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Niedersächsisches Umweltministerium und VBIO: Gentechnik im Dialog

Gentechnische Forschung und Anwendung rufen vor allem im Bereich des Pflanzenbaus Ablehnung und Unbehagen hervor. Aber jenseits des Ackers ist die Nutzung gentechnischer Methoden alltäglich geworden: In der Medizin, in der Industrie, aber auch bei der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln.

Wie passt das zusammen? Welche Bedeutung hat Gentechnik in Niedersachsen für die Forschung und die wirtschaftliche Anwendung? Warum ist die Kommunikation
über Gentechnik so schwierig?

Diese Fragen bildeten den Rahmen für die Veranstaltung „Gentechnik in Forschung und Anwendung“, die der VBIO und das Niedersächsische Ministerium für Umwelt Anfang Oktober gemeinsame durchgeführt haben. Mit dabei unter anderem Prof. Wolfgang Nellen, Präsident des VBIO, der den „Spagat des Wissenschaftlers zwischen Forschung, Anwendung, Finanzen, Bürokratie und öffentlicher Meinung“ darstellte und Dr. Stefan Birkner, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, der über „Umweltschutz und Gentechnik“ sprach.

Im Anschluss an die Vorträge entspann sich eine lebhafte Diskussion. Debattiert wurde unter anderem das Verhältnis von Wissenschaft und Forschungsfreiheit auf der einen und politisch motivierten Vorgaben auf der anderen Seite. Auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Kennzeichnungen sowie die prinzipielle Unmöglichkeit „Überzeugungskonflikte“ restlos auflösen zu können wurde angesprochen. Warum eigentlich gilt der Begriff „gentechnikfrei“ in der breiten Bevölkerung als Qualitätsmerkmal, obwohl er sich doch eigentlich nur auf eine Herstellungsmethode bezieht? Pastor Dr. Michael Coors vom Zentrum für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum führte dies darauf zurück, dass bestimmte wissenschaftliche Methoden derartig weit vom Verstehenshorizont der Menschen entfernt seien, dass sie Misstrauen erzeugten. Dies gelte insbesondere für den hochemotional aufgeladenen Begriff des Lebens. Dort wo leben modifiziert werde, löse dies emotionale Reflexe aus. Er schlug vor, die Ambivalenz der Methodik auf beiden Seiten stärker zu thematisieren und sich ernsthaft mit den Argumenten der Gegenseite auseinander zu setzen.
Das Bemühen um eine sachliche Debatte betonte auch Minister Birkner. Derzeit gehe es allerdings ganz stark um „Meinungsführerschaft“. Die Debatte sei meist Spielball aktueller Ereignisse (wie Feldzerstörungen oder Einzelgutachten). Einen kontinuierlichen, gesellschaftlichen Diskursprozess, der alle Chancen und Risiken berücksichtige, gebe es nicht.

Auch Prof. Nellen betonte, dass der Dialog kontinuierlich verlaufen müsse, da er sonst verpuffe. Der VBIO sei bereit, sich mit Experten aus verschiedensten biowissenschaftlichen Fachgebieten an diesem Dialog zu beteiligen und könne dabei auch wichtige Erfahrungen aus der Kommunikation mit Laien einbringen. Sobald jemand einmal im Labor gestanden habe, würde er einen anderen Blick für gentechnische Methoden entwickeln. Er würde dadurch keineswegs zum Gentechnikverfechter, könne aber anschließend Pro- und Contra-Argumente besser verstehen und gegeneinander abwägen.

Der Präsident des VBIO zeigte sich erfreut, dass der im Juni versandte offene Brief, in dem der VBIO eine sachliche Diskussion über die Grüne Gentechnik eingefordert hatte, vom niedersächsischen Umweltministerium so zeitnah aufgegriffen wurde.

Die Vorträge finden Sie dokumentiert unter:
http://www.umwelt.niedersachsen.de/themen/technischer_umweltschutz/gentechnik/109303.html

08.10.2012

 

 
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