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Zeitraffer-Blick in das Ökosystem der Zukunft
Die Wissenschaftler arbeiten vor allem mit Bodenpilzen. Hier Kulturen mehrerer Bodenpilz-Isolate, mit denen auch Matthias Rillig und sein Team experimentieren. Quelle: Dr. Anika Lehmann / AG Rillig.

Wie reagieren Organismen als Individuen und in Lebensgemeinschaften auf Umweltbedingungen, die sich allmählich über einen langen Zeitraum verändern? Mit einem neuen experimentellen Ansatz wollen Professor Dr. Matthias Rillig und sein Team vom Institut für Biologie der Freien Universität Berlin diese Frage am Beispiel von Bodenpilzen untersuchen. Die Forschungen werden in den kommenden fünf Jahren mit knapp 2,4 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert. Bewilligt wurde die Summe im Rahmen der Förderlinie der Advanced Grants.

Klimaveränderungen wie die Erderwärmung vollziehen sich über lange Zeiträume. Bislang gehen Wissenschaftler den Auswirkungen solcher Umwelteinflüsse auf ökologische Systeme jedoch gezwungenermaßen eher mit Experimenten nach, in denen sich die Umweltbedingungen – etwa der Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre – vergleichsweise abrupt verändern. In dem jetzt bewilligten Forschungsprojekt mit dem Titel „Graduelle und abrupte Umweltveränderung: die Verbindung zwischen Physiologie, Evolution und Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft“ wollen Rillig und sein Team erstmals im Vergleich dazu graduelle Reaktionen ökologischer Systeme infolge langsamer Umweltveränderungen untersuchen. Dabei gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch der Frage nach, wie sich die Organsimen etwa in ihrem Erscheinungsbild und Wachstum verändern, zu welchen evolutionären Anpassungen es kommt und wie sich das wiederum auf die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften auswirkt. Als Modellsystem für ihre Experimente nutzen die Forscher Bodenpilze, da sie sehr schnell wachsen und deshalb an ihnen die Auswirkungen der Umweltveränderungen über viele Pilz-Generationen hinweg praktisch wie im Zeitraffer verfolgt werden können. In Teilaspekten wollen die Forscher aber auch mit Pflanzen arbeiten, um zu prüfen, inwieweit sich bestimmte Erkenntnisse auch auf andere Organismengruppen übertragen lassen.

Die Gutachter des Europäischen Forschungsrates hoben in ihrer Begründung für die Bewilligung besonders den innovativen Charakter der Fragestellung und des neuartigen experimentellen Ansatzes hervor und betonten die aktuelle Relevanz des Themas im Kontext globaler Klimaveränderungen. Ebenfalls gewürdigt wurde das exzellente wissenschaftliche Umfeld im Rahmen des Berlin-Brandenburgischen Instituts für Biodiversitätsforschung, dessen Direktor Matthias Rillig seit 2013 ist.
Freie Universität Berlin

23.03.2016

 

 
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