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Veranstaltung des Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern am 9. Mai 2017

Der VBIO Landesverband Bayern war am 9. Mai auf der Veranstaltung „Chancen einer nachhaltigen Bioökonomie in Bayern“, eine Tagung des Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern, in München vertreten. Frau Elke Weinhardt von der Geschäftsstelle und stellvertretende Vorsitzende Frau Zavala-Kugler wollten herausfinden, welche Chancen eine biobasierte Wirtschaftsweise für die nachhaltige Entwicklung Bayerns bietet und wie sich diese nutzen lassen.

Verschiedene Unternehmen haben von der Nutzung nachwachsender Rohstoffe berichtet. Für manche Herstellungsprozesse wird Biomasse direkt verwertet, zum Beispiel bei der Gewinnung von Naturfasern aus Wiesengras. Bei anderen Prozessen wird Biomasse aus Neben- oder Abfallprodukten von anderen Bereichen verwendet, zum Beispiel bei der Herstellung von Bioplastik aus Derivaten der Zuckerproduktion. In beiden Fällen gibt es Konflikte. Wird Biomasse angebaut um sie für andere Zwecke als für die Nahrungsmittelproduktion zu verwenden, trägt dies direkt zur Senkung der Menge an verfügbaren Nahrungsmitteln bei. Werden aus Abfallstoffen andere Produkte hergestellt, geht der Anreiz zurück einzusparen bzw. so wenig wie möglich zu verschwenden.

Prof. Dr. Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Sprecher des Sachverständigenrats Bioökonomie Bayern stellte das Grundsatzpapier des Sachverständigenrats vor. Ihm war vor allem wichtig, mit dem Papier zu einer gesellschaftlichen Diskussion über grundlegenden Rahmenbedingungen für die Entwicklung einer nachhaltigen Bioökonomie beizutragen und den Meinungsaustausch anzuregen. Die gesamte Arbeit des Sachverständigenrates können Sie komprimiert nachlesen in der Broschüre „Grundsätze der Bioökonomie in Bayern“.

Ob Bioplastik aus Milch und Holz oder Bioethanol in Putzmitteln, die Produktpalette kennt scheinbar keine Grenzen. Doch was wollen wir wirklich? (Fotos: LV Bayern, in besserer Auflösung auf der Facebook-Seite)

Über 150 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und von Nichtregierungsorganisationen waren auf der Tagung vertreten und debattierten über die Perspektiven von Bioökonomie für Bayern. Einige waren skeptisch, ob dies ein neuer, unverbrauchter Begriff für Gentechnik sei? Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Andechser Molkerei Scheitz und Mitglied des Sachverständigenrats Bioökonomie Bayern betonte in ihrem Vortrag, dass Bioökonomie nicht die Fortsetzung der bisherigen Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln bedeuten darf. Als ethisch normierte Wirtschaftsweise kann die Bioökonomie jedoch neue Impulse setzen, erklärte sie. Benedikt Härlin, Journalist und Leiter des Berliner Büros der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, sprach sich dafür aus, Innovationen in kleinem Umfang und auf regionaler Ebene umzusetzen und vielen Akteuren die Möglichkeit zur aktiven Beteiligung zu geben.

Andere Teilnehmer waren geradezu euphorisch und erkannten unendliche Chancen für die Steigerung der Wertschöpfung in Landwirtschaft, Lebensmittel- und Kraftstofferzeugung.
Sicherlich ist es wichtig, Erkenntnisse über biologische Prozesse zu gewinnen und diese Erkenntnisse für die Entwicklung von Technologien und innovativen Produkten zu nutzen.
Doch noch wichtiger als technologische sind soziale Innovationen. Grünes Wachstum allein kann die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise nicht erzielen, Suffizienz muss ebenso in die öffentliche Diskussion gebracht werden wie Effizienz, die Kreislaufwirtschaft muss ein wesentliches Ziel der Bioökonomie werden. Bioökonomie hat auch viel mit Kommunikation zu tun, daran scheitert es oft noch. Bioplastikbecher wären beispielsweise gut biologisch abbaubar, wenn nicht giftige Farben drauf gedruckt würden.
(Sibylle Zavala-Kugler)

 



 
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