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Vom "Templiner Manifest" zum "Herrschinger Kodex"
6. GEW-Wissenschaft in Herrsching am Ammersee

"Attraktive Karrierewege und Beschäftigungsbedingungen gestalten" – unter diesem Motto steht die 6. Wissenschaftskonferenz der Gewerkschaft der Erziehung und Wissenschaft (GEW) zum Thema „Baustelle Hochschule“, die gestern Nachmittag in Herrsching am Ammersee eröffnet worden ist. Über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – insbesondere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulleitungen, Personalräten und wissenschaftspolitischen Organisationen – sind an den bayerischen Voralpensee gekommen, um bis zum kommenden Samstag zu diskutieren, was Hochschulen und Forschungseinrichtungen selbst dazu beitragen können, die Karrierewege in Hochschule und Forschung berechenbarer zu machen und die Beschäftigung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu stabilisieren. "Die Hochschulen haben nach mehr Autonomie gerufen und sie haben sie bekommen – sie müssen jetzt unter Beweis stellen, dass sie mit ihrer Autonomie verantwortungsvoll umgehen können", sagte das für Hochschule und Forschung verantwortliche Vorstandsmitglied der GEW Andreas Keller zur Eröffnung der Konferenz.

Keller stellte zehn Eckpunkte für einen Kodex "Gute Personalpolitik" vor, auf dessen Grundlage sich Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Schaffung stabiler Beschäftigungsbedingungen und berechenbarer Karrierewege verpflichten sollten. Der "Herrschinger Kodex" sei ein Diskussionsangebot der GEW an Leitungsgremien und Selbstverwaltungsorgane, Betriebs- und Personalräte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, führte Keller aus. Der Entwurf für den "Herrschinger Kodex" wird noch bis zum Samstag mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Wissenschaftskonferenz diskutiert, die endgültige Fassung soll anschließend den Gremien der GEW zur Beschlussfassung vorlegt werden. Geht es nach dem GEW-Vorschlag für einen "Herrschinger Kodex", dann sollen sich die Hochschulen und Forschungseinrichtungen beispielsweise dazu verpflichten, Mindestlaufzeiten für befristete Beschäftigungsverhältnisse zu garantieren, promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (Postdocs) eine geregelte Wissenschaftslaufbahn ("Tenure Track") anzubieten oder ein aktives Personalmanagement zu betreiben, das stabile Beschäftigung auch bei wechselnder Finanzierung ermöglicht.

Mit dem "Herrschinger Kodex" setzt die Bildungsgewerkschaft GEW ihre Kampagne für den "Traumjob Wissenschaft" fort, die sie 2010 mit dem "Templiner Manifest“ gestartet hatte (www.templiner-manifest.de). Inzwischen setzen sich knapp 10.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des "Templiner Manifests" für eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung ein, mit der insbesondere die umfassende Befristungspraxis in der Wissenschaft eingedämmt und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berechenbare Karrierewege eröffnet werden soll. Mittlerweile treiben acht von neun wissenschaftlichen Angestellten auf Basis eines Zeitvertrages Forschung und Lehre, über die Hälfte der Zeitverträge hat eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Nachdem mittlerweile der Deutsche Bundestag und einige Länderparlamente über die Reform der Karrierewege diskutieren und Beschlüsse vorbereiten, möchte die GEW mit ihrer Wissenschaftskonferenz 2012 am Ammersee den Blick auf die Verantwortung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen lenken. "Mit dem Herrschinger Kodex zeigen wir, wie die Wissenschaft schon heute die Attraktivität des Arbeitsplatzes Hochschule und Forschung steigern kann“, erklärte Keller.

GEW

07.09.2012

 

 
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