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Brauchen wir eine neue Gentechnik-Definition?

Die auch als Genomchirurgie bezeichnete Weiterentwicklung molekulargenetischer Methoden hat eine Debatte ausgelöst, was in der Pflanzenzucht als „gentechnisch veränderter Organismus“ bezeichnet und entsprechend reguliert werden muss und was nicht. In einer am 14. Februar gemeinsam von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, dem Deutschen Ethikrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Berlin ausgerichteten Diskussionsveranstaltung wurde das Thema von Experten aus Wissenschaft und Politik behandelt. Die zentrale Frage ist, ob die Gentechnik-Definition im Gentechnikgesetz vor diesem Hintergrund grundlegend überarbeitet werden muss.

Politik, Behörden, Gerichte und Wissenschaft stehen vor der Herausforderung, zeitgemäße Lösungen für die Regulierung genom-editierter Pflanzen zu finden. „Wir brauchen zeitnah eine gesetzliche Regelung, ob genom-editierte Nutzpflanzen generell als gentechnisch veränderte Organismen gelten sollen oder ob man eher in Einzelfallbetrachtungen die spezifischen Eigenschaften der erzeugten Pflanzensorten einer Risikobewertung unterzieht“, sagt Prof. Dr. Jörg Hacker, Mikrobiologe und Präsident der Leopoldina. „Die Diskussion über die Regulierung genom-editierter Pflanzen ist notwendig. Zu beachten ist dabei: Man trägt Verantwortung für das, was man tut, aber auch für das, was man wider besseres Wissen verhindert“, sagt Prof. Dr. Peter Dabrock, Theologe und Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. Prof. Dr. Katja Becker, Biochemikerin, Molekularbiologin und Vizepräsidentin der DFG sagt: „Wir wünschen uns eine sachliche Diskussion darüber, ob die bisherige Betrachtung nicht mittlerweile obsolet geworden ist und durch eine produktorientierte Sicherheitsbewertung ersetzt werden sollte.“

Neue molekularbiologische Techniken erlauben den präzisen Austausch einzelner DNA-Bausteine und werden in der Pflanzenzüchtung bereits eingesetzt. Ausgangspunkt der Debatte ist die abnehmende Unterscheidbarkeit von „natürlichen“ Veränderungen und solchen, die auf „nicht natürlichem“ Wege erreicht werden können. Zu diesen Fragen schaffen die Leopoldina, der Ethikrat und die DFG mit der interdisziplinär besetzten Veranstaltung eine Plattform zur Information und zum Meinungsaustausch.

Vorab haben sich einige der Referenten, darunter Biologen, Agrarwissenschaftler, Theologen, Sozialpsychologen, Philosophen und Vertreter aus Politik und Verwaltung bereits in Statements zum Thema geäußert. Darunter Prof. Dr. Detlef Weigel, Direktor am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie Tübingen, Prof. Dr. Katja Becker, Vizepräsidentin der DFG, Prof. Dr. Detlef Bartsch und Jens Kahrmann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Prof. Dr. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in Frick (Schweiz), Prof. Dr. Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie an der Universität Göttingen, Prof. Dr. Bernhard Irrgang, Professor für Technikphilosophie an der Technischen Universität Dresden und Prof. Dr. Wolfgang Stroebe, Professor der Sozialpsychologie an der Universität Groningen (Niederlande).

Leopoldina
Alle Statements zum Download:
http://www.leopoldina.org/fileadmin/redaktion/Presse/Materialien/2017_02_14_Experten_Statements.pdf

16.02.2017

 

 
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