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Weltkulturerbe vor den Folgen des Klimawandels schützen


Welche Auswirkungen der Klimawandel auf UNESCO-Weltkulturstätten hat, untersuchen Forscher in dem EU-Projekt »Climate for Culture«. Ziel ist es, vorbeugende Strategien zum Schutz des Kulturerbes zu entwickeln. Das Projekt startet mit einer Auftaktveranstaltung am 9. November in München.

Gletscher schmelzen ab, Flüsse erwärmen sich, Pflanzen- und Tierarten dehnen ihr Verbreitungsgebiet aus – die ersten Auswirkungen des Klimawandels sind laut Weltklimabericht der UNO bereits zu spüren. Doch wie wirken sich die Klimaänderungen auf historische Gebäude aus? Wird unser Weltkulturerbe beschädigt oder gar zerstört? Wie lässt sich unser kulturelles Erbe schützen? Was wird es uns kosten, wenn wir nicht rechtzeitig reagieren? Diese und weitere Fragen untersuchen Forscher in dem jetzt gestarteten EU-Projekt »Climate for Culture«. Die Europäische Union fördert das Forschungsvorhaben mit fünf Mio Euro. Insgesamt arbeiten 30 Partner aus 16 Ländern in Europa und Nordafrika zusammen, darunter auch die Fraunhofer-Institute für Bauphysik IBP und Silicatforschung ISC sowie das Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa MOEZ. Koordinator des Projektes ist das IBP.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden die Auswirkungen des Klimawandels auf ausgewählte UNESCO Weltkulturstätten in Europa und Nordafrika untersucht – beispielsweise auf die historische Altstädte in Wismar und Stralsund an der Ostsee, das vom steigenden Meeresspiegel bedrohte Venedig, das Schloss Schönbrunn in Wien oder die Pyramiden von Saqqara in Ägypten. »Dabei soll nicht nur eine präzise und integrierte Bewertung der tatsächlichen Schäden des Kulturerbes durch den Einfluss des Klimawandels ermöglicht werden. Ziel ist es viel mehr, auch nachhaltige und vorbeugende Strategien zu entwickeln und umzusetzen«, erläutert Projektleiterin Johanna Leissner von der Fraunhofer-Gesellschaft. Die Forscher setzen neue Simulationsverfahren ein, um auch die regionalen Auswirkungen des Klimawandels beurteilen zu können. Diese werden mit einer Gebäude-Simulations-Software gekoppelt. So lassen sich individuell auf die jeweiligen Kulturerbestätten zugeschnittene frühzeitige Präventionsstrategien entwickeln.

Forscher des IBP untersuchen, wie sich der Klimawandel auf die bayerischen Königsschlösser von Ludwig II. auswirken kann – etwa auf das Schloss Linderhof, die Renatuskapelle in Lustheim oder das Königshaus am Schachen. In einem zweiten Schritt sollen dann Konzepte für den frühzeitigen Schutz dieser wertvollen Bauten und ihrer künstlerischen Ausstattung erarbeitet werden.

»Die bayerischen Königsschlösser wurden nicht dafür erbaut, um von mehreren Tausend Besuchern pro Tag besichtigt zu werden«, erläutert Ralf Kilian vom IBP. Die Besucherströme bringen viel Feuchte mit sich. Es kann sich Schimmel bilden. In den kommenden Jahren können sich die Probleme noch verstärken: Steigen die Temperaturen wegen des Klimawandels, gelangt auch mehr Feuchte in die Räume. Hier sollen innovative, energiesparende Lösungen zum Erhalt der Gebäude und Kunstwerke gefunden werden.

Das Projekt »Climate for Culture« startet mit der Auftaktveranstaltung am 9. November 2009 in den Pinakotheken in München. Dort beschäftigen sich Wissenschaftler mit unterschiedlichen Perspektiven des Klimawandels.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/veranstaltungen-messen/20091109_Climate_for_Culture.jsp

12.11.2009

 

 
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