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Bleiben im neuen bayerischen G9 die Naturwissenschaften auf der Strecke?

Bei der geplanten Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) hat der bayerische Kultusminister Spaenle am Dienstag, den 25.Juli 2017 verkündet, es gäbe „mehr Lernzeit, mehr digitale und politische Bildung, starke Kernfächer und Naturwissenschaften“ (KM, PM 296/2017). Entgegen seinen Beteuerungen werden die Naturwissenschaften aber nicht gestärkt, sondern Chemie und Biologie kommen in der neuen 11. Klasse gar nicht vor, wie der am Dienstag vorgestellte Entwurf der neuen Stundentafel für das neusprachliche Gymnasium zeigt. Von starken Naturwissenschaften kann man deshalb nicht sprechen, Orientierungsmöglichkeiten in den Naturwissenschaften sind in der 11. Klasse nicht gegeben. Seit Einführung des achtjährigen Gymnasiums sind die Abiturientenzahlen im schriftlichen Abitur in Bayern um 74 % (Physik), 83 % (Chemie) und 92 % (Biologie) zurückgegangen. Diese Zahlen sind alarmierend, mit der vorgesehenen 11. Klasse ist keine Besserung in Sicht.
Die Deutsche Physikalische Gesellschaft, (DPG, Beauftragter des Vorstands der DPG für Schulangelegenheiten in Bayern), der Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts (MNU Südbayern und Franken), der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO, Landesverband Bayern) sowie der Verband der Chemielehrer Bayerischer Gymnasien (VCBG) haben in einem gemeinsamen Positionspapier „MINT-Bildung sichert den Technologiestandort Bayern“ versucht, dem Kultusministerium zu verdeutlichen, dass mit dem aktuellen Entwurf das falsche Signal gesetzt wird.
Die naturwissenschaftliche Bildung darf nicht vernachlässigt werden. Schon heute ist der Anteil an Studienabbrechern bei naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen enorm hoch und auch die medizinischen Fakultäten beklagen das fehlende grundlegende naturwissenschaftliche Verständnis ihrer Studierenden.
Die jetzt geplante Reform des bayerischen Gymnasiums zurück zum G9 wird nach dem derzeitigen Entwurf leider zu weiteren Defiziten im naturwissenschaftlichen Bereich führen, warnen DPG, MNU, Landesverband Bayern im VBIO und VCBG. Es wird daher jetzt umso wichtiger sicherzustellen, dass eine verstärkte "Profilbildung in der Qualifikationsphase“ für alle Naturwissenschaften möglich wird. Denn erst in der Oberstufe können viele der komplexen Inhalte der Naturwissenschaften sinnvoll vermittelt werden. Die Lücken in der Orientierungsphase der neuen 11. Klasse sind dafür das falsche Signal und fördern in keinster Weise die gesellschaftlich dringend notwendige Scientific Literacy.
Die derzeit vorliegende einseitige sprachlich-humanistische Ausrichtung des bayerischen Gymnasiums ist weder zeitgemäß noch wirtschaftlich vertretbar. Gemeinsam sprechen sich die naturwissenschaftlichen Verbände für einen Weg aus, der Sprachen und Naturwissenschaften im Abitur symmetrisch behandelt, also in einem naturwissenschaftlichen Profil eine Naturwissenschaft statt einer Fremdsprache im Abitur verpflichtend sein kann. Das bayerische Gymnasium muss die Pluralität der Begabungen und individuellen Neigungen seiner Schüler widerspiegeln. Ein entsprechender Entwurf für eine profilierte Oberstufe wurde daher dem Kultusministerium ebenfalls vorgelegt.
Landesverband Bayern im VBIO
http://www.vbio.de/bayern

25.07.2017

 

 
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