News Detailansicht

Inventur der Nachtfalter
Oenoptila anetteae - eine von Dr. Gunnar Brehm beschriebene Nachtfalterart der ecuadorianischen Anden.
Foto: Gunner Brehm/FSU

Die Bergregenwälder der tropischen Anden gehören zu den artenreichsten Regionen der Erde. Doch eine Vielzahl der Ameisen, Laufkäfer und Schmetterlinge, die sich hier in einmalig großer Zahl tummeln, sind noch weitgehend unerforscht. Ein internationales Forscherteam hat nun die Familie der spannerartigen Nachtfalter (Geometridae) in Ecuador einer eingehenden Inventur unterzogen. Ihr Ergebnis: Die Vielfalt dieser Schmetterlingsfamilie ist noch weitaus größer als bisher angenommen. Das berichten die Forscher um Dr. Gunnar Brehm von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der aktuellen Ausgabe des Magazins „PLOS ONE“.

Die Bergregenwälder der tropischen Anden gehören zu den artenreichsten Regionen der Erde. Doch eine Vielzahl der Ameisen, Laufkäfer und Schmetterlinge, die sich hier in einmalig großer Zahl tummeln, sind noch weitgehend unerforscht. Ein internationales Forscherteam hat nun die Familie der spannerartigen Nachtfalter (Geometridae) in Ecuador einer eingehenden Inventur unterzogen. Ihr Ergebnis: Die Vielfalt dieser Schmetterlingsfamilie ist noch weitaus größer als bisher angenommen. Das berichten die Forscher um Dr. Gunnar Brehm von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der aktuellen Ausgabe des Magazins „PLOS ONE“ (DOI: 10.1371/journal.pone.0150327).

Im Podocarpus-Nationalpark im Süden Ecuadors zwischen 1.000 und 3.000 Metern Meereshöhe hat das Team Nachfalterarten gesammelt und bestimmt. 1.857 unterschiedliche Arten gingen den Forschern dabei in die Falle – das sind rund 80 Prozent mehr als bisherige Schätzungen ergeben hatten. „Wir gehen davon aus, dass die tatsächliche Faltervielfalt noch weitaus höher ist“, sagt Dr. Brehm, der Leiter der Studie. Mindestens 2.350 Arten vermutet der Insektenforscher vom Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum hier.

Zum Vergleich: In ganz Europa gibt es weniger als 1.000 Spanner-Arten. Das untersuchte Gebiet in Ecuador ist aber nur rund 25 Quadratkilometer groß, das entspricht etwa einem Viertel des Stadtgebiets von Jena. In den Regenwäldern Borneos, die ebenfalls für enormen Artenreichtum bekannt sind, leben „nur“ rund 1.100 Arten Geometridae. „Besonders bemerkenswert ist, dass die Artenvielfalt auf 3.000 Metern Höhe ähnlich hoch ist wie auf 1.000 Metern“, sagt Dr. Brehm. Ein solches Muster sei äußerst ungewöhnlich, denn die meisten Tiergruppen werden in größeren Höhen artenärmer.

Den deutlichen Anstieg der Artenanzahl gegenüber früheren Schätzungen und Untersuchungen erklären die Forscher aus Deutschland, Kanada, den USA und Österreich hauptsächlich mit einer besseren Methodik bei der Bestimmung der Falter. Brehm selbst und Kollegen der Universität Wien haben eine Bestimmungsmethode angewendet, mit der sich Arten schnell und präzise zuordnen lassen. Sie nutzen „DNA-Barcodes“ – definierte Regionen in der Erbinformation der Falter – die fast jede Art unverwechselbar kennzeichnet. „Auf diese Weise gelingt es, auch ähnlich aussehende und nah verwandte Arten schnell und verlässlich zu unterscheiden“, sagt Brehm.

Seit 1999 hat Gunnar Brehm sechs Forschungsreisen nach Ecuador unternommen und insgesamt mehr als 30.000 Falter-Exemplare untersucht. Diese „Inventur der Nachtfalter“ ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn: Der Artenreichtum der tropischen Regenwälder ist in großer Gefahr. In den kommenden zwei Jahrhunderten, so Prognosen, werde rund die Hälfte aller Arten aussterben, da Klimawandel oder Abholzung ihre Lebensräume zerstören. „Dies gilt auch für die Bergregenwälder der Anden“, hat Brehm vor Ort beobachtet. Jahr für Jahr werden in Ecuador viele hundert Quadratkilometer Wald gerodet und abgebrannt. Da die Zeit drängt, wollen Brehm und Kollegen als nächstes die Vielfalt von Faltern 1.000 Kilometer weiter südlich in den peruanischen Anden erforschen.


*****


Brehm G et al. Turning up the heat on a hotspot: DNA barcodes reveal 80% more species of geometrid moths along an Andean elevational gradient. PLOS ONE, 2016, DOI:10.1371/journal.pone.0150327
Friedrich-Schiller-Universität Jena
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0150327

14.03.2016

 

 
top