News DetailansichtGEW: Exzellente Wissenschaft und gute Beschäftigungsbedingungen – Zwei Seiten einer Medaille
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Maßnahmen gefordert, um die Beschäftigungsverhältnisse an den Hochschulen zu stabilisieren. "Wer einerseits exzellente Forschung und Lehre fordert, muss andererseits auch gute Berufsperspektiven und Beschäftigungsbedingungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bieten. Exzellente Wissenschaft und gute Arbeit sind zwei Seiten einer Medaille", erklärte das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller heute mit Blick auf die für Freitag erwarteten Förderentscheidungen für die zweite Phase der Exzellenzinitiative.
Keller kritisierte, dass Bund und Länder mit der Exzellenzinitiative für eine dramatische Ausweitung befristeter Beschäftigungsverhältnisse an Hochschulen gesorgt hätten: "Kamen 2005 auf einen wissenschaftlichen Angestellten mit Dauervertrag noch vier Kolleginnen und Kollegen mit Zeitvertrag, waren es 2010 bereits acht. Die meisten Zeitverträge haben eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Mit der Ausweitung des Hire-and-Fire-Prinzips schaden die Hochschulen der Kontinuität und Qualität ihrer Forschung und gefährden die Attraktivität ihrer Arbeitsplätze." Keller forderte Bund und Länder auf, die Vergabe der Exzellenzgelder mit Auflagen für die geförderten Universitäten zu verbinden: "Die Laufzeiten der Arbeitsverträge müssen die Projektlaufzeit von fünf Jahren ausschöpfen. Befristet beschäftigte Kolleginnen und Kollegen, deren Förderung 2012 ausläuft, müssen eine faire Chance auf Weiterbeschäftigung bekommen. Familienbezogene Fördermöglichkeiten müssen in jedem Einzelfall genutzt werden." Außerdem schlug der GEW-Hochschulexperte vor, die Exzellenzinitiative ab 2017 in einen "Pakt für gute Arbeit in der Wissenschaft" zu überführen. Dieser soll qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Perspektive eröffnen, dauerhaft in Forschung, Lehre oder Wissenschaftsmanagement zu arbeiten. "Es ist absurd, alle fünf Jahre mit Milliardenbeträgen neue Forschungsstrukturen aus dem Boden zu stampfen und Wissenschaftler einzustellen, um sie danach wieder auf die Straße zu setzen. Qualitativ hochwertige Forschung und Lehre setzen im Gegenteil nachhaltige Strukturen und stabile Beschäftigung voraus", mahnte Keller. WISSENSCHAFTSRAT FORDERT LÄNGERE VERTRAGSLAUFZEITEN Immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten - davon sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betroffen, in besondere Weise sorgt die fehlende Planungssicherheit dafür, dass Frauen in der Wissenschaft aussteigen, statt aufzusteigen. Darauf hat in bemerkenswerter Klarheit der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme "Fünf Jahre Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern - Bestandsaufnahme und Empfehlungen" (http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2218-12.pdf) hingewiesen. Der Wissenschaftsrat fordert daher, "die Qualifikationsschritte nach der Promotion transparenter und planbarer zu gestalten". Bei Befristungen von Arbeitsverträgen empfiehlt der Wissenschaftsrat, "längere Arbeitszeiten vorzusehen". In seiner Bestandsaufnahme der vor fünf Jahren von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen vorgelegten "Offensive für Chancengleichheit" kommt der Wissenschaftsrat zum Ergebnis, dass die im Einzelnen erzielten Verbesserungen "maßgeblich hinter den Erwartungen zurückgeblieben" seien. Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen in Hochschulen und Forschungseinrichtungen nachhaltig zu steigern, empfiehlt der Wissenschaftsrat, "verbindlich und umgehend" Zielquoten einzuführen. Für berechenbare Karrierewege und stabile Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft haben sich auch zahlreiche Sachverständigen aus Anlass der Anhörung "Frauen in Wissenschaft und Forschung" des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung am 11. Juni 2012 ausgesprochen (http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a18/anhoerungen/Frauen_in_Wissenschaft_und_Forschung/index.html). Anlass für die Anhörung war die Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Fraktionen SPD, Linke und Bündnis 90/Die Grünen zu "Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung" (Bundestags-Drucksache 17/7756). Darin hatte die Bundesregierung noch die Auffassung vertreten, dass es "im Wissenschaftsbereich keine prekäre Beschäftigung" gebe und dass keine Daten vorlägen, "dass Frauen häufiger als Männer im ,Wissenschaftsbereich' in Teilzeit beschäftigt und/oder befristet beschäftigt waren als in anderen Branchen" (S. 45). GEW
|