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Wie kann man Fledermausarten am besten unterscheiden?
Die Bonda-Samtfledermaus lässt sich durch die Fellfärbung eindeutig von den anderen Fledermausarten unterscheiden.
Foto: Simon Gahnem

Ein internationales Forscherteam hat erstmals verschiedene Methoden zur Artenbestimmung von Fledermäusen in Panama kombiniert und bewertet. Demnach lassen sich Arten am verlässlichsten identifizieren, wenn mehrere feldbasierte Messungen mit genetischen Analysen kombiniert werden. Die Studie wurde nun in dem frei zugänglichen Online-Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Tierarten korrekt voneinander zu unterscheiden kann auch für Experten mitunter sehr schwierig sein, wenn die Arten sich äußerlich stark ähneln und in ein und demselben Gebiet vorkommen. Eine neue Studie zeigt erstmals, welche Methoden am besten für die Identifizierung verschiedener in Panama vorkommender Fledermausarten (Gattung Molossus) geeignet sind. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell, der Universität Konstanz, des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften, der Universität Montpellier (Frankreich), der Queen Mary University of London (UK) und des Smithsonian Tropical Research Institute in Panama haben gemeinsam an der Studie gearbeitet. Sie verglichen molekulargenetische Daten mit im Freiland aufgenommenen morphologischen und bioakustischen Informationen. Die Ergebnisse zeigen, dass einige bei der Feldforschung angewandte Methoden häufig nicht ausreichen, um Arten zuverlässig zu unterscheiden. Vielmehr sei es wichtig, feldbasierte Methoden und genetische Analysen zu kombinieren.

Laut der Studie kommen mindestens drei verschiedene Samtfledermausarten in demselben Gebiet in Panama vor. „Die Bonda-Samtfledermaus ließ sich anhand der Größe und Fellfärbung eindeutig von den anderen Fledermausarten unterscheiden. Es war also nicht erforderlich, diese Art genetisch zu bestimmen“, erklärt Dina Dechmann vom Max Planck Institut für Ornithologie und der Universität Konstanz. Für die Charakterisierung weiterer Samtfledermausarten verwendeten die Forscher spezifische, neu entwickelte genetische Marker und Sequenzdaten des Erbgutes (Mitochondrien-DNA). „So konnten wir die Große Samtfledermaus und die Coiba-Samtfledermaus identifizierten“, erläutert Arne Ludwig, Genetiker am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Die im Freiland aufgenommenen Informationen zur Morphologie der Fledermäuse (Unterarmlänge, Körpermasse und diverse Flügelparameter) waren für die Unterscheidung der Arten nur dann verlässlich, wenn mehrere Parameter bei der späteren Auswertung kombiniert wurden. Die akustischen Signale der Tiere (Echoorientierungsrufe) lieferten dagegen nur selten artenspezifische Unterscheidungsmerkmale.

Eine grundlegende Bedingung für jegliche Arbeit mit freilebenden Tieren ist eine korrekte Artenbestimmung, insbesondere wenn ähnliche Arten gemeinsam im selben Gebiet vorkommenden. Für eine sichere Unterscheidung sei es also am sinnvollsten, verschiedene morphologische Eigenschaften für die Identifizierung mit genetischen Daten zu kombinieren, so die Wissenschaftler. Diese Erkenntnisse sind für weitere Studien an Fledermäusen, aber auch anderen Arten, von großem Nutzen.


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Gager Y, Tarland E, Lieckfeldt D, Ménage M, Botero-Castro F, Rossiter SJ, Kraus RHS, Ludwig A, Dechmann DKN (2016): The value of molecular vs. morphometric and acoustic information for species identification using sympatric molossid bats. PLOS ONE, 2016, doi: 10.1371/journal.pone.0150780
Forschungsverbund Berlin e.V.
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0150780

04.03.2016

 

 
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