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Hauptsache „Gentechnikfrei“? – Biologie-Schülerlabore hinterfragen niedersächsischen Koalitionsvertrag

Die neu gewählte rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen will gemäß Koalitionsvertrag „Niedersachsen gentechnikfrei halten“.

Die Forderung einer gentechnikfreien Zone ist aus Sicht der im Netzwerk Genlabor & Schule zusammengeschlossenen Schülerlabore und des Landesverbandes Niedersachsen des VBIO (Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin e. V.) irreführend, da Gentechnik etwa in der Medizin unverzichtbar ist.

Mangelnde Differenzierung, prekäres Grundlagenwissen und diffuse Ängste erschweren eine rationale Bewertung der Gentechnik. Schülerlabore machen gentechnische Methoden, ihre Chancen und ihre Risiken erfahrbar. Sie tragen so zu einem soliden Wissen bei, das eine essentielle Basis für eine Bewertung ist. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Schließung des Schülerlabor-Projektes HannoverGen ist daher kontraproduktiv.

Das Netzwerk Genlabor & Schule der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM e.V.) und der Landesverband Niedersachsen des VBIO weisen dabei auch auf Inkonsistenzen im Koalitionsvertrag hin. Dort heißt es unter der Überschrift „Leitgedanke Nachhaltigkeit“, dass die Koalition großen Wert „auf Dialog, Kooperation, Teilhabe und Mitbestimmung“ lege „um das Land und die Gesellschaft neu zu gestalten“. Teilhabe und Mitbestimmung im Bereich der gesamten Gentechnik sind aber ohne grundlegende biologische Kenntnisse, wie sie Schülerlabore wie HannoverGen vermitteln, nicht Ziel führend.

Um tatsächlich einen kritischen Dialog mit der Bevölkerung über die Gentechnik zu führen, müsste die Förderung von biowissenschaftlichen Schülerlaboren und anderen außerschulischen Lernorten eher ausgebaut werden.

HannoverGen ist in der Region gut vernetzt, die Behandlung ethischer Aspekte nimmt breiten Raum ein und die Begleitforschung ist vorbildlich. „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet dieses Bildungsprojekt via Koalitionsvertrag beendet werden soll“ kritisiert Dr. Thomas Wendt von Genlabor & Schule: „Es sei denn, man fürchtet sich vor den Ergebnissen einer rationalen und umfassenden Auseinandersetzung junger Menschen mit Chancen und Risiken der Gentechnik“.

Der Bundesverband des VBIO hat bereits mehrfach – zuletzt im Sommer 2012 – gemahnt, die öffentliche Debatte um die Gentechnik auf der Basis wissensbasierter Argumente zu führen. Der Biologenverband fordert Entscheidungsträger auch weiterhin auf, sich für eine Versachlichung der Debatte einzusetzen, irreführende Begriffe zu vermeiden und den konstruktiven Dialog mit allen Seiten – insbesondere auch mit Wissenschaftlern – zu suchen.
Genlabor & Schule/VBIO Niedersachsen

19.02.2013

 

 
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