Teil der starken Gemeinschaft von Biowissenschaftlern, die Ihre Interessen vertritt!
Mehr Informationen dazu finden Sie hier.
Herzlich Willkommen!