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Treviranus-Medaille: Biologenverband ehrt den Biodiversitätsforscher Prof. Dr. Dr. h. c. Erwin Beck
Der Preisträger Prof. Erwin Beck mit dem Präsidenten des VBIO Prof. Nellen

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) ehrt den Pflanzenphysiologen und Biodiversitätswissenschaftler Prof. Dr. Dr. hc. Erwin Beck mit der Treviranus-Medaille. Die höchste Auszeichnung des Biologenverbandes wird anlässlich des Tages der Biowissenschaften 2013 in Stuttgart übergeben. Der VBIO würdigt damit die außerordentlichen Verdienste des Preisträgers in Wissenschaft, Nachwuchsförderung und Wissenschaftsmanagement.
Ausgehend von der Pflanzensystematik über die Biochemie und Physiologie der Pflanzen bis hin zur Ökophysiologie hat Erwin Beck eine Fülle wissenschaftlicher Fragestellungen sehr erfolgreich bearbeitet. Er hat zahlreiche Arbeiten zum pflanzlichen Kohlenhydratstoffwechsel veröffentlicht. So gelang es ihm beispielsweise, erstmals den Export von Maltose aus dem Chloroplasten während des nächtlichen Abbaus der photosynthetischen Stärke entgegen der damaligen Lehrmeinung zu publizieren. Auch der erste Nachweis der Ascorbatperoxidase als dem wesentlichen Entgiftungsenzym für Peroxid im Chloroplasten stammt aus seinem Labor.
Gemeinsam mit dem Amerikaner Ed Tolbert legte er eine wegweisende Untersuchung zur physiologischen Bedeutung des Sauerstoffpartialdrucks in der Atmosphäre für das Wachstum der Pflanzen vor, die vor allem angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels weiter an Bedeutung gewinnen wird. Mit damals neuen Verfahren zur Phytohormon-Quantifizierung konnte er die Zusammenhänge zwischen der Stickstoffernährung der Pflanzen, ihrem Phytohormonhaushalt und der Wachstumssteuerung beschreiben und die Wirkung dieser Hormone auf die Steuerung des Zellzyklus‘ zeigen. Darüber hinaus interessieren den Preisträger die Anpassungen von Pflanzen an extreme Bedingungen und ungewöhnliche Standorte. Das äthiopische Hochland und der ecuadorianische Bergregenwald bieten Erwin Beck schon seit langen Jahren gute Voraussetzungen für seine Untersuchungen zur Ökophysiologie tropischer Bäume.
Mit seinen Arbeiten trägt der Preisträger – jenseits der jeweils konkreten wissenschaftlichen Detailfrage – zu einem besseren Verständnis ökologischer Zusammenhänge bei. Dabei hat er auch die globalen Zusammenhänge und die ökosystemaren Folgen menschlichen Handelns im Blick.
Forschung und Lehre gehören für Erwin Beck untrennbar zusammen. Die Förderung des biowissenschaftlichen Nachwuchses war und ist ihm ein wichtiges Anliegen. Beleg für das große Engagement in diesem Bereich ist das von ihm mitverfasste Lehrbuch „Pflanzenökologie“ sowie die Tatsache, dass er 1987 das erste biologische Graduiertenkolleg in Deutschland „Pflanzen-Herbivoren-Systeme“ gegründet und maßgeblich vorangetrieben hat.
Der Treviranus-Preisträger hat seine wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Expertise in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien im In- und Ausland eingebracht. So leitete er die Struktur- und Berufungskommission Biologie bei der Neugestaltung der Humboldt-Universität Berlin nach der Wende, ist vielbeschäftigter Gutachter für die DFG, das BMBF und die EU und hat seit 2008 den Vorsitz der Senatskommission für Biodiversitätsforschung der DFG.
Das Zusammenwirken von Biowissenschaftlern über Disziplingrenzen hinweg ist Erwin Beck ein wichtiges Anliegen. Er war Präsident des Verbandes Deutscher Biologen, der Deutschen Botanischen Gesellschaft, der Union der Deutschen Biologischen Gesellschaften sowie des Deutschen Nationalkomitees für Biowissenschaften.
„Erwin Beck hat sich über lange Jahre in besonderer Weise in Wissenschaft und Öffentlichkeit für die Biowissenschaften engagiert“, so Prof. Dr. Wolfgang Nellen, Präsident des VBIO, über den Preisträger. „Sein wissenschaftliches Engagement reicht von der biochemischen Ebene bis hin zu globalen Zusammenhängen. Damit repräsentiert er in besonderer Weise die transdisziplinäre Vielfalt der Biologie, die schon den Namensgeber Treviranus, faszinierte“ so Nellen weiter.

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Zum Preisträger:
Erwin Beck studierte in München Biologie, Chemie und Erdkunde für das Lehramt an Gymnasien. Er promovierte über Aspekte der Chemosystematik höherer Pflanzen und habilitierte sich über die Biochemie verzweigter Monosaccharide. Er übernahm 1975 den Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie an der Universität Bayreuth, wo er heute noch als Emeritus arbeitet.
Erwin Beck engagiert sich vielfältig in der Wissenschaftsorganisation und –kommunikation. Unter anderem ist er Vorsitzender der Senatskommission für Biodiversitätsforschung der DFG, Ehrenmitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft und Kurator bei der Zeitschrift „Biologie in unserer Zeit“.

Zur Treviranus-Medaille
Der VBIO zeichnet Personen, die sich in der Öffentlichkeit besonders für die Biowissenschaften engagieren, mit der Treviranus-Medaille aus. Die Auszeichnung trägt den Namen des Bremer Arztes und Naturforschers Gottfried Reinhold Treviranus (1776 - 1837). Dieser hat in seinem Hauptwerk "Biologie oder Philosophie der lebenden Natur für Naturforscher und Ärzte" erstmals den Begriff "Biologie" als Klammer des damals schon existierenden Spektrums an "Lebenswissenschaften" eingeführt.
VBIO

29.10.2013

 

 
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