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Knochenfragmente in Zuckerrübenschnitzeln
Sachstand nach einem Sachverständigengespräch 20.01.2005
Stellungnahme Nr. 002/2005 des BfR vom 18. Januar 2005


In Zuckerrübenschnitzeln aus Deutschland wurden Knochenfragmente und Haare mikroskopisch nachgewiesen. Zuckerrübenschnitzel werden zu Futtermitteln für lebensmittelliefernde Tiere verarbeitet und auch an Wiederkäuer verfüttert. Die durch die Mikroskopie ermittelten Funde in Zuckerrübenschnitzeln können als Indiz für das Vorkommen von tierischem Protein gewertet werden. Seit 2001 ist die Verfütterung tierischer Proteine und Fette an lebensmittelliefernde Tiere zum Schutz vor BSE verboten. Vor diesem Hintergrund stellte sich sowohl die Frage nach der Herkunft des nachgewiesenen tierischen Materials als auch nach einem möglichen Risiko für die Übertragung von BSE. Das BfR hatte dazu am 1. Dezember 2004 im Internet Stellung genommen. Am 10. Januar fand im Institut zu diesem Thema ein Sachverständigengespräch statt. Über den aktuellen Stand der Risikobewertung wird im Folgenden berichtet.

1. Gegenstand der Bewertung
Gegenstand der Bewertung des Bundesinstitutes für Risikobewertung ist der Nachweis von Knochenfragmenten in Zuckerrübenschnitzeln. Hintergrund ist das Verbot der Verfütterung tierischer Proteine und Fette an lebensmittelliefernde Tiere zum Schutz vor einer möglichen Übertragung von BSE.
Die Stellungnahme des BfR basiert auf Ergebnissen der mikroskopischen Untersuchungen von Proben von Zuckerrübenschnitzeln und der Analytik auf Basis der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) von Untersuchungsämtern der Länder, des Bundesinstituts für Risikobewertung sowie einem Sachverständigengespräch „Knochenfragmente in Zuckerrübenschnitzeln“, das am 10. Januar 2005 im BfR durchgeführt wurde.

2. Ergebnis

Knochenfragmente sind in den oberflächennahen Schichten sowohl naturbelassener als
auch kulturell genutzter Böden regional fast überall zu finden. Sie haften als Bestandteile der Feinsandfraktion auch an geernteten und gewaschenen Erdfrüchten. Zudem können sie auch in die Epidermis einiger Knollen- und Wurzelfrüchte eingewachsen sein.
Alle vorliegenden analytischen Befunde der jüngsten Zeit zum Vorkommen tierischen Erbguts (DNA) in Zuckerrübenschnitzeln deuten darauf hin, dass tierische DNA ubiquitär vorkommt. Eine Verunreinigung mit Rinder-DNA wurde bisher nicht festgestellt.
Auf Grund des Nachweises des Vorkommens von DNA unterschiedlicher Tierarten im Boden oder in Futtermittelproben ist es nicht möglich, „natürlich“ vorhandene DNA von derjenigen zu unterscheiden, die zugeführt wurde (z. B. Eintrag über Tiermehl als Dünger, Klärschlamm).
Es ist damit zu rechnen, dass auch in Zukunft der Nachweis von Knochenfragmenten oder tierischer DNA in Proben von Zuckerrübenschnitzeln und anderen Erdfrüchten häufiger erbracht werden wird.
Ein solcher Sachverhalt führt zu Konflikten mit der gesetzlich vorgegebenen Nulltoleranz.



3. Begründung
3.1 Futtermittel-Mikroskopie

In Zuckerrübenschnitzeln aus Deutschland wurden Knochenfragmente und Haare mikroskopisch nachgewiesen. Die durch die Mikroskopie ermittelten Funde von Knochenfragmenten in Zuckerrübenschnitzeln können als Indiz für das Vorkommen von tierischem Protein gewertet werden. Es kann sich dabei um Reste von Kleintierkadavern oder Beutetieren handeln.
Darüber hinaus besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Kontamination der Futtermittelproben auf den Einsatz organischer Düngemittel (z. B. Fleisch-Knochenmehl) zurückzuführen ist.
Der mikroskopische Nachweis von Knochenfragmenten in der Futtermittelprobe lässt grundsätzlich keine Aussage darüber zu, ob tierisches Protein in der Probe vorhanden ist oder nicht (z. B. organische Düngemittel: Gülle).

3.2 Knochenfragmente im System Boden
Im Rahmen des vom BfR durchgeführten Sachverständigengespräches erläuterten Bodenkundler, dass Knochenfragmente in oberflächennahen Schichten sowohl naturbelassener als auch kulturell genutzter Böden fast überall zu finden sind. Knochenfragmente haften als Bestandteile der Feinsandfraktion auch an geernteten und gewaschenen Erdfrüchten. Zudem können sie in die Epidermis einiger Knollen- und Wurzelfrüchte eingewachsen sein (Möglichkeit des Auftretens von Anhaftungen bzw. „Inkorporationen“ sowohl in Futtermitteln als auch Lebensmitteln: Zuckerrübe, Futterrübe, Mohrrübe, Sellerie, Wirsing, Silagen). Mit dem Auffinden von Knochenfragmenten und tierischer DNA in Zuckerrübenfrüchten und anderen Erdfrüchten ist daher häufiger zu rechnen.
Die Zuckerrübe ist aufgrund ihrer botanischen Besonderheit, den so genannten Wurzelrinnen, prädestiniert für hartnäckige Bodenanhaftungen.
Des Weiteren kann eine Kontamination oberirdischer Pflanzenteile mit mikroskopisch kleinen Knochenfragmenten aus der Ackerkrume auch durch Aufwirbelung kleiner Partikel durch Regentropfen hervorgerufen werden. Außerdem ist eine Kontamination des Erntegutes durch Staubentwicklung beim Mähdrusch möglich.
Nach übereinstimmenden Aussagen der Sachverständigen für Mikroskopie und Bodenkunde kann eine genaue Abschätzung des Alters der Knochenfragmente nicht vorgenommen werden.
Somit ist es auch bei einem Nachweis von Knochenfragmenten in der Futtermittelprobe nicht möglich zu unterscheiden, ob diese Partikel vor oder nach dem Inkrafttreten des Verfütterungsverbotes in das System Boden eingetragen wurden.

3.3 PCR zur Bestimmung der Tierarten in den Proben
Die PCR kann die von der Mikroskopie durch den Nachweis von Knochenfragmenten als positiv befundeten Futtermittelproben hinsichtlich der Tierart spezifizieren.
Im Rahmen des bundesweiten Untersuchungsgeschehens zur Überprüfung der Einhaltung des Verfütterungsverbots hat sich das BfR insbesondere ausgewählten Fragen der Tierartspezifikation in Futtermittelproben gewidmet. Insgesamt wurden in diesem Zusammenhang elf Proben von Zuckerrübenschnitzeln auf Basis der PCR untersucht. Die Proben wurden dem BfR von verschiedenen Untersuchungsanstalten der Länder und anderen Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Es handelte sich dabei sowohl um positiv befundete Futtermittelproben als auch um Blindproben.

Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
• vier Proben waren in der PCR schwach positiv auf Ratten-DNA;
• die Spezies Rind war in keiner Probe nachweisbar;
• bei sechs Proben war die PCR zum Nachweis humaner DNA positiv;
• bei der Sequenzierung des Cytochrom B-Amplifikates wurde in fünf Proben die Spezies Mensch, und in zwei dieser Proben zusätzlich die Spezies Schwein nachgewiesen.

Die Ursache für das Vorhandensein der humanen DNA ist bisher ungeklärt. Eine Verunreinigung während der Probenaufbereitung im Labor scheidet jedoch aus.
Der Nachweis der Tierart bezieht sich auf die Gesamt-Futtermittelprobe. Eine Zuordnung der DNA zu den in den Proben enthaltenen Knochenfragmenten war nicht möglich.
Alle vorliegenden analytischen Befunde der jüngsten Zeit zum Vorkommen tierischer DNA in Zuckerrübenschnitzeln deuten darauf hin, dass mit tierischer DNA in Futtermitteln zu rechnen ist. Eine Verunreinigung mit Rinder-DNA wurde bisher nicht festgestellt.
Der Nachweis von DNA unterschiedlicher Tierarten in Futtermittelproben ermöglicht es nicht, „natürlich“ vorhandene DNA (z. B. von Kleinnagern und Beutetieren) von derjenigen zu unterscheiden, die zugeführt wurde (Eintrag über Tiermehl als Dünger, Klärschlamm und andere Quellen).
Ein für die Routineuntersuchung geeignetes Verfahren, bei dem Tiermehl, das als Düngemittel eingesetzt wurde, in Proben von Zuckerrübenschnitzeln zu identifizieren, ist derzeit nicht vorhanden.

3.4 Risiko der Übertragung von BSE
Als Herkunft tierischer Bestandteile in den Zuckerrübenschnitzeln konnten Ratte, Maus und Schwein identifiziert werden. DNA von Rindern wurde in den untersuchten Proben nicht nachgewiesen. Die Gefahr, dass Feldnager BSE-infiziert sein könnten, wird angesichts des Fehlens jeglicher Hinweise auf eine BSE-Übertragung durch direkten Kontakt mit Rindern oder deren Ausscheidungen (Kot, Harn, Milch), nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis ausgeschlossen.

Das Risiko, dass sich lebensmittelliefernde Tiere, insbesondere Wiederkäuer, durch die Verfütterung solcher mit tierischen Überresten kontaminierter Zuckerrübenschnitzel mit BSE infizieren, ist nach den vorliegenden Analysenergebnissen somit nicht gegeben.
BfR
http://www.bfr.bund.de/cm/208/knochenfragmente_in_zuckerruebenschnitzeln_sachstand_neu.pdf

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