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Evolutionsforschung: Schlammspringer als Modellorganismen für den Landgang

Entgegen dem populären Spruch "Wie ein Fisch im Wasser" gibt es zahlreiche Vertreter der Wirbeltiergruppe Pisces, die einen Teil ihrer Lebenszeit außerhalb des feuchten Elements verbringen. Neben den Flugfischen (Familie Exocoetidae), die weite Strecken über der Wasseroberfläche gleiten können, sind die Schlammspringer (Grundeln der Unterfamilie Oxudercinae) als "amphibische Fische" bekannt. Diese mit Froschaugen und Arm-artigen Vorderflossen ausgestatteten Mangroven-Bewohner verschiedener Regionen von Afrika, Asien und Australien gehen an Land auf Beutejagd, wo sie sich unter anderem von kleinen Regenwürmern ernähren. Vor zwei Jahren wurde in einem theoretischen Kurzbeitrag die These postuliert, Schlammspringer könnten als Modellorganismen zur Analyse des Wasser/Land-Übergangs, der sich im Devon vollzogen hat, betrachtet werden und seien ein Beispiel für die graduelle Makroevolution (Nature 439: 543; 2006). Dieser Artikel hat im Kreise der deutschen Intelligent Design (ID) – Kreationisten heftige Gegendarstellungen provoziert.

Der Evolutionsbiologe U. Kutschera hat in Zusammenarbeit mit dem Tierphysiologen J.- P. Ewert (Universität Kassel) das Beutefangverhalten Atlantischer Schlammspringer (Periophthalmus barbarus) und Erdkröten (Bufo bufo) vergleichend analysiert. Detaillierte Verhaltensstudien haben gezeigt, dass Schlammspringer (d. h. Fische) und Kröten (d. h. Tetrapoden) auf identische Weise an Land ihre Beute erkennen und fangen. Da sich die Abstammungslinien, die zu den heute lebenden Knochenfischen und Amphibien geführt haben, vor etwa 400 Millionen Jahren auseinander entwickelten, wird dieses Resultat als konvergente Evolution innerhalb der Wirbeltier-Reihe interpretiert. Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass Schlammspringer als lebende Modellsysteme zur Rekonstruktion des vor ca. 370 Millionen Jahren erfolgten Wasser/Land-Übergangs betrachtet werden können und dass diese Grundeln Amphibien-ähnliche Merkmale und Verhaltensweisen evolviert haben.


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U. Kutschera, H. Burghagen & J.-P. Ewert: Prey-catching behaviour in mudskippers and toads: A comparative analysis. OnLine J. Biol. Sci. 8: 41 – 43, 2008.

UK
http://www.evolutionsbiologen.de

14.01.2009

 

 
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