Biodiversität und Wissenschaft

Empfehlungen der wissenschaftlichen Konferenz “Biodiversitätsforschung - die Zukunft sichern”

Im Vorfeld der Biodiversitätskonferenz in Bonn im Mai 2008 führte die Konferenz “Biodiversitätsforschung - die Zukunft sichern” die wissenschaftliche Fachkompetenz zusammen, um sich mit der gegenwärtigen globalen Biodiversitätskrise zu befassen. Eingeladen von der International Union of Biological Sciences (IUBS) und des Internationalen Biodiversitätsforschungsprogrammes DIVERSITAS trafen sich 258 Wissenschaftler aus 36 Staaten, um eine Stellungnahme vorzubereiten.

Der wissenschaftliche Konsens
Trotz der besten Vorsätze der Vertragsstaaten, den Verlust an Biodiversität bis zum Jahr 2010 zu verlangsamen, zeigt das verfügbare wissenschaftliche Wissen klar, dass der dramatische globale Niedergang der Biodiversität sich allgemein sogar beschleunigt; dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit verstärkten politischen Handelns durch die CBD. Da die Biodiversität uns entscheidende Güter und Ökosystemdienst¬leistungen liefert, stellt sie unser langfristiges „Lebenserhaltungssystem“ dar.

Globale Beobachtungssysteme wurden bereits für Wetter, Klima und Erdbeben eingerichtet, ein vergleichbares System auch für die Biodiversität ist dringend erforderlich. Es wird die Wissensgrundlage verbessern und Vorhersagen ermöglichen, um wirksame Handlungs¬strategien herbeizuführen. Der Wert der Güter und Dienstleistungen, die die Biosphäre bereitstellt, sollte in die nationalen Bilanzierungen und politischen Zielsetzungen einbezogen werden.
Das Erreichen dieser Ziele wird neue wissenschaftliche Anstrengungen erfordern und den verbesserten Einbezug wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Politik.
 
Die Empfehlungen
Um der dringlichen Notwendigkeit gerecht zu werden, den dramatischen globalen Rückgang der Biodiversität umzukehren, empfiehlt die hier versammelte wissenschaftliche Gemeinschaft, dass die Regierungen:
• ein Netzwerk zur integrierten globalen Beobachtung der Biodiversität einrichten, in dem die vorhandenen nationalen und regionalen Monitoringsysteme ergänzt, ausgeweitet und verknüpft werden, um wirksame Informationen über Ökosysteme, Arten, und Gene und die von ihnen gelieferten Dienstleistungen bereitzustellen.
• ihre Unterstützung des „2010-Zieles“ intensivieren und auf die verfügbaren Fortschritte aufbauen, um nach 2010 wirksamere Zielsetzungen und verbesserte Indikatoren nutzen zu können.
• die Werte der von der Biodiversität bereitgestellten Dienstleistungen vollständig berücksichtigen und in alle relevanten Politiken und Entscheidungen internalisieren.
• die Investitionen in ein weites Spektrum an Werkzeugen und Technologien erhöhen, um die Beschreibung, Identifizierung, Inventarisierung und Beobachtung der Biodiversität zu beschleunigen.
• sich verstärkt bemühen, dass Information über Biodiversität universell durch technologische Innovationen verfügbar gemacht wird, dies besonders beim Transfer historischer Informationen in Länder reicher Biodiversität.
• in dem vorgeschlagenen Internationalen Regelwerk zur Regelung des Zugangs zu genetischen Ressourcen und des gerechten Vorteilsausgleichs (ABS) rationalisierte und vereinfachte Regeln für die rein wissenschaftliche und öffentlich zugängliche Forschung schaffen, um unnötige Hindernisse für die Generierung von Wissen zu vermeiden, das den Zielen der CBD dient.
• die Wirksamkeit des Dialoges zwischen Wissenschaft und Politik verbessern, indem die vorhandene wissenschaftliche Expertise in vollem Umfang durch die Organe der CBD, inklusive der SBSTTA genutzt wird, und indem ein der wissenschaftlichen Zustandsanalyse der Biodiversität gewidmetes Organ eingerichtet wird.
• die Rolle der Biodiversität für die Verringerung der negativen Effekte des globalen Wandels wahrnehmen und ein diesem Ziel entsprechendes Management der Biodiversität anwenden.
(Bonn, Deutschland, 12. – 16. Mai 2008)

application/pdf   Abstracts zur Konferenz "Safeguarding the Future" (315KB)
Abstracts zur Konferenz "Safeguarding the Future"
application/pdf   PreCop 9 "Safeguarding the Future" (22KB)
Zusammenfassung: Wissenschaftlicher Konsens und Empfehlungen

Einrichtung eines weltweiten Beratungsgremiums zur Biologischen Vielfalt
Ausgehend von der Erstellung der Weltökosystemstudie (Millennium Ecosystem Assessment) im Jahr 2005 und einer Initiative Frankreichs zur Einrichtung eines weltweiten Mechanismus zur wissenschaftlichen Expertise über Biodiversität (IMoSEB-Prozess), wurde auf der COP 9 ein erster Vorschlag vorgelegt , wie die Einrichtung eines weltweites Beratungsgremium zur Biodiversität (ähnlich dem Weltklimarat IPCC) erfolgen könnte.

IPBES – internationale Schnittstelle zwischen Biodiversitätsforschung und Politik

Nach Verhandlungen Mitte Juni 2010 in Südkorea, einigten sich die Staaten unter der Führung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), eine Intergovernmental Science-policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES, zu gründen. Das Ziel dieser Plattform ist, den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik zu fördern und zu verbessern, analog zur Arbeitsweise des International Panel on Climate Change (IPCC). Unabhängige Wissenschaftler werden aus der Fülle der Publikationen über Biodiversität und die „Leistungen des Ökosystems“ (Ressourcen die den Menschen durch intakte Ökosysteme zur Nutzung zur Verfügung stehen, z. B. sauberes Wasser) Referenzgutachten und Empfehlungen erstellen, die dann die Grundlage für wichtige politische Entscheidungen bilden sollen.↵

 

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